Junges Gesicht für die Baupolitik
Verena Hubertz wird neue Bundesbauministerin
Die SPD-Politikerin Verena Hubertz wird neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Das verkündete die SPD-Führung heute morgen, als sie ihr Regierungsteam für die 21. Legislaturperiode vorstellte. Damit wird die 37-jährige Bundestagsabgeordnete Klara Geywitz ablösen, die das Ministerium mit dem gleichen Namen seit 2021 geführt hatte.
Über ihre Herkunft, Ansichten und ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre in Rheinland-Pfalz erzählt Verena Hubertz ausführlich auf ihrer Webseite. 2013 gründete sie mit ihrer Studienfreundin Mengting Gao das Start-Up AJNS New Media GmbH, entwickelt eine App für die crossmediale Kochplattform Kitchen Stories. 2019 wurden die beiden Gründerinnen vom Kress Report als „Newcomerinnen des Jahres“ ausgezeichnet. Ende 2020 gab Hubertz die Geschäftsführung auf, um im Wahlkreis Trier als Direktkandidatin für den Bundestag anzutreten.
Verena Hubertz gehört zu den jungen Gesichtern der neuen Regierung. Sie sitzt erst seit 2021 im Bundestag, war jedoch bereits im Dezember 2021 zu einer von acht stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt worden. SPD-Mitglied ist sie seit 2010, eine gewisse parteiinterne Prominenz hatte sie sich seit 2017 als Mitinitiatorin der Reformplattform SPD++ erworben. In Sachen Baupolitik hat die Unternehmerin allerdings wenig Erfahrung vorzuweisen. In der Bundestagsfraktion war sie unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen zuständig. In ihrem Wahlkreis Trier-Saarburg hat sie sich für die „Schwerpunktregion Holzbau Trier“ eingesetzt. In den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD arbeitete sie in den Bereich Wirtschaft, Industrie und Tourismus mit.
Nun wird sie die planungs- und baupolitischen Vorhaben des Koalitionsvertrages verantworten und dabei auch viel Unerledigtes aus der Ampel-Regierung auf dem Tisch haben: schnellere Genehmigungsverfahren, mehr günstige Wohnungen, vereinfachte Baustandards, Gebäudetyp-e, Novellierung des Baugesetzbuchs. Hilfreich dürfte dabei sein, dass Hubertz bisher strukturellen Veränderungswillen bewiesen hat. Sie ist Mitglied der Organisationspolitischen Kommission des SPD-Parteivorstandes, die bestehende Strukturen überprüfen, modernisieren oder möglicherweise abschaffen soll.
Die SPD wird in der kommenden Regierung sieben Ministerien besetzen, mit vier Frauen und drei Männern. Die CDU hatte ihre Besetzungen bereits vergangene Woche bekannt gegeben. Morgen wird der Bundeskanzler gewählt, anschließend finden die Amtsübergaben in den Ministerien statt. (fm)
Sonst setzt sich am Ende nur wieder die Bauindustrie und Goldbeck durch und den Archis bleibt nur das hier schon geübte Gemecker. Bei der Architekturdiskussion in diesem Land gilt der alte Satz ShakespeareS: Der Fehler, liebe Archis, liegt nicht in unseren Sternen, sondern in uns selbst....
Wünschen wir ihr einen guten Start, viel Mut und Standvermögen!
Ich steige mit einer Annahme ein: Vermutlich wissen die kritischen Vorredner*innen ähnlich wenig über unsere zukünftige Bauministerin wie ich. Der kurze Blick in übliche und ausreichend belastbare Wissensquellen bringt folgende Informationen. 37 Jahre, Studium Wirtschaft, breite Berufsefahrung, Entwicklerin eines "Produktes" mit 20 Millionen Nutzer*innen bzw. Führung von 60! Personen, 2020 erstmalig als Direktkandidatin gewählt. Klingt für mich gut. Dazu im Wissen, dass Bauen komplex ist aber keine Raketenwissenschaft, bin ich optimistisch, dass hier einiges angepackt wird, nicht von heute auf morgen und auch nicht alles, das wäre aber auch unrealistisch. Alles Gute dem Ministerium!
+ Start-Up-Denken lässt auf Lösungsorientiertheit und Durchbeißvermögen schließen. + Sie ist jung, und damit näher an den prekär beschäftigten Berufseinsteigern mit Wohnungsnot als an denen, die sich gemütlich in ihrem EFH eingerichtet haben. + Ihr Vater ist/war Schlosser > vermutlich hat sie zumindes Teilaspekte der Bau-/Handwerksbranche intuitiv mitbekommen. + Durch ihre bisherige Berufserfahrung (PWC, Start-Up) kennt sie die Themen Prozessoptimierung und Verschlankung von Bürokratie, und kann hoffentlich etwas davon ins Ministerium tragen. o Steile politische Karriere (ob das gut oder schlecht ist, da bin ich mir uneins) - Wenig fachlicher Bau-Background (wobei das für die Besetzung von Ministerien oft keine große Rolle spielt und auch nicht zwangsläufig zu einem Scheitern führt)
..überwiegenden Teil der Kommentare lese bin ich erstmal beruhigt, dass keiner der kommentierenden Fachleute den Posten übertragen bekommen hat. In 2-3 Jahren wird man sehen, ob Frau Hubertz es geschafft hat dieses Ministerium in die richtige Richtung zu bewegen. In erster Linie sehe ich hier das in Gang bringen des geförderten Wohnungsbaus durch einen radikalen Bürokratieabbau und die Absenkung der völlig überzogenen Standarts in diesem Bereich. Ich wünsche Ihr hierbei alles Gute und viele Unterstützende !