Lang lebe der Louvre
Studios Architecture, Selldorf Architects und Base Paysagiste planen in Paris
Das größte und meistbesuchte Kunstmuseum der Welt ist chronisch überfüllt, in Teilen marode und unsicher – der Pariser Louvre. Folglich soll er saniert und umgestaltet werden. Vor Kurzem gab das französische Kulturministerium die Entscheidung eines entsprechenden internationalen Wettbewerbs bekannt. Gewonnen haben Studios Architecture (Paris u. a.) und Selldorf Architects (New York) mit BASE Paysagiste (Paris).
Schon im Januar 2025 hatte Staatspräsident Emmanuel Macron den zweiphasigen Wettbewerb mit dem – gänzlich unbescheidenen – Titel „Louvre Nouvelle Renaissance“ angekündigt. Zuvor hatte die damalige Museumsleiterin Laurence des Cars die Sanierung von der Regierung gefordert. Sie sprach von einem „besorgniserregenden Grad der Überalterung“. Wie in einer selbsterfüllenden Prophezeiung glichen die Schlagzeilen, die der Louvre seither produzierte, einer regelrechten Hitparade an Pleiten, Pech und Pannen. Angefangen beim spektakulären Kronjuwelenraub im Oktober 2025 (der inzwischen sogar verfilmt werden soll) über wiederholte Wasserschäden bis hin zu einem millionenschweren Ticketbetrug.
Es lastet also gehörig Druck auf der Umgestaltung des Louvre, einer Bauaufgabe, die für Architekturbüros jedweder Kragenweite ein Prestigeprojekt wäre. Immerhin schreibt man sich in eine epochenübergreifende Bauhistorie ein, die mit der Errichtung des ursprünglichen Königspalasts Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts begann. Knapp 35 Jahre nach dem letzten Umgestaltungsprojekt Grand Louvre (1993) samt der gläsernen Pyramide von I.M. Pei (1989) sind nun also Studios Architecture und Selldorf Architects für die Umsetzung der „neuerlichen Wiedergeburt“ auserkoren.
Das siegreiche Team konnte sich in der zweiten Runde unter anderem gegen Diller Scofidio + Renfro, Atelier Brückner, SANAA und Sou Fujimoto Architects durchsetzen. Überraschend stolz titelte der Stern: „Von Deutscher gegründetes Architekturbüro für Louvre-Umbau ausgewählt“. Tatsächlich vergisst man das gerne mal. Annabelle Selldorf, die vergangenes Jahr vom Time Magazine zu den Top 100 der einflussreichsten Menschen gekürt wurde und 1988 ihr Büro in New York gründete, ist in Köln geboren.
Zu den Kernaufgaben des Projekts zählt die Neuorganisation der Besuchsströme. Pei’s Eingangshalle war für vier Millionen Menschen pro Jahr ausgelegt, mittlerweile begrüßt der Louvre knapp neun Millionen. Mit neuen Zugängen an der Ostseite sollen künftig zwölf Millionen möglich sein. Laut französischem Kulturministerium habe der Siegerentwurf eine respektvolle und zeitgemäße Lösung für den Bereich vor der klassizistischen Ostfassade (Colonnade du Louvre) gefunden, die 1674 nach Plänen von Claude Perrault entstand.
Die zu dieser Zeit verfüllten Schlossgräben ließ man in den 1960er Jahren wieder freilegen und rekonstruieren. Seither wirken sie ganz im Sinne ihres ursprünglichen Zwecks – als Barriere. Die Architekt*innen wollen die Gräben nun aktivieren. Ihre veröffentlichten Visualisierungen zeigen ein symmetrisches Konzept. Ein halbmondförmige Anlage bildet einen Vorplatz und führt zu zwei Seiten über Rampen hinunter, wo diese in die Begrenzungsmauern einschneiden. Von dort gelangen Besucher*innen in einen Garten oder zu den neuen unterirdischen Eingängen am Nord- und Südflügel. Unter der Rampenanlage sollen Cafés und Buch-Shops einziehen.
Die Straße zwischen Louvre und der Kirche Saint-Germain-l’Auxerrois scheinen die Planer*innen zu verschmälern und so auch eine stärkere städtebauliche Verbindung ermöglichen zu wollen. Die Pressemitteilung spricht zudem davon, dass der Entwurf mit seinem Vorplatz einen Aussichtspunkt schaffe, der sich „ideal zum Betrachten der Louvre-Fassade eignet“.
Mitarbeitende des Louvre kritisierten das Projekt und streikten vergangenes Jahr. Sie befürchten, die nötigen Instandhaltungsmaßnahmen könnten vernachlässigt werden. Wie der Entwurf konkret ins Innere des Museums eingreift und die Galerien modernisiert, verrät die Pressemitteilung nicht. Pläne wurden keine veröffentlicht. Klar ist aber, dass ein eigener, unterirdischer Ausstellungsbereich für die Mona Lisa vorgesehen ist. An dem berühmten Ölgemälde von Leonardo da Vinci tummelt sich täglich eine ganze Mittelstadt, von bis zu 20.000 Menschen ist die Rede.
Die Gesamtkosten für den Umbau werden mit über 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Bei der Ankündigung des Wettbewerbs sagte Macron, dass so gut wie keine Steuergelder verwendet werden sollen, sondern hauptsächlich Finanzierungsmittel des Museums. Darunter fallen die Ticketverkäufe, das Mäzenatentum und Lizenzgebühren des Louvre in Abu Dhabi. Ein Baubeginn steht noch nicht fest. Als Datum für die Fertigstellung hatte Macron 2031 anvisiert. (mh)




