Ende Gelände
Werkbundstadt Berlin ist gescheitert
Viele Architekten, ambitionierte Ziele, Investoreninteressen im boomenden Markt, eine beeinflussbare Bezirksverwaltung und ein Weiterverkauf des Grundstücks – so kann man das Scheitern der Werkbundstadt Berlin kurz zusammenfassen. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten die drei wichtigsten Akteure der Werkbundstadt Berlin – der Deutsche Werkbund Berlin, das zuständige Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und die damaligen Grundstückseigentümer – die Festlegung einer „gemeinsamen Zielvereinbarung“ verkündet, dernach das Bebauungsplanverfahren für das dichte und gemischte Wohnquartier in Berlin-Charlottenburg gestartet werden sollte. Jetzt wurde das Projekt der WerkbundStadt Berlin, die auf dem 2,8 Hektar großen Gelände geplant war, endgültig begraben.
Der Deutsche Werkbund Berlin bedauert die Absage des Modellprojektes durch die neuen Eigentümer des Geländes, die Investorengemeinschaft „Am Spreebord“, heißt es in der gestrigen Presseerklärung des Werkbundes. „Die neuen Eigentümer sind offensichtlich nicht bereit, die Regeln der Zielvereinbarung einzuhalten; denn nicht mehr und nicht weniger haben wir verlangt“, sagt der Vorstandsvorsitzende Uli Hellweg. In der Zielvereinbarung hatte sich der damalige Eigentümer, die PLUS BAU Projektentwicklungs GmbH aus Hamburg, zu einer kleinteiligen parzellenorientierten Bebauung nach Entwürfen von 32 Architekten verpflichtet. Außerdem sollten die Qualitäten des Gesamtkonzepts der Werkbundstadt im Bebauungsplan und dem städtebaulichen Vertrag gesichert werden. Der Werkbund bedauert zudem, dass der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht ausreichend auf die Einhaltung der Zielvereinbarung seitens der Eigentümer gepocht hat.
1100 Mietwohnungen in 30 Gebäuden waren in der Werkbundstadt Berlin geplant. 32 Architekten hatten die Siedlung und ihre Häuser im Selbstauftrag entworfen. Das Gelände ist seit Planungsbeginn im Jahr 2016 mehrmals verkauft worden. Die derzeitigen neuen Grundstückseigentümer, die Baywobau und die Investa, hatten das Gelände Anfang 2018 von der PLUS BAU Projektentwicklungs GmbH aus Hamburg gekauft. Der südöstliche Teil des Grundstücks war im Sommer 2018 an die Bauwens aus Köln verkauft. Bauwens, Baywobau und Investa treten als Eigentümergemeinschaft „Am Spreebord“ auf. Die Marke „WerkbundStadt Berlin“ darf für das Projekt „Am Spreebord“ nicht verwendet werden. (fm)
Mehr zur Werkbundstadt auch in unserer BaunetzWOCHE#468.
was fehlt ist deren geschmacksbildung. wurde ja bereits geschrieben. aber eine suppe war das nicht. sondern ein lustiger vorspeisenteller.
Und mal ganz unter uns: so richtig innovativ war das Konzept dann auch nicht. Die insgesamt überwiegend konservativ anmutenden Gestaltungsansätze genügen vielleicht dem Zeitgeit, nicht jedoch dem Werkbundgedanken wie einst erdacht. Was bleibt ist ein schönes Modell. Viele Köche und eine Suppe die den Verköstern nicht geschmeckt hat.
Was für eine Verschwendung von Lebenszeit für Architekten. Schade.
nu' rassel doch mal leiser. Mir ist unklar, was Sie genau unter den vermissten Werkbundqualitäten verstehen. Aber Retro kann man dieses Quartier sicher nicht nennen. Weder im Städtebau noch in der Architektur. Gut, die Nöfer/Kollhoff/Albers-Fraktion überwiegt, aber mir hatte an der Idee die Mischung gut gefallen: Von Thomas Kröger, LRO bis Arno Brandlhuber war da ein breites Spektrum drin, das ich gerne als "Stadt" nebeneinander gesehen hätte. Wen oder was vermissen Sie da also genau? Patrik Schumacher vielleicht oder Ole Scheeren?