Radikale Siedlungsverdichtung
Stefan Forster in Frankfurt am Main
Dem Maßstab nach handelt es sich um eines der radikalsten Nachverdichtungsprojekte Deutschlands: Stefan Forster und Team haben in ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main eine Siedlung der Nachkriegszeit um 15 Neubauten ergänzt und die bestehenden Häuserzeilen um jeweils zwei Geschosse aufgestockt. Die Zahl der Wohnungen konnte dadurch nahezu verdreifacht werden. Auch in architektonischer Hinsicht wurde die ursprünglich eher schlichte Siedlung komplett überformt. Nicht zuletzt dank vieler Brückenbauten erinnert das Ergebnis nun ein wenig an den Wohnungsbau des Roten Wiens.
Die Platensiedlung steht im Stadtteil Ginnheim im Norden Frankfurts. Errichtet wurde sie einst für das US-Militär, in den 1990ern ging sie dann in den Besitz der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding über. In Gestalt der FAAG Frankfurter Aufbau Gesellschaft, eines Tochterunternehmens, oblag ihr auch die Bauherrschaft. Ausgangspunkt des Projekts war eine Studie des Büros von Stefan Forster, die schließlich in einer direkten Beauftragung mündete. Viele der neuen Wohnungen sind auf verschiedenen Wegen gefördert. Auch für Studierende gibt es Platz.
Drei Phasen prägen das Projekt. Zunächst wurden die Satteldächer des Bestands rückgebaut und die Häuser um jeweils zwei Geschosse aufgestockt. Zu diesem Zweck richtete LiWooD (München) als ausführendes Unternehmen vor Ort eine Feldfabrik ein, in der durchschnittlich fünf Module pro Tag vorgefertigt werden konnten. Inklusive Abbruch gelang die vollständige Umsetzung der Aufstockung pro Gebäude in fünf Monaten. Da die komplette Technik der neuen Geschosse vom Bestand entkoppelt ist, konnten die Bewohner*innen ihre Wohnungen während der Umsetzung durchgehend nutzen.
Städtebaulich entscheidend war die zweite Phase des Projekts. Die offenen Zeilenenden wurden hierbei durch Tor- und Brückenhäuser verschlossen, was zum Umfeld hin für eine klare Kante sorgt. Mit den Ergänzungen wurde zugleich Platz geschaffen, um die frühere Monofunktionalität der Siedlung zugunsten eines gemischteren Quartiers mit Kitas, Nachbarschaftstreff, Café, Bäckerei und Arztpraxen abzulösen. Ausgeführt wurden die Volumen in Massivbauweise aus Stahlbeton und Mauerwerk.
Im letzten Schritt wurden vier der neuen Innenhöfe auf das Niveau der Hochparterre-Wohnungen angehoben, um Tiefgaragen integrieren zu können. Ein durchlaufender Klinkersockel vereinheitlicht die Erscheinung der Gebäude. Die Außenraumgestaltung oblag freiraum x (Frankfurt am Main).
Von der ersten Studie bis zur Fertigstellung vergingen knapp zehn Jahre, der Baubeginn des Projekts war 2018. Bei einer Bruttogrundfläche von oberirdisch 59.100 Quadratmetern betragen die Baukosten (KG300+400) laut Architekt*innen 3.351 Euro pro Quadratmeter. Urbanität statt Vorstadtfeeling, so könnte man das Projekt, das im Rahmen des Deutschen Bauherrenpreises bereits ausgezeichnet wurde, zusammenfassen. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Stefan Forster
- Mitarbeit:
- Jörg Artmann (Projektleitung), María Aparicio Álvarez, Frank Baum, Julian Kusnawijaya, Krisztina Szalai, Fernando Diaz Vallino, Ruben Robledo, Joaó Aires
- Landschaftsplanung:
- Stefan Forster mit Freiraum X
- Tragwerksplanung:
- bauart Konstruktions GmbH (LP 1-5), Bollinger+Grohmann (LP5 GU)
- Haustechnikplanung:
- Ingenieurbüro Klöffel
- Bauleitung:
- FAAG Frankfurter Aufbau Gesellschaft
- Bauherr:
- FAAG Frankfurter Aufbau Gesellschaft
- Fläche:
- 59.100 m² Bruttogrundfläche (oberirdisch)
- Baukosten:
- 180.000.000 € Brutto KG 300 + 400
- Auszeichnungen:
- Sonderpreis Deutscher Bauherrenpreis
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