Gefaltete Landschaft
Spaßbad im Village Nature bei Paris von Jacques Ferrier
Das Village Nature Paris ist ein Themenpark für Kurzurlaube gleich neben dem Disneyland Paris in Marne-la-Vallée. Er wirbt mit fünf unterschiedlichen Erlebniswelten, die wohl die Herzen postmoderner französischer Hauptstädter höher schlagen lassen: ein Bauernhof, ein Zauberwald, entspannende Traumgärten und eine Seepromenade mit diversen kulinarischen Angeboten, wie Super Food und Bio-Essen. Das im letzten Herbst eröffnete Spaßbad Aqualagon gilt als Hauptattraktion im Park. Es soll eine der größten Wasserparkanlagen Europas sein. Für dessen Bau beauftragten die Betreiber Euro Disney SCA das Pariser Architekturbüro Jacques Ferrier Architecture.
Das Büro ist bekannt für verspielte, aber auch ausdrucksstarke Fassaden. So beispielsweise im neuen Hauptsitz für die Stadtverwaltung in Rouen, bei der das schillernde Farbspiel der Fassade an Monets impressionistische Bilder erinnern soll. Im Entwurf des Aqualagons nahmen sich die Architekten eine Origami Struktur zum Vorbild, die eine gefaltete Landschaft nachempfinden soll. Der größte der drei Pavillons bildet einen transparenten Dom in 35 Meter Höhe und schafft ein Schwimmerlebnis mit Blick in den Himmel.
Rundherum ist dieses von den Architekten als „Luftpavillon“ bezeichnete Gebäude durch außen umlaufende Wege und Terrassen betret- und ersteigbar. Auf diese Weise entsteht der Eindruck einer begehbaren Landschaft. Entfaltet sich das Origami, entstehen Flächen, die hier mit Glasscheiben gefüllt sind durch die stets der Himmel präsent ist. Unter diesem Himmeldach liegt die Badelandschaft mit tropischen Gartenanlagen, künstlichen Felsen im Inneren als auch beheizten Badebecken im Außenbereich.
Im Vergleich zum lichten Wasserbereich, ist der Empfang wie ein dunkler Höhleneingang gestaltet. Erst nach dem der Gast diesen tageslichtarmen Bereich mit Umkleiden und Duschen passiert hat, gelangt er in die glasüberdachte Badelandschaft, die sich vor ihm entfaltet. (ksc)
Fotos: Didier Boy De La Tour, Luc Boegly, Hugo Deniau
Unter nem Museum oder einer Bibliothek machen Sie es aber auch nicht? Oder lieber ein weiteres Blutleeres Schweizer Betonwürfelchen?
Ich finde es sagt mehr über Sie aus, wenn Sie Bauaufgaben in solche Kategorien einteilen, denn man sollte in seinem Metier jede Aufgabe ernst nehmen. Selbst Mies und Jacobsen waren sich nicht zu schade Tankstellen zu entwerfen und nicht weit vom Spaßbad ist leider ein spannender Entwurf von Gehry für das Disney Village mit den Jahren zugrunde gerichtet worden.
Ansonsten finde ich den Innenraum gerade für ein Spaßbad wohltuend ernst genommen, diese Stützen alleine sind ein Traum. Problematischer finde ich die Glasfassade von außen, da würde ich einen geschickteren Umgang mit den Profilen bevorzugen. Aber in allem wesentlich interessanter als alles, was in Deutschland an Spaßbädern rumsteht (Potsdam looking at you).
Im Innenraum entfaltet die Schichtung eine sehr wohltuende Wirkung und Komplexität. Selbst wenn das nur ein unabsichtlicher Nebeneffekt des Konzeptes sein sollte, ist es doch dieser Raum, den der Nutzer am längsten betrachtet und nutzt. Insofern: schnell eintauchen und viel Spass beim Baden!
Spätestens beim Schnittmodell hätte man merken müssen, dass man sich mit dem Scherenschnittkonzept verrannt hat.