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29.10.2019

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Pariser Glaswand

Sicherheit am Eiffelturm von Dietmar Feichtinger Architects


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Der Eiffelturm ist eines der Wahrzeichen von Paris und mit rund sieben Millionen zahlenden Besuchern ein touristisches Highlight weltweit. Schon vor den Attentaten in Paris im November 2015 und in Nizza im Juli 2016 mussten die Besucher vor Besteigen des Turms Sicherheitsschleusen passieren, dennoch wurde der Ruf nach dauerhaften Schutzvorkehrungen laut, welche die zuvor aufgestellten Provisorien ersetzen sollten. Den ausgeschriebenen Wettbewerb gewann das Büro des in Paris lebenden, aus Graz stammenden Architekten Dietmar Feichtinger. An Entwurf und Umsetzung war die Pariser Dependance des Ingenieurbüros schlaich bergermann partner beteiligt.

Sein Entwurf ist als möglichst diskrete Einfriedung des Areals ausgeführt und bezieht den historischen Garten der Weltausstellung an beiden Seiten des Eiffelturms mit ein. Zwei Glaswände zur Seine und zum Champs du Mars hin aufgestellt dienen als Schutz vor Beschuss und sollen im Ernstfall Touristen von Terroristen trennen. Die drei Meter hohen und 72 Millimeter dicken Glaselemente der über 200 Meter langen Abgrenzungen lassen die wichtige städtebauliche Blickachse von der Ecole Militaire bis zum Palais de Trocadéro weiterhin wirksam bleiben, betont Feichtinger. Fixe Poller an den Rändern der Gehsteige des stark befahrenen Quai Branly und der Avenue Gustave Eiffel sollen zusätzlich vor Amokfahrten schützen. Um die Glasscheiben möglichst leicht und transparent wirken zu lassen, sind diese im Bogen eingespannt, und stehen über die Steher hinaus, ein Überklettern soll so verhindert werden. Die Stöße benachbarter Scheiben sind mit glatten Nirostaprofilen abgedeckt, an diesen sind bündig Leuchtmittel in Edelstahlquadern eingepasst und Überwachungskameras montiert. 

Der Zugang zum Turm ist nun nur noch durch Schleusen über den Garten der Weltausstellung möglich. So soll ein für die Sicherheitskräfte einfacher zu überschauender Besucherstrom über das Areal erzeugt werden. Die Absperrungen im Bereich des Parks bestehen aus schwer überkletterbaren Cortenstahlelementen. Die Anordnung reagiert auf die organische Wegführung des Gartens. Mit ihrer Höhe von 324 Zentimetern sind sie genau ein Hundertstel kleiner als der Eiffelturm. Eine weitere Referenz zur Silhouette des Turms ist der Schnitt der Zaunelemente, diese sind an der Basis breit und laufen nach oben hin schmal zusammen.

Die Einfriedung stieß in der Öffentlichkeit auf Kritik, das Projekt sei Makulatur hieß es von Seiten der Anwohnervereinigung „Les Amis du Champs du Mars“, die Klage einreichte. Letztendlich wolle die Stadtverwaltung nur zeigen, dass sie gegen mögliche Anschläge vorbeuge, wirklich gegen entschlossene Täter helfen würde die 35 Millionen Euro Absperrung nicht. Man könne jederzeit eine Waffe über den Zaun werfen und die Einfriedung würde dann eine Flucht und das Eingreifen der Rettungskräfte eher noch erschweren, so die Vorwürfe. Die Absperrung würde den Terrorismus instrumentalisieren und widerspreche den Grundwerten einer freien Gesellschaft. In einem Interview entgegnet Feichtinger, er habe sich die philosophische Frage gestellt, ob das Projekt mit den Prinzipien von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ vereinbar sei. Als Architekt müsse er sich aber ständig den Realitäten anpassen. Er habe sich bei der Planung eng an die Sicherheitsvorgaben der Polizei gehalten. So seien etwa die Abstände zwischen den Zaungittern so dimensioniert, dass man keine großen Waffen durchstecken könne. Er nutze den Auftrag nach mehr Sicherheit, um gleichzeitig den Zugang für die Besucher angenehmer und besser zu gestalten.

Auf dem kurzen Spaziergang durch den revitalisierten Garten der Weltausstellung können sich die Besucher*innen also schonmal auf den Eiffelturm einstimmen. Ob das Projekt bestehen bleibt? Alle baulichen Maßnahmen sind rückbaubar ausgeführt. In vier Jahren werden sich der Stadtsenat von Paris und die Polizei der Frage stellen, ob der kontrollierte Bereich weiterhin notwendig ist. (tl)

Fotos: David Boureau



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Kommentare

9

auch ein | 30.10.2019 09:47 Uhr

architekt

"entgegnet Feichtinger, er habe sich die philosophische Frage gestellt, ob das Projekt mit den Prinzipien von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ vereinbar sei"

sehr lustig!
bei einer solchen bausumme ist das honorar ein hübsches sümmchen, da wird man flexibel.

architekten! nicht so ein blabla, sagt doch dass ihr gerne projekte macht.und das ist gut so.

8

auch ein | 30.10.2019 09:43 Uhr

architekt

auf bild 19 sieht das ganze doch recht zusammengewürfelt aus:
standart glaswand trifft manieristisches cortenstahlgewurstel....

(übrigens hätte man sich am letzigrund-stadion in zuerich ansehen können das das mit den stehenden stahlprofilen null funktioniert. man kann da hervorragend pyro, fahnen, bierflaschen und sicher auch waffen durchstecken....)

7

STPH | 30.10.2019 08:39 Uhr

...

Ziergitter in allen Variationen konnte man im Grenzübergang U-Bahnhof Friedrichstraße bewundern. Die Kunst befasst sich heute schon damit um die Polizeistationen.

Schön sind immer die hellbeige gestrichenen Knastgitter in amerikanischen filmen.

demontierbar für wann?

So wie die Barrierefreiheit die Erdgeschoßzone und mit ihr die gesamte moderne Architektur verändert hat, so wird die Sicherheit das gleiche tun.

form follows function.

6

Gustave Eiffel | 29.10.2019 20:41 Uhr

Die Welt ein Stückchen sicherer gemacht

Ein weitsichtiger, fulminanter Schlag gegen den internationalen Terrorismus! Der Eiffelturm ist gesichert,
jetzt wir den Extremisten nichts mehr einfallen.

5

Tine Wittler | 29.10.2019 20:26 Uhr

Real Life

@#3 ...leider wahr, ist aber dennoch die Fortentwicklung der Gesellschaften. Massentourismus, Terrorismus, Globalisierung, Wohlstandssteigerungen hunderter Millionen von Menschen, technologische Entwicklung der Mobilität und Kommunikation lassen auch diesen bedeutsamen Ort nicht aus - als pragmatisch legitimierter Ansatz darf daher diese Planung verstanden werden - willkommen in der Gegenwart #2

4

°_° | 29.10.2019 19:44 Uhr

Schlimm...

... nicht die Architektur sondern die Zerstörung dieses Ortes und noch viel mehr die reaktionäre, völlig unsinnige Idee dahinter.
Der Ort ist keineswegs sicherer durch das Glas. Und selbst wenn, wieviele andere, vergleichbare Ort sollen dann konsequenter Weise auch eingeglast werden?

3

luham | 29.10.2019 17:22 Uhr

Angstpoller

So sieht die endgültige Zerstörung des Öffentlichen Raums im Zeitalter des Straßenterrorismus aus. Nach den Touristenhorden, ja ich gehöre beizeiten dazu, haben es die Suizidtäter mit LKW und Bombe geschafft, dass aus Plätzen mit fließendem Stadtraumgefüge Festungen werden. Der Breitscheidplatz in Berlin ist dazu ein noch trefflicheres Beispiel, wobei man es dort wenigstens auch sofort erkennt: Festung. In Paris versucht man mit Glasflächen ein Raumkontinuum vorzutäuschen, welches nicht mehr existiert - Vögel und Fußgängerköpfe dürften des Öfteren bluten . Gated Communities. Gated Public Places. Wir wandeln im Hochsicherheitstrakt. Sehr schade.

2

zeitenändernsich | 29.10.2019 15:59 Uhr

savetyfirst

mein vatter hat vor knapp 40 jahren unter'm eifelturm noch 'ne nacht im vw-bus verbracht...

keine schöne entwicklung.

das glas ist trotzdem sehr fachmännisch verbaut!

1

lollo | 29.10.2019 15:50 Uhr

naja

... "ein Hundertstel kleiner als der Eiffelturm" - da hätte man die Einfriedungen ja gleich auch im Massstab 1 : 1 bauen können.

Das Argument der Anlieger, man könne ja die Waffen locker über den Zaun werfen ist so finde ich jedenfalls nachgerade entwaffnend...

 
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Monument hinter Glas.

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Bereits 2017 wurde mit dem Bau einer Absperrung begonnen.

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Das Projekt wurde erst im Frühjar 2019 abgeschlossen

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Ob die Einfriedung des Areals einen entschlossenen Täter von seinem Vorhaben abhalten könne...

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