Hasso Plattners Potsdam
Barberini Palais eröffnet
Es gibt den Typ Kunstsammler wie Julia Stoschek oder Christian Boros. Beide präsentieren sich auf ihre Art als Avantgarde, auch baulich. Boros zeigt seine Sammlung in einem Betonbunker, dem eine Glashaube aufsitzt, und Stoschek lässt für ihre Video- und Filmkollektion eine Berliner DDR-Platte zum Kunstraum umbauen. Und dann gibt es den Typ wie Hasso Plattner. Der SAP-Mitbegründer und Milliardär blickt schon bei seiner Privatsammlung, die er vor allem aus Werken des Impressionismus und der klassischen Moderne anlegte, lieber in die Vergangenheit als in die Gegenwart. In der Architektur greift er nun besonders in die Geschichte: In Potsdam setzte er sich für den Wiederaufbau des Stadtschlosses ein und hat jetzt ein ganzes Palais aus Zeiten Friedrichs d. Großen wieder aufbauen lassen. Heute, 20. Januar, eröffnet der Bau als eine neue, rein privat finanzierte Kunsthalle in der Landeshauptstadt.
In Potsdams historischer Mitte, unmittelbar neben dem Landtagsgebäude und der Nicolai-Kirche, schmiegt sich das neu-alte Barberini Palais in ein ganzes Ensemble von Nachbildungen ein. Ebenfalls noch in unmittelbarer Nachbarschaft: Das abrissgefährdete Mercure-Hotel und die schon zum Abbruch verurteilte Fachhochschule. Und so liegt die neue Kunsthalle in einer recht seltsamen Umgebung, die zwischen bereits rekonstruktiertem Barock und noch bestehender DDR-Moderne schwankt.
An der Qualität der Architektur des wieder aufgebauten Palais besteht kein Zweifel. Thomas Albrecht von Hilmer & Sattler und Albrecht (München) entwickelte aus den Dokumenten, die noch vom originalen Palais erhalten sind, einen modernen Museumsbau mit detailliert ausgearbeiteter Barockhülle. Auf vier Ebenen (Untergeschoss, Erdgeschoss und zwei Obergeschosse) breitete er ein Raumprogramm mit Ausstellungssälen, Veranstaltungsräumen, Eingangshalle und einem Café aus. Hier dominiert gutes Handwerk: Feiner Naturstein, edel gemustertes Fischgrätenparkett, durchdachte Belichtung, neueste Technik verborgen in Wand und Boden.
Hilmer & Sattler und Albrecht beziehen den öffentlichen Raum mit ein, wenn sie die Säulen des Mittelrisalit zu einer offenen Passage ausformulieren, von der aus die Besucher schließlich zum Eingangsfoyer kommen, in dem die Passage in Form einer modernen Säulenhalle weitergeführt wird. Ein „perfekter Museumsbau“ lobt Nicola Kuhn im Tagesspiegel, ein “Geschenk“ schreibt Andreas Kilb in der FAZ. Das Barberini Palais wird auch mit einem hochwertigen Museumsprogramm auffahren. Unter der Direktion von Ortrud Westheider, die bereits im Bucerius Forum in Hamburg Kuratorin war, eröffnet das Palais heute Abend mit einer Ausstellung, die schon jetzt Warteschlangen prognostiziert: Eine Impressionisten-Schau.
Eine gewisse Ironie liegt dem Projekt trotzdem inne, denn selbst der Originalbau des nun kopierten Barberini Palais war einst eine Kopie: Friedrich der Große ließ den Bau von Carl von Gontard nach dem Vorbild des Palazzo Barberini in Rom errichten. Das ganze Projekt war also immer schon ein Fake. (sj)
Fotos: Helge Mundt, Stefan Müller, © Museum Barberini
Gar keins, niente, Null ! Kein Arkadien, keine "sinnentleerte Vergangenheit". Einfach nur Realität. Bereicherung von Architektur und Städtebau im Hier und Jetzt. Punkt." Sean Spicer, sind Sie´s? Halbsätze, in denen "einfach nur" vorkommt und die oberlehrerhaft mit "Punkt" enden, waren mir schon immer reichlich suspekt. Genauso wie Typen, die keine Fragen, sondern nur Antworten kennen. Ihr diskursverweigerndes Apodiktum zeigt mir nur, dass Sie anscheinend glauben oder gar ernsthaft hoffen, die Dinge seien ausschließlich so, wie sie sie sehen. Mein Verstand und Erfahrung sagen mir, damit Sie haben vermutlich Unrecht.
Ich danke Ihnen, aber mit meinem Weltbild sehe ich mich selten im Unreinen, da es nicht statisch ist und sowohl klassische, als auch moderne Gebäude hineinpassen. In soweit würde ich den Hinweis wirklich lieber für Sie stehen lassen. Politisch-gesellschaftliche Architektur-Überinterpretationen Ihrer Coleur möchte ich aber nun wirklich nicht für mich übernehmen, das ist doch TAZ-Niveau: Nachher kommt noch dabei heraus, dass Herr Trump nicht ins weisse Haus eingezogen wäre, wenn dieses von Behnisch gebaut worden wäre, weil dann natürlich alle Sportlehrer -einsichtig geworden- demokratischer gewählt hätten.... Nein, nein lieber claus, den Schritt zu erweitertem Verständnis müssen schon Sie selbst machen, da Sie derjenige sind, der hier Dinge ablehnt und über-/fehlinterpretiert, sozusagen "nicht zulässt in seinem Weltbild" Lassen Sie die Klassik einfach mal hinein, vielleicht gibt es für Leute wie Sie sowas wie Architektur-Yoga ? Können auch klassische Gebäude "innovativ" sein ? Arbeiten Sie daran, irgendwann kommen Sie drauf ;-) Frage übrigens längst beantwortet: Gar keins, niente, Null ! Kein Arkadien, keine "sinnentleerte Vergangenheit". Einfach nur Realität. Bereicherung von Architektur und Städtebau im Hier und Jetzt. Punkt. Den Sportlehrer werden Sie allerdings nicht loswerden, weder auf meine noch auf Ihre Art.
Ich gebe Ihnen Recht das Architektur immer ein Spiegel der Gesellschaft ist. Umso trauriger ist es für welche Architektur die Demokratie steht. Vergleichen Sie alte Stadtansichten (am besten vor dem dritten Reich) mit heutigen Situationen. Fragen Sie sich doch mal für welche Art von Sportlehrer Sie bauen? Sport wird dieser Pädagoge wohl kaum unterrichten, ich habe da eher einen vergreisten Alt-68er vor meinen Augen...
Ich zweifele (wie gesagt) weder an der überdurchschnittlichen Ausführung, noch an der städtebaulichen Qualität - beides ist bestimmt vorhanden und allgemein wünschenswert, allerdings lassen Sie die gesellschaftliche (Sie nennen es politische) Komponente vollkommen außer Sicht. Ja es mag sein, dass es noch verhältnismäßig wenige Beispiele gibt, jedoch ist eine Tendenz der letzten Jahre bereits jetzt ablesbar. Das Weiterreichen von Traditionen ist ein Teil von Kultur, allerdings kann sich Kultur nur durch Innovation weiterentwickeln und das sollte doch den Kern unseres (architektonischen) Strebens bilden. Der kopierende Rückgriff auf Vergangenes kann schon etymologisch kein Weiterreichen sein. Man läuft gesellschaftlich Gefahr sich hier der Realitätsflucht hinzugeben, und die Geschichte nach eigenem Wunsch umzubilden. Und genau hier liegt die Gefahr, nämlich, dass wir unsere Vergangenheit in ein bekömmlicheres Licht rücken. Sie mögen das als lächerlich und "völlig verrückt" bezeichnen, ich jedoch sehe das kritisch. Ihren persönlichen "Tipp" an mich, doch mein Weltbild zu erweitern, gebe ich an dieser Stelle sehr gern an Sie zurück.
Du meine Güte ! Was geht in Ihnen vor, dass Sie sich gleich so aufregen müssen und die Mißbilligung der Aktivitäten anderer Auftraggeber("..auf ihrer Parzelle...Modelleisenbahn...") sich in Ihren sämtlichen Formulierungen zeigen muss. Den Arkadien-Begriff haben Sie selbst hier herein gebracht. Ich habe ihn nur aufgegriffen. Persönlich sehe ich dieses Gebäude gar keinem Arkadien zustreben, sondern pragmatischer als ein Stück ganz hervorragender Architektur. Viel mehr nicht. Dazu Respekt und Freude gegenüber den Architekten und dem Bauherrn. Und wenn irgendjemand, egal ob rechter Sportlehrer oder sonst jemand, eine Rekonstruktion (wenn ich Sie richtig verstanden habe, noch nicht mal diese hier) für irgendeine Art von politischer Agitation missbraucht, dann ist dieser Fakt an sich zwar sicher verurteilenswert, mir persönlich aber im Hinblick auf die Architektur selbst, völlig piepenhagen. Selbstverständlich ist Architektur nie unschuldig und hat immer einen Kontext, blabla.. meinetwegen auch einen Wunsch, wie Sie es nennen. Aber dies gleich dermassen politisch zu sehen und zu übertreiben ist völlig verrückt. Ich sehe hier hauptsächlich den Wunsch nach einer guten Architektur und Baukultur. Kultur wird immer durch Tradition weitergereicht, von Generation zu Generation, bei einer Rekonstruktion eben auch über einen grösseren Zeithorizont hinweg. Daran ist zunächst nichts Böses. Bei jeder Rekonstruktion kommen die gleichen übertriebenen Argumente und es werden Sehnsüchte nach düsterer undemokratischer Vergangenheit hineininterpretiert, das Ende des Spätkapitalismus zum xten Male vorhergesagt, die armen jungen Architekten bedauert, die so innovative und wohlgesonnene"avantgardistische" Entwürfe statt dessen hätten realisieren können, usw. Bleiben Sie doch mal auf dem Teppich und vor allem, haben Sie doch nicht solch eine übertriebene Angst: Noch maschieren keine braunen Horden vor dem Gebäude auf und Sie selbst dürfen auch weiter moderne Gebäude entwerfen, bauen und bewundern. Über wieviele Rekonstruktionen und historisierende Gebäude im Vergleich zum modernen Architekten-Mainstream reden wir denn hier. Auch wenn Sie das gesamte "Stimmann-Berlin", das Stadtschloß, den historisierenden Versuch am Frankfurter Römerberg usw., selbst die "privaten Parzellen mit Modelleisenbahnen" mit einbeziehen, werden Sie immer noch auf einen verschwindend geringen Anteil der Bautätigkeit kommen. Moderne, in Ihrem Sinne "zeitgemässe" Gebäude bestimmen dagegen unsere gesamte Realität, insbesondere an exponierten Stellen, siehe Elbphil. usw. Man muss also nicht gleich ein düsteres Bild vom Rücksturz in braune Zeiten malen und den Tod der sogenannten "Kreativität" besingen. Wenn Sie Rekonstruktionen verunglimpfen oder gar verbieten würden, könn(t)en Sie damit nicht die AfD oder Ihren Sportlehrer aus der Welt schaffen. Mein Tip für Sie persönlich: Locker bleiben und Weltbild erweitern... Und: nicht schimpfen, sondern bauen.