Typologische Variationen
Wettbewerb Rathaus Lauchhammer entschieden
Nach „ortstypischer Architektursprache“, die sich in die „bestehende Bebauungsstruktur überzeugend einzuordnen“ weiß, verlangen viele Wettbewerbsauslobungen. Doch dass drei von vier Preisträgern des Wettbewerbs für das neue Rathaus in Lauchhammer geradezu wie typologische Variationen des gleichen Themas wirken, erstaunt dann doch: Giebel und Traufe, hohe Fensterformate, Über-Eck-Stellung samt Vorhofbildung und heller Backstein – auf dieser Klaviatur scheinen die Gewinner primär zu spielen. Umso mehr lohnt ein zweiter Blick, um über den sensiblen Umgang der Architekt*innen mit den Bestandsstrukturen nachzudenken.
Bisher liegt das Rathaus weit abgelegen am südlichen Stadtrand, in einem baufälligen Gebäude aus der Nachkriegszeit. Der Neubau soll nun in zentraler Lage errichtet werden, auf dem Grundstück einer 2005 abgerissenen DDR-Kaufhalle, das die Auslober als „wichtigstes Entwicklungspotenzial der Innenstadt“ bezeichnen. Seit vielen Jahren wollte die Stadt bereits ein neues Rathaus errichten, lange fehlten jedoch die notwendigen Fördermittel, ohne die das Projekt nicht realisierbar ist.
Im April lud die 15.000-Einwohner-Stadt im Süden Brandenburgs schließlich zwölf Teams zum nichtoffenen architektonischen und landschaftsarchitektonischen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb nach RPW 2013 ein, von denen vier gesetzt waren. Geplant sind circa 3.800 Quadratmeter BGF, der aktuelle Kostenrahmen (KG 200-700) beträgt 7,5 Millionen Euro. Ende Juli tagte das Preisgericht unter Vorsitz des Cottbuser Architekten und Stadtplaners Heinz Nagler und vergab vier Preise.
- 1. Preis: AWB Architekten mit r+b landschaft s architektur (beide Dresden)
- 2. Preis: TRU Architekten mit Planorama Landschaftsarchitekten (beide Berlin)
- 3. Preis: pussert kosch architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (beide Dresden)
- 4. Preis: Code Unique Architekten mit RSP Freiraum (beide Dresden)
Am ersten Preis gefiel dem Preisgericht vor allem „die enorme Präzision der städtebaulichen Setzung“, das der „sorgfältigen Auseinandersetzung mit dem Ort und dem Erkennen seiner Besonderheiten“ entspringe. AWB Architekten (Dresden) setzten einen traufständigen Bau an die Straße und kombinierten diesen mit einem „luftigen Gartenpavillon“ mit begrüntem Flachdach. Überzeugt war die Jury auch von der Setzung des Haupteingangs, kritisierte jedoch die innere Organisation dieser wichtigen Situation jedoch als zu kompliziert und „um die Ecke gedacht“. Kontroversen innerhalb der Jury gab es auch wegen der perforierten Wand im Erdgeschoss, sowohl was die Qualität der Innenräume als auch die Geste zum Stadtraum betrifft.
Der zweitplatzierte Entwurf von TRU Architekten (Berlin) überzeugte die Jury in städtebaulicher Hinsicht ebenfalls. Hier gab es unter anderem Kritik am geschlemmten Klinkermauerwerk, das nur bedingt Bezug nimmt zum regionalen Klinker. Kritisiert wurde außerdem, dass die Anordnung regulärer Büros im Erdgeschoss des vorderen Gebäudeteils nicht mit der repräsentativen Fassade korrespondiere.
Am drittplatzierten Entwurf von pussert kosch architekten (Dresden) missfiel der Jury die zu große Ausdehnung des Gebäudes auf dem Gelände. Die ortsytypische Zweigeschossigkeit empfanden die Presirichter zwar als angebracht, die flachen Dachneigungen überzeugten weniger, ebenso die „indifferenten“ Lochfassaden. Auch Code Unique Architekten (Dresden) setzten auf eine relativ starke Ausdehnung der Gebäudemasse, was zu einer hohen Versiegelung führt. Die Bemühungen der Architekten um eine differenzierte, typologisch gedachte Gebäudegliederung empfand das Preisgericht als „monoton“. Kritik ernteten die Architekten auch für das viele Glas im Erdgeschoss.
Die Erstplatzierten werden nun zum Verhandlungsverfahren eingeladen. In Abhängigkeit von den Fördermittelgebern ist eine Umsetzung des Neubauprojekts für 2020 bis 2022 angestrebt. (gh)
Die Ergebnisse des Wettbewerbs sind noch bis Freitag, 9. August 2019 im Mehrgenerationenhaus/Vereinshaus „Domizil“, Alte Gartenstraße 24, 01979 Lauchhammer zu sehen.
Wie will man je einen Förderantrag stellen, zumal die Auswertung der Öffentlichkeit ein Bestandteil ist., erhofft man ein Symbolgebäude im Zeichen des Strukturwandel in der Region zu erleben liegt aus meiner Sicht falsch. Vielleicht gehe ich auf der Grundlage meiner beruflichen Tätigkeiten zu sehr in die Details, doch es fehlen zu den gedachten Neubauten alles das was ein Fördermittelgeber erwartet in einer Zeit ( keine fossile Energieträger mehr-hier die Fernwärme-, passive und aktive solare Nutzung des Baukörpers, Heizen und Kühlen mit erneuerbarer Energie, nicht die Nachhaltigkeit beschreiben, sondern darstellen), usw.). Sieht man sich einen Förderantrag der EU oder der KfW-Bank, der Landesbank Brandenburg an, werden wohl kaum die Hälfte der Positionen erfüllt, für mich ist diese Darstellung eine Luftnummer, wie bereits gesagt, hätte ich dies alles auf einem Besucherblatt bei der Ausstellung dargelegt.
Wir brauchen in Lauchhammer oder auch grundsätzlich in der Lausitz wirklich neue Maßstäbe, d.h. Basismaßstäbe die bereits bestehen und auf eine Umsetzung warten-das was dort gezeigt wird ist keine Zukunft für unsere Region, das Gesetzblatt von 2017 zum Strukturwandel "Unternehmen Revier" hätte mit Sicherheit bei der Erstellung dieser Unterlagen zum Wettbewerb dienlich sein können.
Was die Entwürfe angeht hätte ich ganz klar den zweitplazierten bevorzugt. Obwohl sie sich formal ähneln finde ich die giebelständige Anornung wesentlich dynamischer und auch passender zu dem Bestandsbau auf der echten Seite. Die Vorplatzsituation wäre dem Eingang vorgelagert - beim Gewinner ist das irgendwie vom Ablauf her durcheinander geraten. Dennoch kann man auf die Umsetzung gespannt sein.
Zeitgleich wird in Dresden (einst "Elbflorenz") für den Neubau eines seit drei Jahrzehnten überfälligen technischen Rathauses ein popliger Investoren-Wettbewerb, auf der Basis eines nicht näher definierbaren Workshop-Vorspiels, klammheimlich eingetütet. Sollte man da mal die Verantwortlichen austauschen? Nein - das wäre den Lauchhämmeren doch nicht zuzumuten!