Georgien gilt als Wiege des Weins, wofür es durchaus auch wissenschaftliche Belege gibt. Kein Wunder, dass der dortige Weinbau seit den längst vergangenen Tagen der Sowjet-Massenproduktion inzwischen eine qualitative Renaissance erfahren hat. Damit einhergehen selbstverständlich auch ähnliche Vermarktungstendenzen, wie man sie aus vielen anderen Weinbauregionen kennt. Wie beispielsweise in Vachnadziani im Alazani-Tal in der ostgeorgischen Provinz Kachetien, wo l.o.a.3 – Laboratory of Architecture #3 (Tiflis) im vergangenen Jahr ein neues Weingut fertigstellen konnten. Es liegt etwas außerhalb des Dorfes malerisch zwischen den Reben. Die Weinverkostung wird hier zum luxuriösen Erlebnis mit Pool.
Der dreigeschossige Neubau folgt einer einfachen funktionalen Logik. Leicht in den Hang geschoben, dient das Sockelgeschoss der Produktion. Zwischen den Fässern kann hier außerdem auch probiert werden. Über eine Freitreppe gelangt man von dort auf die Hauptebene mit Foyer, Restaurant, Konferenzraum, großer Außenterrasse und besagtem Pool. Und darüber folgt der Hotelbereich mit Gästezimmern und einer weiteren Terrasse. Interessant ist die Wegeführung mit zwei in die Ecken eingeschnittenen Treppen, über die die Gäste vom Außenraum direkt ins Obergeschoss gelangen.
In architektonischer Hinsicht wählten l.o.a.3 eine erdenschwere Gestaltung mit archaischen, im Inneren überdies auch expressionistischen Anklängen. Wer möchte, darf an die eingegrabenen Tonfässer der georgischen Weintradition denken. Konstruktiv besteht das monolithisch erscheinende Volumen aus Beton, mit Fassaden ebenfalls aus Beton und Naturstein. Die Oberflächen haben einen warmen Charakter. Richtung Pool gibt es dank der gläsernen Fassade der Gästezimmer auch ein Element mit industriellem Charakter.
Im Inneren beeindruckt insbesondere das doppelgeschossige Foyer mit seinem Tonnengewölbe, einer orgelartigen Holztreppe und einer Wandverkleidung aus dunklem Stein, in die ein Kamin integriert ist. Der Raum soll an eine mittelalterliche Burg erinnern, so die Architekt*innen. Im Kontrast dazu stehe die weiche Ästhetik der Zimmer, die an ein intimes Boudoir denken lasse. (sb)
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