Heilmittel Holzmodul
Schulneubau und Sporthalle von NKBAK in Berlin
Die Berliner Schulbauoffensive feierte gestern ihren ersten Meilenstein. Der Neubau für 550 Schüler*innen der Sekundarstufe im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres fertig geworden, ebenso eine Turnhalle. Das Projekt ist nicht nur räumlich und atmophärisch ansprechend und erzählt durch die vielen sichtbaren Baudetails von seiner Konstruktion. Es entstand in Rekordzeit.
Von Friederike Meyer
Mehr als 200 Schüler, Lehrer und Eltern haben sich am ersten Schultag nach den Sommerferien auf dem Vorplatz der Integrierten Sekundarschule in Mahlsdorf versammelt. Die Berliner Bausenatorin Katrin Lompscher gibt sich stolz. Für sie ist die Schule der gebaute Beweis, dass Schnelligkeit und Qualität kein Widerspruch sein müssen. Der Neubau ist das erste von drei Modellvorhaben, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Holzmodulbauweise errichten lässt. Die Pläne für alle drei Schulen stammen vom Büro NKBAK aus Frankfurt am Main, die in ARGE mit dem Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann, den Bremer Haustechnikern Ecotec und Franz Reschke Landschaftsarchitektur eine EU-weite Ausschreibung gewonnen hatten. Das Berliner Partnerbüro ist pcb Architekten, die Konstruktion lieferten Kaufmann Bausysteme aus Vorarlberg, die einen Teil der Module in Berlin-Köpenick produzieren ließen.
Der erste, durch die Alufassade ausgelöste Eindruck, dass die Schule ebenso eine Firmenzentrale sein könnte, wird durch die helle und warme Atmosphäre der Holzoberflächen im Inneren konterkariert. Dass der Neubau in vielen Details an die Europäische Schule in Frankfurt am Main erinnert, ist kein Zufall. Nicole Kerstin Berganski und Andreas Krawczyk, die Inhaber von NBAK, hatten bei jenem Projekt erstmals mit Holzmodulen geplant. In Berlin ist es nun wieder ein mit Aluminium verkleideter Dreigeschosser, sind die Holzoberflächen erneut weiß lasiert und die breiten Flure mit farbigen Sitzecken angelegt. Viele der 32 Klassenräume haben einen quadratischen Grundriss und bestehen aus drei Modulen mit einem Rastermaß von 2,86 Meter. Die Heizungen sind unter die Deckenplatten aus Holzwolle gehängt. Anders als in Frankfurt am Main hat der Berliner Neubau eine zentrale offene Treppe, die den Kommunikationsraum erweitert, und teils horizontal geteilte, automatisch gesteuerte Fenster, über die das Gebäude auch nachts lüften und auskühlen kann.
Das Konstruktionsprinzip der zugehörigen Sporthalle, in der drei Klassen gleichzeitig Unterricht haben können, ist ähnlich modellhaft. Mit Aluminiumtrapezblech verkleidete Brettsperrholzplatten und Holzträger bilden zwei ineinander verschränkte Baukörper für einerseits die Halle und andererseits die Nebenräume. Hier möchte man nochmal Schulkind sein! Die Montage dauerte drei Wochen. Auch der Schulbau ging verglichen mit vielen anderen Projekten rasend schnell. Der Rohbau stand innerhalb von sechs Wochen, im August 2018 erst hatte man den Grundstein gelegt. Die Baukosten beliefen sich auf 34,8 Millionen Euro.
Angesichts der Berechnungen der Berliner Koalition, dass in der Stadt demnächst 26.000 Schulplätze fehlen werden, ist der Neubau nur ein kleiner Lichtblick. Nachdem Berlin jahrelang Schulen geschlossen hat, will der Senatim Rahmen der 2016 gestarteten Schulbauoffensive bis 2026 rund 5,5 Milliarden Euro investieren. Mehr als 60 Objekte müssen neu errichtet, mehrere Hundert saniert, um- und ausgebaut werden. Am kommenden Samstag eröffnet das zweite, ebenfalls von NKBAK geplante Projekt, die Konrad-Wolf-Grundschule in Berlin-Lichtenberg. Weitere modulare Bauten entsprechend der Anfang des Jahres entschiedenen Wettbewerbe sollen folgen.
Fotos: Thomas Mayer
Mehr zum Thema Schulbau in Deutschland in der BAUNETZWOCHE#528.
Kommt auf das genauze Produkt und den Recyclinganteil an - Sekundäraluminium ist hier das Zauberwort. Als Oberfläche hat Alu ja viele Vorteile, auch aus Nachhaltigkeitssicht.
Und zum Thema Aluminium: Ja, der Energieaufwand bei der Herstellung ist hoch, aber das Material lässt sich auch nach relativ langer Zeit noch gut recyceln. Die einmal investierte Energie bleibt also im Kreislauf erhalten. Die Frage bleibt trotzdem, ob es nicht auch mit Holz gegangen wäre...
Niemand hier, der sich über die Aluminium-Fassade wundert? HAbe ich was verpasst? Gehört Aluminium nicht zu den Materialien mit der schlechtesten Öko-Bilanz ever? Was sind die Vorteile des Materials hier - gute Waschbarkeit? Ratlos, ihr Lars.