Weiter zäh
Senatsbeschluss zum Wiederaufbau der Bauakademie in Berlin
Die vier Fassadenseiten des in Berlin geplanten Neubaus der Bauakademie sollen nun doch nach dem historischen Vorbild von Karl Friedrich Schinkels Entwürfen errichtet werden. Dies teilte Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) letzte Woche mit. Der Senat hatte zuvor in seiner Sitzung am Dienstag, 20. Januar 2026, eine entsprechende Vorlage beschlossen. Diese soll nun im Auslobungstext des kommenden, lang erwarteten Realisierungswettbewerbs festgeschrieben werden.
Die Diskussionen um den Neubau der 1962 gesprengten Akademie sind über all die Jahre zäh geblieben. Vor zehn Jahren hatte der Bundestag überraschend 62 Millionen Euro für die Wiedererrichtung des Gebäudes zur Verfügung gestellt. Vor sechs Jahren wurde die Bundesstiftung Bauakademie gegründet. Es folgten die Besetzung des Gründungsdirektorenpostens mit SPD-Politiker Florian Pronold, die anschließenden heftigen Diskussionen, schließlich der Rückzug Pronolds und die Neubesetzung des Postens mit dem Bauökonomen Guido Spars. Dieser wollte aus dem Neubau „ein herausragendes Beispiel für die Innovationskraft sowie ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit im Bauwesen“ machen.
Hinter den Kulissen setzten intensive Kämpfe ein. Der Auslobungstext zum Wettbewerb sollte von Bund, Land Berlin und der Stiftung gemeinsam formuliert werden. Die einen wollten einen Wettbewerb, in dem es den Teilnehmer*innen überlassen wird, wie viel Schinkel sie wiedererrichten wollen. Die anderen wollten die historische Gestalt des Gebäudes so eindeutig wie möglich vorschreiben. Für das Land Berlin saß unter anderem Petra Kahlfeldt mit am Verhandlungstisch. Die Senatsbaudirektorin hatte bereits Anfang 2023 gedroht, dass – würde die historische Rekonstruktion der Fassaden im Wettbewerb nicht vorgeschrieben – das Land Berlin eine Gestaltungssatzung erlassen und damit die Rekonstruktion erzwingen werde. Spars verlängerte seinen Vertrag 2025 nicht. Sein Amt übernahm die bisherige Vizedirektorin Elena Wiezorek .
Die nun getroffene Entscheidung ignoriert trotz aller Debatten die Frage nach den Widersprüchen zwischen historischer Hülle und dem gleichzeitig formulierten Wunsch nach zeitgemäßen Innenräumen für die vielfältige Stiftungsarbeit, die hier stattfinden soll – und die natürlich alle Anforderungen an Brandschutz, barrierefreie Zugänge und Belichtung bis hin zur Belüftung erfüllen muss. Diese Probleme sollen von den Wettbewerbsteilnehmer*innen gelöst werden.
Auch die Ergebnisse der jahrelang geführten Debatten – unter anderem ein dreiteiliges, hochkarätig besetztes und von der Bundesstiftung Baukultur organisiertes Dialogverfahren 2016/2017 im Kronprinzenpalais oder der „Programmwettbewerb“ mit fünf siegreichen Teams von 2018 – werden mit dieser Entscheidung für weitgehend wertlos erklärt. Noch 2023 hatten 30 Verbände und Institutionen in einem Offenen Brief einen offenen, idealerweise zweistufigen und niedrigschwelligen Wettbewerb als beste Lösung vorgeschlagen, um die Frage zu beantworten, ob angesichts der aktuellen Themen in der Fachwelt und für eine progressive, neu gegründete Institution der Nachbau einer 190 Jahre alten Fassade der richtige Impuls sei.
Die Anhänger*innen einer historischen Rekonstruktion begrüßen selbstverständlich die Entscheidung, so etwa Rainer Haubrich in der WELT. Trotz „Jahren des Verzögerns und Blockierens durch Anhänger einer ,modernen Interpretation‘“ sei der Weg nun endlich frei für eine echte Wiederherstellung des „ikonischen“ Gebäudes, womit die Mitte Berlins dann endlich den „Schlussstein“ erhalte, der bisher fehle.
Umsichtiger argumentiert Isabell Jürgens in der Berliner Morgenpost. Sie zitiert Senator Gaebler mit den Worten: „Wir beharren nicht auf einer Eins-zu-eins-Rekonstruktion“, denn auch zeitgenössische Fragen nach Barrierefreiheit und Innenraumgestaltung müssten mit dem Neubau beantwortet werden. Zudem sei weiter offen, wann der Wettbewerb ausgelobt werde. Die 62 Millionen Euro von 2016 dürften wohl nicht mehr ausreichen, bestätigte Gaebler. Und der Bund hat bislang weder einen abschließenden Zeit- noch Zahlungsplan vorgelegt. Es könnte zäh bleiben. (fh)
Der junge Architekturstudent Helmut Maier fotografierte die Bauakademie kurz vor ihrem Rückbau 1962. Seine Bilder sind vor drei Jahren in einem kompakten Buch erschienen.