Türme für die Burg
Studierendenwohnheim von MARS in Paris
Dieser Stadtblock im 15. Arrondissement von Paris ist etwas Besonderes. Denn das große, unregelmäßig geformte Grundstück ist vollständig von 12- bis 13-geschossigen Wohnriegeln aus den 1960er-Jahren umstellt – wie eine mächtige Burg aus Beton. Zudem stehen die Baukörper auf dem Sockel einer gemeinsamen Tiefgarage.
Die Zufahrt zu dieser Tiefgarage ist einer der wenigen Durchlässe ins grüne Blockinnere. Nun wurde über dieser Schneise im Zuge der städtischen Nachverdichtung ein Studierendenwohnheim mit 89 Mini-Apartments errichtet. Der Entwurf stammt von MARS Architectes (Paris), Bauherr ist das Immobilienunternehmen GECINA, das sich auf Bürogebäude und Studierendenwohnheime spezialisiert hat.
Statt einen massiven, durchgehenden Baukörper in die Lücke zu stellen, splitteten MARS das Volumen in vier eigenständige, leicht versetzte Türme auf. Die Baukörper „drehen und verschieben sich“, schreibt das Büro, „und folgen einer Bewegung, die zur Blockmitte hin zurückweicht.“ Das bricht die strenge, fast monumentale orthogonale Ordnung des Blocks auf und markiert gleichzeitig den Eingang ins grüne Innere, das im Rahmen dieses Projektes neu gestaltet wurde. Die Landschaftsplanung übernahmen Bassinet Turquin Paysage (Paris).
Wie schon die umliegenden Häuser teilen sich auch die vier einzelnen Volumen einen gemeinsamen Sockel, der unter anderem die nun als Tunnel ausgeformte Zufahrt zur Tiefgarage aufnimmt. Die darüber liegenden Räume sind entsprechend dem Tunnelverlauf in Richtung Blockinneres abgetreppt. Über dem Sockel wurden die Türme des Wohnheims als herkömmliche Stahlbetonstrukturen mit Fassaden aus schwarzem oder weißem Aluminium ausgeführt.
Von den 89 Wohneinheiten sind 79 als ultrakompakte Ein-Zimmer-Apartments mit 18 bis 21 Quadratmetern Nutzfläche konzipiert – fünf davon barrierefrei. Um die Räume etwas größer wirken zu lassen, sind die Duschbäder mit Schiebewänden versehen. Jede Einheit verfügt zudem über eine Küchenzeile. Die übrigen Einheiten haben auf 28 oder 31 Quadratmetern jeweils zwei Zimmer. Auf den obersten Etagen geht die Aussicht bis zum Eiffelturm.
Die Enge der Wohnungen wird durch Gemeinschaftsangebote kompensiert. Hierzu gehören Begegnungs- und Aufenthaltsflächen, die sich rund um eine offene Treppenanlage im Hof entfalten. Auch Sockel und Dach werden kollektiv genutzt: Hinter der Glasfassade zur Straße liegen das Foyer und der Fahrradraum, eine Treppe im Inneren führt auf die zweite Ebene über der Tiefgarageneinfahrt. Hier liegen Cafeteria, Waschraum, Co-Working- und Fitnessbereich. Diese Räume sind differenziert gestaltet und als Hochparterre zum grünen Hof hin orientiert.
Die obersten Geschosse nehmen gestaffelte Gartenterrassen auf, deren Gestaltung und Bepflanzung den grünen Hof in die Vertikale bringen. Die Nettobaukosten geben MARS mit 8,3 Millionen Euro an. Ein vollmöbliertes Mini-Apartment ist laut der Webseite von GECINA für 1.570 Euro Warmmiete zu bekommen, ein Platz in einer Zweizimmerwohnung kostet 1.050 Euro. (fh)
- Architektur:
- MARS Architectes
- Bauherrschaft:
- GECINA
- Tragwerk und Statik:
- Batiserf / CAP Structure
- Landschaftsarchitektur:
- Bassinet Turquin
- Fläche:
- 2.100 m²
- Baukosten:
- 8.300.000 € Nettobaukosten




