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18.05.2018

Wider die Blackbox!

Tiroler Supermarkt von LAAC


Gestalterische Innovation und sensible Kontextualisierung gehören eher nicht zu den Prädikaten, die man Architekten von Supermärkten hierzulande für ihre Entwürfe vergeben kann. Dafür ist der Gestaltungsspielraum zu gering. Nicht nur, weil die Unternehmen darauf keinen besonderen Wert legen würden, sondern weil sie sich teilweise bewusst dagegen entscheiden. Denn mit der Gestaltung – oder Nichtgestaltung – der Märkte verfolgen sie oft andere Pläne.
 
Die freistehenden Hallenbauten der Lebensmitteldiscounter beispielsweise – ihre äußere Form, ihre innere Organisation und ihre krude Billig-Materialität – scheinen an jedem Ort gleich. Ihre Figur einer flachen Blackbox macht keinen Hehl aus der Haltung ihrer Planer zum Stadtraum. Der städtebauliche Kontext war beim Entwurf irrelevant. Ihre Lagerhallen- oder Bierzelt-Typologie findet gleichermaßen im Gewerbegebiet oder auf der städtischen Baulücke Anwendung. Auf aufwendige Interieurs und differenzierte Warenpräsentation wird, vor allem bei den Discounter-Märkten, oft verzichtet. Was nicht heißt, dass man sich auch der Inszenierung der Verkaufsumgebung verweigert. Vielmehr hat man das Gefühl, dass das 1953 von den Albrecht-Brüdern formulierte Credo – „Das, was man erreichen muß, ist, dass der Kunde den Glauben gewinnt, nirgendwo billiger einkaufen zu können.“ – bis heute konsequent in die Gestaltungsprinzipien der Märkte übersetzt werden: Banalität als Markenidentität.
 
Eine gegensätzliche Strategie verfolgt die österreichische Supermarkt-Kette MPreis. Die Firmenphilosophie des Familienunternehmens – nachhaltig wirtschaften, regionale Identität stärken – hat konkrete Folgen für die Gestaltung der Marktumgebung. Der Wiedererkennungswert ihrer Marke generiert sich, in Kontrast zur rigorosen Gleichförmigkeit hiesiger Verkaufsräume, aus der Vielfältigkeit architektonischer Konzepte und einem hohen Gestaltungsanspruch. Dabei unterlässt es das Unternehmen bewusst, eine bestimmte gestalterische Corporate Identity vorzugeben und setzt eher auf Prinzipien, wie etwa die Auseinandersetzung mit den landschaftlichen Elementen des unmittelbaren Kontexts. MPreis arbeitete in der Vergangenheit mit zahlreichen Architekten – Dominique Perrault, Peter Lorenz, Rainer Köberl und Astrid Tschapeller, Giner+Wucherer und LP Architektur – an der Realisierung sehr unterschiedlicher Supermärkte.
 
Im Tiroler Ort Weer konnten nun LAAC (Innsbruck) kürzlich einen neuen MPreis-Markt fertigstellen, dessen Metallfassade aus polierten Edelstahlpaneelen die Berggipfel, Bäume und Felder der Umgebung reflektiert. So übersetzten die Architekten die Bemühungen von MPreis um eine lokale Herkunft von Lebensmitteln in ein für den Kunden leicht verständliches räumliches Bild. Im komplett in Beton ausgeführten Innenraum wird diese Idee durch gezielte Oberlichter, die etwa Bergkuppen und Gipfel rahmen, verstärkt. Auch aus energetischer Perspektive setzt das Gebäude Maßstäbe, die eigentlich längst der Standard sein sollten: Es wird ausschließlich mit der Abwärme der Lebensmittelkühlung beheizt, ist als Passivhaus ausgeführt und sein Dach ist vollflächig mit Photovoltaik ausgestattet. (df)

Fotos: Marc Lins


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LAAC


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Auf einen großen Parkplatz kann man auch in Weer nicht verzichten – sonst ist aber alles ganz anders als bei vergleichbaren Märkten.

Auf einen großen Parkplatz kann man auch in Weer nicht verzichten – sonst ist aber alles ganz anders als bei vergleichbaren Märkten.

Die Metallfassade aus polierten Edelstahlpaneelen reflektiert die Berggipfel, Bäume und Felder der Umgebung.

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Dem Bauherren geht es nicht um eine bestimmte Corporate Identity, sondern um eine gestalterische Grundhaltung, die sich mit dem Kontext auseinandersetzt.

Dem Bauherren geht es nicht um eine bestimmte Corporate Identity, sondern um eine gestalterische Grundhaltung, die sich mit dem Kontext auseinandersetzt.

Der Innenraum ist komplett in Sichtbeton ausgeführt und bietet durch Oberlichter gezielte Ausblicke auf die Gipfel der Umgebung.

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