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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wettbewerb_Rathaus_Lauchhammer_entschieden_6963703.html

06.08.2019

Typologische Variationen

Wettbewerb Rathaus Lauchhammer entschieden


Nach „ortstypischer Architektursprache“, die sich in die „bestehende Bebauungsstruktur überzeugend einzuordnen“ weiß, verlangen viele Wettbewerbsauslobungen. Doch dass drei von vier Preisträgern des Wettbewerbs für das neue Rathaus in Lauchhammer geradezu wie typologische Variationen des gleichen Themas wirken, erstaunt dann doch: Giebel und Traufe, hohe Fensterformate, Über-Eck-Stellung samt Vorhofbildung und heller Backstein – auf dieser Klaviatur scheinen die Gewinner primär zu spielen. Umso mehr lohnt ein zweiter Blick, um über den sensiblen Umgang der Architekt*innen mit den Bestandsstrukturen nachzudenken.

Bisher liegt das Rathaus weit abgelegen am südlichen Stadtrand, in einem baufälligen Gebäude aus der Nachkriegszeit. Der Neubau soll nun in zentraler Lage errichtet werden, auf dem Grundstück einer 2005 abgerissenen DDR-Kaufhalle, das die Auslober als „wichtigstes Entwicklungspotenzial der Innenstadt“ bezeichnen. Seit vielen Jahren wollte die Stadt bereits ein neues Rathaus errichten, lange fehlten jedoch die notwendigen Fördermittel, ohne die das Projekt nicht realisierbar ist.

Im April lud die 15.000-Einwohner-Stadt im Süden Brandenburgs schließlich zwölf Teams zum nichtoffenen architektonischen und landschaftsarchitektonischen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb nach RPW 2013 ein, von denen vier gesetzt waren. Geplant sind circa 3.800 Quadratmeter BGF, der aktuelle Kostenrahmen (KG 200-700) beträgt 7,5 Millionen Euro. Ende Juli tagte das Preisgericht unter Vorsitz des Cottbuser Architekten und Stadtplaners Heinz Nagler und vergab vier Preise.

  • 1. Preis: AWB Architekten mit r+b landschaft s architektur (beide Dresden)

  • 2. Preis: TRU Architekten mit Planorama Landschaftsarchitekten (beide Berlin)

  • 3. Preis: pussert kosch architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (beide Dresden)

  • 4. Preis: Code Unique Architekten mit RSP Freiraum (beide Dresden)

Am ersten Preis gefiel dem Preisgericht vor allem „die enorme Präzision der städtebaulichen Setzung“, das der „sorgfältigen Auseinandersetzung mit dem Ort und dem Erkennen seiner Besonderheiten“ entspringe. AWB Architekten (Dresden) setzten einen traufständigen Bau an die Straße und kombinierten diesen mit einem „luftigen Gartenpavillon“ mit begrüntem Flachdach. Überzeugt war die Jury auch von der Setzung des Haupteingangs, kritisierte jedoch die innere Organisation dieser wichtigen Situation jedoch als zu kompliziert und „um die Ecke gedacht“. Kontroversen innerhalb der Jury gab es auch wegen der perforierten Wand im Erdgeschoss, sowohl was die Qualität der Innenräume als auch die Geste zum Stadtraum betrifft.

Der zweitplatzierte Entwurf von TRU Architekten (Berlin) überzeugte die Jury in städtebaulicher Hinsicht ebenfalls. Hier gab es unter anderem Kritik am geschlemmten Klinkermauerwerk, das nur bedingt Bezug nimmt zum regionalen Klinker. Kritisiert wurde außerdem, dass die Anordnung regulärer Büros im Erdgeschoss des vorderen Gebäudeteils nicht mit der repräsentativen Fassade korrespondiere.

Am drittplatzierten Entwurf von pussert kosch architekten (Dresden) missfiel der Jury die zu große Ausdehnung des Gebäudes auf dem Gelände. Die ortsytypische Zweigeschossigkeit empfanden die Presirichter zwar als angebracht, die flachen Dachneigungen überzeugten weniger, ebenso die „indifferenten“ Lochfassaden. Auch Code Unique Architekten (Dresden) setzten auf eine relativ starke Ausdehnung der Gebäudemasse, was zu einer hohen Versiegelung führt. Die Bemühungen der Architekten um eine differenzierte, typologisch gedachte Gebäudegliederung empfand das Preisgericht als „monoton“. Kritik ernteten die Architekten auch für das viele Glas im Erdgeschoss.

Die Erstplatzierten werden nun zum Verhandlungsverfahren eingeladen. In Abhängigkeit von den Fördermittelgebern ist eine Umsetzung des Neubauprojekts für 2020 bis 2022 angestrebt. (gh)


Zum Thema:

Die Ergebnisse des Wettbewerbs sind noch bis Freitag, 9. August 2019 im Mehrgenerationenhaus/Vereinshaus „Domizil“, Alte Gartenstraße 24, 01979 Lauchhammer zu sehen.


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1. Preis: AWB Architekten mit r+b landschaft s architektur (beide Dresden)

1. Preis: AWB Architekten mit r+b landschaft s architektur (beide Dresden)

2. Preis: TRU Architekten mit Planorama Landschaftsarchitekten (beide Berlin)

2. Preis: TRU Architekten mit Planorama Landschaftsarchitekten (beide Berlin)

3. Preis  pussert kosch architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (beide Dresden)

3. Preis pussert kosch architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (beide Dresden)

4. Preis: Code Unique Architekten mit RSP Freiraum (beide Dresden)

4. Preis: Code Unique Architekten mit RSP Freiraum (beide Dresden)

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