Lichtes Wohnen in Berlin-Westend
Umbau von augustinundfrank/winkler
Viele Projekte des Berliner Architekten Herbert Heinke sind nicht bekannt. Eines seiner Häuser wurde von wiewiorra hopp schwark umgebaut, seine Erweiterung einer Montagehalle in Berlin-Waidmannslust steht – als Teil eines Ensembles – sogar unter Denkmalschutz. Aufgrund einer substanziellen Transformation rückt nun zudem das Wohn- und Atelierhaus des 2017 verstorbenen Architekten im Westend ins Bewusstsein. Verantwortlich für das Projekt sind augustinundfrank/winkler mit Sitz in Berlin-Kreuzberg. Akzente der ursprünglichen Gestaltung blieben ebenso erhalten wie der moderne Grundcharakter des Hauses.
Heinke errichtete das Haus 1969. Neben Wohnhaus und Atelier beherbergte das horizontal gelagerte, zweigeschossige Volumen auch eine Einliegerwohnung, die erhalten wurde und noch immer von ihrer Erstbezieherin bewohnt wird. Das übrige Gebäude passten die Architekt*innen an die heutigen Bedürfnisse einer fünfköpfigen Familie an. Wo die ursprüngliche Architektur mit breiten Brüstungen einen etwas gedrungenen Eindruck machte, geht es nun deutlich lichter zu. Decken und Wände wurden teils entfernt und die Räume fast schon in einen Neubauzustand versetzt. Einzelne Elemente – beispielsweise stark patinierte Stützen und die freigelegte Kassettendecke – lassen die Vergangenheit des Hauses aber klar erkennen.
Das Projekt zeichnet sich durch eine feine Balance zwischen Addition und Reduktion aus. Die Silhouette wurde in diesem Sinne durch leichte Vordächer im Erd- und Obergeschoss gestrafft und die Fassade farblich vereinheitlicht. Die gedeckte Tonalität setzt sich im Innern mit pastelligen Böden, Einbauten und Fensterprofilen fort. Für Kontraste sorgen wiederum verzinkte und verchromte Elemente sowie eine Treppe aus dunklem Holz und schwarzem Stahl im doppelgeschossigen Hauptraum. Gewohnt wird auf Gartenniveau, während sich die Schlaf- und Kinderzimmer im ersten Stock befinden. Platz war außerdem noch – quasi im Geiste des ursprünglichen Entwurfs – für ein kleines Studio. (sb)
Fotos: Andrew Alberts
Die Kopfhöhe unter der Galerie ist wohl eher das Problem einer 90-Grad-Drehung und nicht die Kellertreppe.
Die Ausführung, Material und so weiter.
Man könnte sich fragen,
ob es zusätzlich eher wesentlich ist, dass man den Platz für einen zweiten Verkehrsweg/Treppe im Raum einnnimmt, wenn man die Treppe an anderer Stelle platziert;
oder, ob die Öffnung der Kellertreppe dauerhaft da sein muss oder sich durch Elemente verschließen lässt.
Ob die Galeriedecke schon immer nur an der Seite geöffnet war, oder ob die Architekten den Eingriff in die Raumhöhe an der Stelle selbst vorgenommen haben.
Das sind spontane Einfälle, die nicht die besten darstellen können; nur die Aussage, es geht nicht, weil bereits eine Kellertreppe vor dem Fenster herabführt, ist der schlechteste Ratgeber für gute Architektur allgemein und Aufgang in die Galerieebene vor der gesamten Fenterfront konkret.
Die Ausgänge an der Fensterfront sind dadurch letztlich zusätzlich nicht gelungen.
Insgesamt schönes Projekt finde ich - mit gelungenen Wohnräumen, gutem Umgang mit dem Bestand und einer wirklich schönen Treppe. Die innere Fensterfarbe ist etwas gewöhnungsbedürftig. Im Obergeschoss haben die Räume teilweise die Anmutung einer unschön sanierten Zahnartztpraxis (z.B. Bild 21).
Die Fassade fand ich teils sogar vor dem Umbau schöner. Das Sichtmauerwerk und dieses Relief ist natürlich etwas altmodisch, jedoch für mich diesem gewollt rohen, unfertigen Erscheinungsbild dennoch überlegen. Wir sind ja hier nicht in Belgien......
Man wünscht sich mehr vorher-nachher-Bilder.