Kreuzgänge und Xeriscaping
Universitätsgebäude in Malaga von Vaillo +Architects
In Andalusien arbeiten rund 15 Prozent der Erwerbstätigen im Fremdenverkehr, im Großraum Málaga sind es sogar etwa 25 Prozent. Entsprechend hoch ist der Stellenwert von Studiengängen wie Tourismus oder Hotelmanagement, die an der Universidad de Málaga gelehrt werden. Da die bisher für diese Zwecke genutzten Räumlichkeiten – ursprünglich gemeinsam mit der Fakultät für Kommunikation in einem Gebäude untergebracht – zu klein geworden waren, erhielt die Universität nun einen Neubau.
Den wuchtigen, von einem strengen Betonraster geprägten Komplex entwarfen Vaillo +Architects (Pamplona) in Zusammenarbeit mit dem lokalen Architekten Joaquín López Baldán. Er wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt und soll demnächst in Betrieb gehen. Das Projekt geht auf einen Wettbewerbsgewinn des Büros zurück, das damals noch unter Vaillo + Irigaray firmierte.
Der Neubau ist im Universitätsviertel Teatinos im Westen Málagas zu finden, ganz in der Nähe weiterer Fakultäten. Auf einer Fläche von rund 22.900 Quadratmetern bündelt die Facultad de Turismo mehrere Hörsäle, Seminarräume, einen großen Veranstaltungssaal, Büros, eine Bibliothek und eine Cafeteria sowie Labore und Lehrküchen für die Studiengänge Tourismus, Gastronomiewissenschaft und Hotelmanagement.
Wegen Höhenbeschränkungen durch den Luftverkehr entwickelt sich der Komplex auf dem abfallenden Gelände verhältnismäßig flach. Drei versetzt angeordnete Volumen gruppieren sich um ein zentrales Atrium. Im Inneren ist jeder der drei Baukörper wiederum um einen eigenen Hof organisiert, den die Architekt*innen als zeitgenössische Interpretation des Kreuzgangs verstanden wissen wollen. Die Höfe und Atrium fungieren auch als thermische Pufferräume, die durch Querlüftung zur Regulierung der Innentemperaturen beitragen.
Ziel des Entwurfs sei eine zeitlose Architektur gewesen, so das Büro. Innen wie außen prägt ein Raster aus 15 Zentimeter starken Betonscheiben die Volumen. Lokale Zuschlagstoffe und Zemente verleihen dem Beton eine vergleichsweise dunkle Tönung. Das strenge Raster, dessen Tiefe und Dichte je nach Ausrichtung variieren, fungiert auch als großmaßstäblicher Sonnenschutz. Die Gebäudehülle sei zudem darauf ausgelegt, im Inneren ein hohes Maß an Flexibilität zu ermöglichen, sagen Vaíllo +Architects. Wände mit unterschiedlichen Tiefen und Träger mit großen Spannweiten erlauben vielfältige Raumkonfigurationen.
Auch im Inneren dominiert Beton, ergänzt durch Holz und Glas. Die Gestaltung der Freiräume reagiert auf die knappen Wasserressourcen der Region. Sie setzt auf sogenanntes Xeriscaping – die Gestaltung mit einheimischen, trockenheitsresistenten Pflanzen und durchlässigen Belägen. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Vaillo + Irigaray Architects
- Assoziierter Architekt:
- Joaquin Lopez Baldan
- Projektleiter:
- Javier Oyanarte
- Tragwerksplanung:
- Eduardo Ozcoidi, Josep Agusti, Calter Ingenieria
- Gebäudetechnik:
- Estin Adviser
- Bauherrschaft:
- University of Malaga
- Fläche:
- 22.904 m²
- Baukosten:
- 34.000.000 €