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21.04.2016

Moderne und Pädagogik

Vorschule in Argentinien


Kindergärten im argentinischen Santa Fe betreuen Kinder von eins bis drei Jahren – Institutionen für die Kinder in den letzten zwei Jahren vor dem Schuleintritt gibt es nur wenige. Der von den Architekten Subsecretaría de Obras de Arquitectura realisierte Jardín Coronel Dorrego ist ein solcher Ort. Ihre Vorschule verräumlicht die sozialpolitischen Ziele des städtischen Vorschul-Systems von Santa Fe: gleiche Chancen für alle Kinder der Stadt und horizontale soziale Mobilität durch Zugang zu frühzeitiger Bildung. Was selbstverständlich klingt, ist eher etwas außergewöhnliches, denn das argentinische Bildungssystem hat ein Problem.

War es in den Siebzigerjahren noch das Vorzeigemodell in Südamerika – Arbeiterkinder und Akademikerkinder lernten zusammen – fiel in den letzten Jahrzehnten einer neoliberalen Umstrukturierung zum Opfer. In die öffentlichen Schulen wird immer weniger Geld investiert, der Unterschied zwischen staatlichen und privaten Schulen wächst. Es wundert daher nicht, dass nach der strittigen Bildungsreform von 1993 25 Prozent aller Kinder eine kostenpflichtige Privatschule besuchten. Die Folgen des Sparkurses in den öffentlichen Schulen – marode Schulgebäude, unterbezahlte Lehrer – zementieren Bildungsprivilegien und Zugangsbarrieren zu höheren Bildungsabschlüssen.

Bei der öffentlichen Vorschule arbeiten Subsecretaría de Obras de Arquitectura bestmöglich innerhalb dieser finanziellen Zwänge. Ihr umgerechnet 370.000 Euro-Neubau schafft mit geringem Budget viel für die Nachbarschaft und zeigt sich zudem ästhetisch gelungen. Das Konzept des „erweiterten Programmes“ ist die räumliche Übersetzung einer gewissen pädagogischen Mission: die Kinder sollen nicht nur in Interaktion mit den Lehrern, sondern auch mit der Familie und der lokalen Gemeinschaft lernen. Diese Idee materialisiert sich in einem Funktionsblock im Süden des Komplexes. Hier können Nachbarn bestimmte Bereiche, wie eine Küche oder einen Mehrzweckraum, mitnutzen.

Der Grundriss des Gebäudekomplexes beruht auf einem modularen System, jede Klasse besetzt ein unabhängiges Modul. Diese verschiedenen, einfachen Volumen lassen sich zu Höfen, Gärten und Terrassen öffnen. Das bietet räumliche und klimatische Vorteile: Klassenzimmer können expandieren und das Raumklima kann durch die Öffnung der Fassade verbessert werden. Die verschiedenen Programmbereiche werden zudem durch ein ringförmiges System von Galerien erschlossen, die ebenfalls als wichtiger Klimaregulator funktionieren. Der zentrale Innenhof, um den alle Räume organisiert sind, ist zugleich der Zugang zu den öffentlichen Bereichen des Gebäudes und dient der nachbarschaftlichen Nutzung. (df)



Fotos: Federico Cairoli


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