Auf Stelzen laufen
Spiel- und Lernzentrum in Berlin von Kersten Kopp Architekten
Der Moabiter Kinderhof im gleichnamigen Berliner Stadtteil ist keine klassische Kindertagesstätte, sondern ein pädagogisch betreuter Freizeit- und Lernort für Kinder von sieben bis dreizehn Jahren mit vielfältigem Angebot. Unter Bauherrschaft des Bezirksamts Mitte, das das Gelände 2016 vom Bund erworben hatte, entstand nun ein Neubau nach einem Entwurf des Berliner Büros Kersten Kopp Architekten. Der Beauftragung vorausgegangen war ein 1. Preis im 2019 durchgeführten Gutachterverfahren.
In der Einrichtung können die Kinder spielen, Hausaufgaben machen, an kreativen wie ökologischen Projekten teilnehmen und sogar Kaninchen betreuen. Die für alle offene Einrichtung am Rande eines Parks existiert seit 1997 und wird vom Verein Stadtteilgruppe Moabit mit Unterstützung der bezirklichen Jugendhilfe betrieben. Bisher nutzte der Kinderhof ein auf dem Gelände befindliches Bestandsgebäude – ursprünglich eine Lagerhalle des Grünflächenamts – als provisorischen Veranstaltungsraum. Dieser wies jedoch zunehmend bauliche Mängel auf und genügte dem wachsenden Bedarf nicht mehr, sodass der Abriss erfolgte und ein Ersatzneubau entstand.
Mit 340 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist das Haus mehr als dreimal so groß als sein Vorgänger. Um trotz dieser Dimension den umgebenden alten Baumbestand zu erhalten, arbeiteten die Architekt*innen mit Vor- und Rücksprüngen sowie unterschiedlichen Gebäudehöhen. Dabei entstanden mehrere quaderförmige, an Spielklötze erinnernde Volumen, die sich zu einem Baukörper mit zentralem Hochpunkt zusammenfügen. Dessen äußere Hülle bildet eine hinterlüftete Horizontalschalung aus sägerauer, vorvergrauter Lärche.
Charakteristisches Gestaltungselement im Inneren ist das Tragwerk, das multifunktionale Regale und Sitznischen integriert. Wie die Architekt*innen erklären, steht dahinter die Idee, die Grenzen zwischen Konstruktion und nutzbarem Raum aufzulösen. Die vorgefertigten Regalwände sind aus schlanken, C-förmigen Furnierschichtholzmodulen zusammengesetzt. Sichtbelassene Holzoberflächen bilden im Zusammenspiel mit dem hellen Bodenbelag aus Kautschuk eine robuste Werkstattatmosphäre und erzählen zugleich über die Konstruktion des Hauses. Große Fenster machen den umgebenden Naturraum auch im Inneren erlebbar.
Zentrum des Gebäudes ist ein großer Multifunktionssaal. Er kann mittels einer mobilen Trennwand unterteilt werden und ist über eine Durchreiche mit der Küche verbunden. Um ihn herum gruppieren sich Mehrzweck- und Büroräume sowie eine Garderobe. Das Obergeschoss nimmt eine kleine Hochebene auf, die als Rückzugsraum gedacht ist. Wie die Architekt*innen berichten, ist die luftige Raumhöhe des Saals nicht zuletzt Resultat eines Partizipationsprozesses, in dem sich die Kinder wünschten, auf Stelzen herumlaufen zu können.
Das neue Gebäude steht nicht nur Kindern offen: Außerhalb der regulären Öffnungszeiten wird es auch für Sportkurse, Senior*innentreffs oder Nachbarschaftsangebote genutzt. Laut einer Pressemitteilung des Bezirksamts Mitte wurde das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 4,5 Millionen Euro umgesetzt, die aus den beiden Bund-Länder-Förderprogrammen Sozialer Zusammenhalt sowie Wachstum und nachhaltige Erneuerung kamen. Für den Neubau wurden 4,2 Millionen Euro veranschlagt, für den Außenbereich 325.000 Euro. Die gebäudenahen Außenanlagen planten Henningsen Landschaftsarchitekten (Berlin), die Gestaltung der großräumigen Freiflächen des Kinderhofs lag bei Barbara Willecke – planung.freiraum (Berlin). (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Kersten Kopp Architekten
- Projektteam:
- Minka Kersten, Andreas Kopp, Torsten Suschke (Projektleitung), Alexander Kaiser, Nora Brinkmann
- Tragwerksplanung:
- Pichler Ingenieure
- Gebäudetechnik:
- DELTA-i
- Bauphysik:
- IB Kaiser
- Brandschutzplanung:
- brandschutz plus
- Landschaftsarchitektur:
- Henningsen Landschaftsarchitekten
- Bauherrschaft:
- Berlin, Bezirksamt Mitte, Abt. Jugend, Familie und Bürgerdienste/Jugendamt, Jugendhilfeplanung
- Fläche:
- 340 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 4.500.000 €






Räume. Viel Beifall! Und wie ich mich auf den Sommer freue.