Neue Kita hinter alter Fassade
Um- und Anbau in Straßburg von aplomb.
Dass ein Projekt als Sanierung beginnt und als Neubau endet, ist im Bauwesen keine Seltenheit. Bei einem Vorhaben im Straßburger Zentrum war es ähnlich. Nachdem aplomb. (Riedisheim) den Wettbewerb für den Umbau eines historischen Gebäudes aus den 1850er Jahren zur Kita gewonnen hatten, zeigten technische Gutachten, dass von der Bausubstanz lediglich die Straßenfassade erhalten werden konnte. Der Rest musste rekonstruiert oder zeitgenössisch ergänzt werden.
Damit wurde aus der Bauaufgabe faktisch ein Neubau hinter historischer Fassade. Die aufwändige Restaurierung der Hülle begründen die Architekt*innen mit dem architektonischen und denkmalpflegerischen Wert des Ortes. Entsprechend gründlich wurde das Projekt von der Denkmalpflege begleitet. Von der Straße aus ist heute kaum abzulesen, dass sich hinter der erhaltenen Front ein vollständig neues Gebäude verbirgt. Diverse Elemente des Bestands wurden sorgfältig demontiert, restauriert und wieder eingesetzt – darunter auch der charakteristische Holzerker. Genutzt wurde der Bestand übrigens zunächst von der Verwaltung, nach dem Zweiten Weltkrieg als Schule und schließlich als Sitz des Straßburger Schachclubs
Auf rund 600 Quadratmetern Bruttogrundfläche bietet die Kita Platz für 35 Kinder und Kleinkinder. Die Älteren sind im Erdgeschoss untergebracht, wo neben verschiedenen Aufenthalts- und Nebenräumen auch das Büro der Leitung liegt. Im Obergeschoss befindet sich die Krippe für die Jüngeren, die über zwei Terrassen verfügt. Die größere davon dient als pädagogischer Gemüsegarten. Offene Raumabfolgen sollen den Kindern viel Selbstständigkeit ermöglichen. Nach Norden schließt ein bestehender, von Bäumen geprägter Garten an. Davor liegt unmittelbar am Haus eine Holzterrasse mit einem Wasserspielplatz, die auf einer Ebene in den Garten übergeht. Verschiedene Sandsteinelemente des abgebrochenen Gebäudes wurden wiederverwendet und dienen heute etwa als Tisch oder Bank.
Konstruktiv ist der Neubau als Holz-Beton-Hybrid mit Holzfaserdämmung ausgeführt. Analog zum äußeren Erscheinungsbild bleiben auch die Innenräume zurückhaltend. Helle Farben, einfache geometrische Formen und große Fenster prägen die Räume; hinzu kommen Kalkputz und verschiedene Einbauten aus Holz. Auf dem Dach liegt eine Biberschwanzdeckung aus Terrakottaziegeln. (gk)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- aplomb. (Atelier Picquet Loïc. Ordre Matière Bâti)
- Holzkonstruktion:
- Ingenierie Bois
- Betonkonstruktion:
- SIB
- Kostenplanung:
- C2bI
- Haustechnik:
- Bet Jost
- Bauherrschaft:
- Ville de Strasbourg
- Fläche:
- 603 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 2.695.000 € netto




