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24.09.2018

Goldener Eckenlupfer in Südkorea

Vergnügungstempel von MVRDV und Gansam


Hereinspaziert, hereinspaziert! Kommen und staunen Sie! Lassen Sie sich verzaubern von tanzenden Farben, Häuserecken, die abzuheben scheinen und einem sonderbaren goldenen Vorhang. So oder so ähnlich könnten sie klingen, die Lockrufe dieses speziellen Zirkus. Der Gedanke an Zirkus, Theater oder Jahrmarkt ist dabei gar nicht so verkehrt. Denn bei den Neubauten handelt es sich um Paradise City – eine Vergnügungsstadt in der Nähe von Südkoreas größtem Flughafen Incheon, 52 Kilometer westlich von Seoul.

Ein großes Spielcasino, ein Hotel, ein Food Court – insgesamt sechs Gebäude bilden Paradise City, die die Niederländer von MVRDV (Rotterdam) zusammen mit Gansam Architects (Seoul) jetzt um zwei weitere Gebäude ergänzt haben. Einen Nachtclub – der Bau, mit dem goldenen Vorhang – und einen Indoor-Vergnügungspark. Eine riesige Entertainmentanlage gewissermaßen. Fensterlos natürlich, damit man sich voll und ganz auf Spiel und Spaß konzentrieren kann. So wünschte es sich der Auftraggeber.

Moderne Tempel der Vergnügung – egal ob Shoppingcenter oder Casino – sollen vor allem eins: verführen, locken, um Aufmerksamkeit heischen. Äußerlich jedenfalls. Mit schreiend bunter Illuminierung, großen Gesten oder blinkend-innovativer Medienfassade, wie sie Gansam im südkoreanischen Cheonan mitentwarf. Manche der Malls und Meilen haben sogar Fenster. Paradise City nicht.

The Imprint nennen MVRDV ihre zwei Baukörper, deren größte Herausforderung eben jene Fensterlosigkeit war, wie sie selbst betonen. Die Lösung: Die umliegenden Gebäude in Form einer reliefartigen Fassade zu spiegeln, das heißt: der einfachen Bauform nicht einfach eine glatte Haut überziehen, sondern Fenster mittels Glasfaserbetonplatten imitieren. Insgesamt 3.869 Panels. Dies schaffe Kohärenz, so Winy Maas, schließlich sei Paradise City keine Sammlung einzelner Objekte wie Las Vegas, sondern eine echte Stadt.

Ob echte Stadt oder nicht, darüber ließe sich diskutieren, ist Paradise City zwar angegliedert an Incheon, aber eben doch vor allem eins: eine Amüsiermeile. Das betonten die Architekten schon bei der Projektpräsentation vor zwei Jahren und damit spielen sie auch: Eingänge, deren Fassaden wie Vorhänge angehoben wurden, verspiegelte Decken, Glasböden, angehobene Gebäudeecken. Theatralik, die verführen soll. Die Menschen sollen Spaß haben und vor allem: Geld ausgeben. So funktioniert das Geschäft.

Erst am nächsten Tag kehrt wieder Ruhe ein. „Bei unserem Design folgt nach den nächtlichen Eskapaden tagsüber eine zenartige Stille, die eine fast wortwörtlich nachdenkliche Situation schafft“, so Maas. Das Gegenteil einer echten, lebendigen Stadt eben. Immerhin: Surrealist Giorgio de Chirico hätte es gerne gemalt, ergänzt Maas. (kat)

Fotos: Ossip van Duivenbode


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Kommentare:
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Statt Fenstern gibt es 3.869 weiß-goldene Panels an der Fassade.

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Verführung und Amüsement: Der güldene Nachtclub, dessen Eingang an einen Vorhang erinnern soll.

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Abgehobene Ecken und immitierte Fenster – so sollen die Bauten in Beziehung zur Umgebung treten.

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Wie ausgestorben: Zenartige Ruhe am Tag nach der Party.

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