Wohnen und Arbeiten in der Kaserne
Umbau in Moncenisio von Antoni de Rossi, Laura Mascino, Matteo Tempestini und Coutan Architects
An der Grenze zu Frankreich, südlich des historischen Alpenpasses Col du Mont Cenis, liegt die kleine italienische Gemeinde Moncenisio. Inmitten der alpinen Landschaft stehen die Überreste zweier alter Kasernentrakte, von denen einer nun zu einer Künstlerresidenz umgebaut wurde. Der Entwurf für die Casermette – auf Deutsch kleine Kaserne – stammt von Antonio De Rossi, Laura Mascino und Matteo Tempestini von der Fakultät für Architektur und Design der Politecnico di Torino. Für das Projekt arbeiteten sie mit Edoardo Schiari und Maicol Guiguet von Coutan Architects aus Turin zusammenarbeiteten.
Die Casermette befindet sich etwas unterhalb des historischen Ortszentrums. Wo früher einmal die Guardia di Finanza über die Grenze wachte, finden nun Künstler*innen einen abgeschiedenen Raum zum temporären Wohnen und Arbeiten. Das Projekt, das von der Gemeinde Moncenisio in Auftrag gegeben wurde, ist Teil eines umfassenden Sanierungskonzepts für das Dorf, das auf einer Höhe von 1.500 Metern liegt. Neben der Casermette setzt die Politecnico di Torino auch noch weitere Umbauten in anderen Gemeinden der Bergregion um.
In Moncenisio sei die Transformation mit minimalem Budget realisiert worden, so die Architekt*innen. Einen Low-Tech-Ansatz verfolgend, fügte das Team zwei einfache Volumen aus Holz in das ursprüngliche Mauerwerk ein. Fast schon etwas schelmisch lugt die neue Konstruktion aus den alten Steinmauern hervor.
Die tragende Struktur ebenso wie die Verkleidung aus Lärche stamme gänzlich aus den nahegelegenen Wäldern von Venaus und Mompantero, sagt das Team. Die energieautarke Architektur verfügt zudem über Biomasseöfen und Photovoltaikanlagen. In der eingefügten Holzstruktur befinden sich eine Künstlerwohnung und ein multifunktionaler Gemeinschaftsraum. Über einen kleinen Hof sind diese miteinander verbunden.
Die Mauern des größeren Kasernenbaus, der aufgrund hydrogeologischer Gegebenheiten nicht zu Wohnraum umgebaut werden konnte, blieben hingegen unberührt. Der Ort soll künftig für Veranstaltungen und als Garten genutzt werden. Die Architekt*innen hoffen, mit dem Projekt ähnliche Gemeinden dazu zu inspirieren, ebenfalls „nachhaltige Wege zu beschreiten“. (dsm)
Fotos: Edoardo Schiari (Coutan Architects)
Die BauNetz Woche #605 widmet sich suffizienter und klimagerechter Architektur in den Alpenregionen.
Lediglich das Übergangsdetail zwischen Bestandsmauer und eingestelltem Holzkörper finde ich nicht sehr überzeugend (siehe Bild 2 und Detail C). Aus meiner Sicht dürfte der eingestellte Holz-Körper die Mauer nicht überlappen.