Verdreht und gespiegelt
Villenumbau bei Ludwigsburg fertig
Vor kurzem wurde in Marbach bei Ludwigsburg eine äußerst futuristische Industrievilla fertig gestellt: Die Villa „Dupli.Casa“ des Berliner Büros Jürgen Mayer H. Architekten scheint von außerirdischen Denkmalpflegern modelliert worden zu sein (siehe BauNetz-Meldung vom 15. Dezember 2006). Der Umbau des Hanghauses – ganz ohne Ecken und Kanten – wirkt wie eine abstrakte Skulptur, die Außenfassade mit ihren großformatigen Fensteröffnungen verläuft glatt und fugenlos.
An die ehemalige Villa der Industrieellenfamilie erinnert nur noch der durchgehend vertikale Treppenkern und der alte Grundriss, dem der Neubau auf den Zentimeter genau folgt. Laut dem Architekten basiert der Neubau auf dem archäologischen Abdruck der Familiengeschichte, denn die Bestandsvilla wurde seit 1984 mit jedem neuen Familienmitglied über An- und Umbauten ständig erweitert, was einen unerwarteten und außergewöhnlichen Umriss erzeugte. Dieser wurde dupliziert, vertikal angehoben und zum ursprünglichen Gartengeschoss verdreht, wodurch ein großzügiger öffentlicher Bereich entsteht – ein Raumkontinuum –, das seinen Mittelpunkt in der zweigeschossigen Lobby findet. Das darüber liegende Obergeschoss, in dem sich die Privatzimmer befinden, weist wiederum die Struktur des verschwunden Altbaus auf, diesmal allerdings nicht nur verdreht, sondern auch noch gespiegelt.
Wir wollen nicht, dass Architekten sich austoben, ungewöhnliche Ideen haben und umsetzen. Und wir wollen nicht wissen wie die Architekten auf ihre Ideen kommen und ihre Entwürfe entwickeln. Den Schwachsinn kann man am Gebäude sowieso nicht mehr erkennen. Wir wollen nichts modisches oder gar künstlerisches. Und schon gar nichts was den Zeitgeist verkörpert. Denn das interessiert die Nachwelt und die Bau- und Kunstgeschichte garantiert nicht. Die wollen unsere Vorstadtsiedlungen sehen, unsere Einfamilienhäuschen, wahlweise freistehend oder in Reihe. Die wollen unsere quaderförmigen Verwaltungsgebäude sehen, wahlweise mit Loch- oder Glasfassade. Und natürlich unsere Shoppingmalls. Wir wollen absolut nicht, dass andere Architekten gelobt oder gar gefeiert werden. Nein, Nein, Nein.
Stark, Jürgen MH, sehr stark - und Hut ab vor den Bauherren.