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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Umbau_in_denkmalgeschuetztem_Industrieareal_in_Berlin_von_Linie_Creutzfeldt_Architekten_7852067.html

18.02.2022

Terrasse statt Laderampe

Umbau in denkmalgeschütztem Industrieareal in Berlin von Linie Creutzfeldt Architekten


Das denkmalgeschützte Industrieareal der Gebauer Höfe in Berlin-Charlottenburg zwischen Franklinstraße und Spreeufer entstand im Wesentlichen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich die rasant wachsende Industrie an den damaligen Rändern Berlins ansiedelte. Der Textil- und Maschinenfabrikant Friedrich Gebauer bebaute sein rund 20.000 Quadratmeter großes Grundstück ab 1865 nach und nach mit unterschiedlichsten, teils markanten Gewerbegebäuden in rotem Ziegelstein. Seit den 1990er Jahren saniert die Gewerbesiedlungs-Gesellschaft GSG den verwinkelten Komplex als Standort für Geschäftsräume, Büros und Werkstätten unterschiedlicher Branchen. In diesem Kontext planten Linie Creutzfeldt Architekten (Berlin) den Umbau einer am Eingangshof gelegenen ehemaligen Lagerhalle aus den 1980er Jahren zum Bürohaus The Briq mit circa 1.400 Quadratmetern Gesamtfläche.

Das zweigeschossige, mit seiner langgestreckten Hauptfassade nach Norden ausgerichtete Bestandsgebäude stand, anders als das umgebende Ensemble, nicht unter Denkmalschutz und hob sich optisch von dessen Erscheinungsbild ab. Es wurde jedoch aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht abgerissen, sondern unter Ausnutzung der vorhandenen räumlichen Qualitäten, zu denen die hohen Decken und der industrielle Charakter zählen, umgestaltet und saniert. Die neu entstandenen Büros sind mit Stabparkett und Holzsitzbänken im Bereich der Fenster im Stil industrieller Lofts ausgebaut. Einzelbüros werden durch Glaswände abgetrennt.

Der Bestand wurde wo möglich im Original belassen und an die aktuellen Brandschutznormen angepasst. So blieben das Stahltragwerk, die dreiseitig vorhandenen Brandwände aus Porenbeton, die Beton-Geschossdecken und die gemauerten Treppenhauswände erhalten. An der Fassade griffen die Architekt*innen hingegen sichtbar ein: Zur Belichtung der nur einseitig ausgerichteten tiefen Räume wurde die vorhandene Wellblechverkleidung komplett entfernt und durch eine neue Stahl-Glasfassade mit großen Fensterformaten ersetzt. Im obersten Geschoss lassen zusätzlich farbig eingefasste Oberlichter Tageslicht in die Räume.

Für die Anlieferung besaß die frühere Lagerghalle eine Laderampe und dadurch einen um 1,40 Meter erhöhten Zugang über dem Gelände. Linie Creutzfeldt nutzten diese bauliche Besonderheit für die Anlage einer breiten, der gesamten Fassade vorgelagerten Terrasse mit Sitzstufen und Pflanzbeeten, zu der sich die Türen im Erdgeschoss öffnen lassen. Teil des Umbaus war auch die Neugestaltung der Haupteinfahrt zum Hof mit einem Fliesentableau, das die Grüntöne der Stahlbauteile und Bauelemente in den Höfen aufgreift. Ein ebenfalls neuer Durchgang auf der Westseite des Gebäudes verbindet die denkmalgeschützten Höfe miteinander und ist außerdem Teil eines Spreeufer-Wanderwegs. (uav)

Fotos: Jan-Oliver Kunze



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