Vier Häuser für die Potsdamer Mitte
Wettbewerb an der Friedrich-Ebert-Straße entschieden
Nachdem ein Großteil der Potsdamer Innenstadt im Zweiten Weltkrieg und den Folgejahren zerstört wurde, wies die Stadt 1999 das Sanierungsgebiet „Potsdamer Mitte“ aus. Seither entwickelt sich das Zentrum im Sinne einer „behutsamen Wiederannäherung an das charakteristisch historisch gewachsene Stadtbild“. Inmitten von weiteren Planungsperimetern liegt der Block IV. Ende letzten Jahres wurde für die Bebauung von vier Parzellen des Blocks ein nichtoffener, einphasiger Wettbewerb entschieden.
In unmittelbarer Nähe zum Landtag, der Nikolaikirche und dem Museum Barberini liegen die Parzellen an der Friedrich-Ebert-Straße. An der nördlichen Straßenkreuzung soll der Komplex an das Bildungsforum mit Stadt- und Landesbibliothek und Volkshochschule anschließen. Das Grundstück grenzt an das Planungsareal Block V. Der Abriss des hier stehenden Staudenhofes wurde rege diskutiert und kritisiert, scheint nun aber endgültig gesetzt.
Die Nutzungen der geplanten Gebäude im Block IV sind in der Auslobung klar vorgegeben: Der an das Bildungsforum angrenzende Bau und gegebenenfalls das Erdgeschoss des zweiten Flurstücks sollen eine Kinderbibliothek und weitere Räume der Volkshochschule enthalten. Eine bauliche Verbindung zum Bestandsbau ist notwendig. Den Obergeschossen der Parzellen 2, 3 und 4 ist eine Wohn-, den Erdgeschossen der beiden südlichen Flurstücke eine Gewerbenutzung zugeschrieben. Als Ausloberin agiert der kommunale Unternehmensverbund ProPotsdam, koordiniert wurde das Verfahren von büro luchterhandt & partner (Hamburg). In einem vorgeschalteten Teilnahmewettbewerb wurden 12 Büros für die Teilnahme ausgewählt, unter denen die Jury unter Vorsitz von Uli Hellweg vier Preise vergab. Die Auszeichnungen im Überblick:
- 1. Preis: vielmo architekten (Stuttgart)
- 2. Preis: huber staudt architekten (Berlin)
- ein 3. Preis: hope Architekten (Hamburg) und Johannes Arolt Architekt (Berlin)
- ein 3. Preis: 03 Arch. (München)
Der Siegerentwurf sieht für die Gebäude auf den vier Flurstücken unterschiedliche Dachformen, Fensterformate, Trauf- und Geschosshöhen vor. Auch die Fassadenmaterialitäten und -farben sind individuell. Die Sockelgeschosse findet die Jury als „zu dezent“ ausgebildet und wünscht sich eine klarere materielle Abgrenzung zu den Obergeschossen. Hofseitig erhalten alle Bauten Balkone, Loggien und französische Fenster. Die Parzellen 1 und 2 werden im Erdgeschoss verbunden, der Hof zum Bildungsforum hin komplett bebaut. Auf der rechteckigen Grundfläche liegen der Eingang zur Volkshochschule sowie eine Kinderbibliothek mit Oberlichtern.
Äußerlich hat das Eckgebäude durch Profilierungen und betonte Vertikalen eine monumentale Anmutung. Hier spricht sich die Jury für mehr Zurückhaltung in der Formsprache aus. Auch die Parzellen 2 und 3 werden zum Teil hofseitig mit ergänzenden Gewerbeflächen bebaut. Die Dachflächen der Eingeschosser sind begrünt. Die Gebäudetiefen der Obergeschosse orientieren sich am südlichen Bestandsbau. (gk)
Auch wenn ich das nicht ganz so kritisch sehe wie Sie, kann ich Ihre Argumente nachvollziehen. Mehr von dieser fundierten inhaltlichen Auseinandersetzung würde dem Kommentarbereich des Baunetz guttun.
- die treppenhäuser, die bei der geringen tiefe der blockrandbebauung auch natürlich belüftet und belichtet werden könnten und dann mehr als nur "erschließungsfläche" sein könnten, blockieren durch ihre drehung und die einläufigen treppen die mittelzonen des gebäudes und machen es fast unmöglich, großzügige raumzusammenhänge herzustellen oder momente des "durchwohnens" zu schaffen, was angesichts der städtebaulich gewünschten spannung zwischen innen und aussen, straße und hof, aber sehr bereichernd sein könnte und in meinen augen eine entscheidende qualität des hier im erscheinungsbild (aber eben nicht in der struktur) so stark bemühten historischen vorbildes "stadthaus" darstellt. - die küchen wirken m.e. geradezu aus der zeit gefallen, weil sie jegliche kommunikation mit dem wohnbereich unterbinden, der in den mehrzimmerwohnungen zugleich auch essbereich ist, weil in den küchen selbst keine größeren tische platz haben es sind halt "dienende räume" wie im 19. Jahrhundert, nur dass wir nicht mehr im 19. jahrhundert leben, aber das ist ja auch ein teil des ganzen problems der pseudohistorischen "aufforstung" der potsdamer mitte. - zahlreiche zimmer sind so schlecht proportioniert und ohne jedes bewusstes verhältnis zu den fenstern angeordnet, dass es eine herausforderung werden könnte sie zu möblieren, bzw. dass sie die art der möblierung bereits rigoros vorgeben. - und dann gibt es in den 1,5-zimmer-wohnungen restflächen, die in den grundrisszeichnungen mit "zimmer" beschriftet sind, aber diesen namen wirklich nicht verdient haben, weil sie eben restflächen sind und keine zimmer. sie resultieren aus den schwierigkeiten, die sich die entwerfer*innen durch die anordnungen von treppenhäusern und aufzügen eingebrockt haben, womit wir wieder beim anfang wären...
für diese vernichtende Kritik an den Kollegen des Siegerentwurfs würde mich mal eine genauere Begründung interessieren.