Kärntner Hühner-Loft
Stallgebäude von Hohengasser Wirnsberger Architekten
Auf dem Gutshof Weberhans, oberhalb des Millstättersees im Süden Österreichs, genießen etwa tausend Hühner die ländliche Idylle. Sechshundert davon bezogen kürzlich zwei neue Stallungen. Die Planung übernahmen Hohengasser Wirnsberger Architekten (Spittal an der Drau) in Zusammenarbeit mit dem gelernten Schlosser Thomas Winkler, der den elterlichen Biobauernhof gemeinsam mit seiner Frau weiterführt. Das Projekt wurde mit dem Landbaukultur-Preis 2026 ausgezeichnet.
Schon von der Bergstraße, die das Tal mit den anliegenden Nockbergen verbindet, sind die beiden identischen Langställe mit markant roten Blech-Satteldächern zu sehen. Am Rande der weitläufigen Wiese, inmitten eines neu angelegten Obstgartens komplementieren die Stallungen das Hofensemble. Zwischen den etwas versetzt nebeneinander platzierten Bauten entsteht eine mit Sand ausgestreute, geschützte Freiluftfläche für die Tiere.
Die unbehandelte Holzlattenfassade entstammt eigener Rodung. Auf der Südseite der Ställe enden die Latten knapp einen halben Meter über dem Boden: der Ein- und Ausgang der Tiere. Nachts werden die Luken mithilfe eines elektrischen Seilzugs durch ein Gitternetz geschlossen. An den Nordseiten ermöglichen große Schaufenster Besucher*innen Einblicke in den Tagesablauf der Hühner.
Der Innenraum ist in je drei Hauptbereiche gegliedert und deckt alle Grundbedürfnisse der Tiere ab: Von der nordseitig platzierten Kotgrube mit integrierten Sitzstangen können sich die Hennen direkt in die etwas tiefer gelegene Stallfläche begeben. Kleine Öffnungen in der Fassade bieten den anschließenden Zugang zum halboffenen Außenraum.
Konstruktiv griffen die Architekt*innen zusammen mit dem Tragwerksplaner Markus Lackner auf eine simple, altbewährte Methode zurück. Eine durch Kopfbänder ausgesteifte Rahmenkonstruktion in Form eines dreischiffigen Rasters trägt das Dach und gliedert den Raum. Ein Versatz in der Satteldachkonstruktion dient als zusätzliche natürliche Belichtung und Entlüftung des Stalls. Gemeinsam mit dem Landwirt wurden technische Raffinessen entwickelt: Beispielsweise schiebt ein sogenannter Schrapper mit Hydraulikmotor den Mist einmal wöchentlich ins Freie – ein Beitrag zur geringeren Ammoniakbelastung im Innenraum.
Das Projekt entstand großteils durch Eigenleistung und zeigt, dass auch Nutztiere einen architektonisch durchdachten, artgerechten Rückzugsort verdienen.
Text: Paula Feichter
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Hohengasser Wirnsberger Architekten
- Tragwerksplanung:
- BAUINGENIEURE | LACKNER | EGGER | ZT GMBH, Markus Lackner
- Ausführung:
- K&B Holzbau
- Bauherrschaft:
- Familie Winkler – vulgo Weberhans
- Fläche:
- 122 m²
- Auszeichnungen:
- Landbaukultur-Preis 2026