Diskurs bauen
Werkbund Berlin plant Siedlung mit 32 Architekten
Dass sich der Deutsche Werkbund mit zentralen Fragen des Wohnungsbaus auseinandersetzt, hat Tradition. In die Annalen der Architekturgeschichte ist die Weißenhofsiedlung eingegangen, die auf Initiative des Werkbunds 1927 mit Größen wie Scharoun, Le Corbusier oder Mies van der Rohe eine moderne Form des Wohnungsbaus bekannt machte. Jetzt, gute 90 Jahre später, will sich der Werkbund Berlin am städtebaulichen Diskurs um die Frage des zeitgenössischen Wohnens beteiligen, und zwar wiederum anhand von realer, gebauter Architektur. In Berlin-Charlottenburg plant das föderale Mitglied des Deutschen Werkbunds, das 29.000 Quadratmeter große Areal eines ehemaligen Tanköllagers zu bebauen.
Insgesamt 32 namhafte Architekturbüros werden sich mit jeweils einem Gebäude an dem Projekt mit dem Titel WerkbundStadt beteiligen. Insgesamt sollen nach einer Gesamtbauzeit von drei Jahren 1.100 Wohnungen entstehen. Anders als man es der Weißenhofsiedlung vorwarf, soll das Quartier in Berlin nicht exklusiv und elitär werden – nicht um idealisierte Ausstellungsobjekte geht es, sondern die Architektur soll sich der alltäglichen sozialen Realität des Wohnens stellen. Der Werkbund Berlin plant auf dem autofreien Gelände 330 mietpreisgebundene Wohnungen. Finanziert werden soll das Projekt von einer Investorengruppe, die sich als sozial verantwortungsvoll versteht.
Die Planung des urbanen Quartiers liegt beim Werkbund Berlin, der in der Tradition der 1907 gegründeten Vereinigung die verschiedenen Disziplinen der industriellen Gestaltung in den Entwicklungsprozess einbinden möchte. Als verantwortlich für das Gesamtprojekt zeichnen sich Claudia Kromrei (Vorsitzende Werkbund Berlin), Paul Kahlfeldt (Vorstand Deutscher Werkbund) und Corinna Scheller (Projektleitung). Trotz der festen Entschlossenheit aller Beteiligten liegt vieles noch im Unklaren. So stehen die Regularien, nach denen die beteiligten Architekturbüros ihre Entwürfe entwickeln werden, noch nicht fest. In Gemeinschaftsarbeit mit den beteiligten Büros ist allerdings schon ein erster städtebaulicher Entwurf entstanden und auch ein Detail scheint sich herauskristallisiert zu haben: Backstein soll zum Einsatz kommen.
Die 32 beteiligten Büros:
- Bernd Albers Architekten, Berlin
- Bayer & Strobel Architekten, Kaiserslautern
- Brandlhuber+ Architekten und Stadtplaner, Berlin
- Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur, Berlin
- Caruso St John Architects, London + Zürich
- Cramer Neumann Architekten, Berlin
- Dierks 6 Sachs Architekten, Berlin
- Max Dudler Architekt, Berlin
- E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten, Zürich
- Hans van der Heijden Architect, Amsterdam
- Heide & von Beckerath, Berlin
- Hild und K Architekten, München
- ingenhoven architects, Düsseldorf
- jessenvollenweider architektur, Basel
- Petra und Paul Kahlfeldt Architekten, Berlin
- Jan Kleihues, Kleihues + Kleihues, Berlin
- Kollhoff Architekten, Berlin
- Thomas Kröger Architekt, Berlin
- Vittorio Magnago Lampugnani, Studio di Architettura, Mailand
- LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart
- Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt am Main
- Nöfer Architekten, Berlin
- nps tchoban voss, Berlin
- Office Winhov, Joost Hovenier Architect, Amsterdam
- Patzschke & Partner Architekten, Berlin
- Rapp+Rapp, Amsterdam
- RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau, Düsseldorf
- schneider+schumacher Architekten, Frankfurt am Main
- Uwe Schröder Architekt, Bonn
- Schulz & Schulz Architekten, Leipzig mit bayer | uhrig Architekten, Kaiserslautern
- Staab Architekten, Berlin
- Weinmiller Architekten, Berlin
Für die Freiraumplanung sind verantworlich:
- Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München/Berlin
- Lützow 7 – Müller Wehberg Garten- und Landschaftsarchitekten, Berlin
Der Gesamtentwurf aller beteiligter Architekten und Planer wird anlässlich des Deutschen Werkbundtages vorgestellt, der vom 23. bis 25. September 2016 in Berlin stattfinden wird.
ein schönes mittelalterliches Quartier, in dessen engen Gassen man auf dem Kopfsteinpflaster schon fast das rege Treiben von Handwerkern, Kaufleuten ,Händlern und Werkbündlern riechen kann. Leider hat man die zinnenbesetzte Stadtmauer vergessen, die Zugbrücke fehlt und im Ortskern fehlt die Burg mit Karzer und Wetterfahne. Aber die Zwingburg hat Berlin ja bereits in der Stadtmitte. Eine Festung der Hohenzollern mit richtig Gitter vor den Fenstern und wenig Einblick von außen. Oh du schnöde Architektur, so musst du langsam in der Stadt der Aufklärung zugrunde gehen? Aber noch ist es nicht zu spät. Vielleicht habe ja die neuen Verantwortlichen in der Politk ein Einsehen? Noch wäre Zeit, bereits jetzt aus dem Unort eine modernes und atraktives Quartier zun machen.
1. Das Ziel von 1.100 WE in nur 32 Häusern zu realisieren, ist für sich gesehen schon mehr als sportlich (bei bspw. durchgehend 8-stöckiger Bebauung eine Mischung von Vier- und Fünfspännern). Was man allerdings mit den vier Gebäuden und ihren Hochpunkten, wie sie auf der Werkbund-Website skizziert sind, vorhat, ist mir ein Rästel. Vier Gebäude, die dann wie eine Salami in Scheibchen an die verschiedenen Architekten verteilt werden? Klar - jeder möchte bauen! Aber wo ist der Mehrwert? Wo ist der Raum für innovativen Städtebau, neue Grundrisse? 2. Über mögliche Altlasten angesichts der vorherigen Industrienutzung mit Schweröltanks hat man sich hoffentlich Gedanken gemacht und diese ins Vorhaben - finanziell und terminlich - mit eingeplant. Wäre schade, wenn man irgednwann feststellen muss, dass man den zweiten Schritt vor dem ersten getan hat. Man kann nur hoffen, dass der Berliner Werkbund nicht mit Pauken und Trompeten scheitert wie vor 10 Jahren die Kollegen in München. Im Gegensatz zu heute war der innovative Ansatz in München bereits auf den Plänen erkennbar. In Berlin muss man das Gegenteil fürchten: Gebaut und nichts gewonnen.
1. 28.000 m² (Angabe Website Werkbund Berlin) = 2,8 Hektar 2,8 Hektar = 0,028 km² 2. 1.100 Wohneinheiten (WE) x 2,3 Personen / WE = 2.530 Personen bzw. Einwohner (EW) (2,3 ist eine Zahl, mit der man AFAIK im Jahr 2016 innerhalb dt. Großstädte gut arbeiten kann.) 1. + 2. 2.530 EW / 0,028 km² = 90.357 EW / km² (!!!) Die Kollegen vom Werkbund Berlin haben also vor, das mit Abstand dichteste Quartier Deutschlands zu bauen. Man wäre fast 3,5 x so dicht wie das Wiesbadener Westend, der nächstdichteste Stadtteil Deutschlands. Sorry, aber wenn ich mich nicht verrechnet habe und die Zahlen stimmen, muss ich davon ausgehen, dass der Werkbund sich hier in seiner Konzeption vertan hat. So dicht ist nicht umsetzbar - nicht in Tokio und erst recht nicht in Berlin.