Bauakademie in Berlin
62 Millionen Euro für Rekonstruktion
Mit dem Erhalt von Karl Friedrich Schinkels Bauten tut sich Berlin gerade etwas schwer, wie das Beispiel der Friedrichswerderschen Kirche zeigt. Aber dafür läuft es jetzt mit dem Wiederaufbau der Bauakademie, die ebenfalls von Schinkel stammte. Seit nun mehr über zwei Jahrzehnten arbeiten diverse Fördervereine und Gruppierungen auf dieses Ziel hin, nun hat der Bundestag am letzten Freitag insgesamt 62 Millionen Euro für das Projekt bereitgestellt. Nach jüngsten Schätzungen soll dieser Betrag für einen vollständigen Ausbau reichen, nachdem immer wieder auch eine vorläufige Rekonstruktion als nutzbarer Rohbau im Gespräch war.
Die Entscheidung des Haushaltsausschusses kam dabei vergleichsweise überraschend, wurde die Summe doch per Nachtrag zum offiziellen Etat bereitgestellt. Begründet wird die öffentliche Finanzierung zu diesem Zeitpunkt anscheinend mit der nationalen Bedeutung des Projekts. Über die künftige Nutzung des Gebäudes ist bisher allerdings noch nichts genaues bekannt, doch seit Jahren gibt es einflussreiche Fürsprecher wie den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die sich hier ein zentrales Architekturmuseum wünschen. Jenseits der Frage, ob ein Gebäude, das strukturell ein Schulbau war, mit seinen eher generischen Innenräumen für diese Aufgabe wirklich geeignet ist, birgt die thematische Kontinuität der Setzung natürlich einen gewissen Charme.
Für die Freunde der zeitgenössischen Baukunst bedeutet dies – abgesehen davon, dass eine entsprechende Institution für Berlin wünschenswert wäre – nicht unbedingt nur Gutes. Hatten sich viele insgeheim gewünscht, nach der Rekonstruktion des Schlosses die Mitte der Stadt nie mehr betreten zu müssen, würde nun auch die museale Beschäftigung mit dem Thema Architektur nachhaltig im Herzen der restaurativen Bemühungen verortet. Boten Ausstellungen wie „Radikal Modern“, die an Orten fern der Mitte zu sehen waren, zumindest etwas Eskapismus, führte der Besuch eines neuen zentralen Architekturmuseums dann zwangsweise durch den grotesken Touristen- und Investoren-Historismus der Gegenwart. (sb)
Aus heutiger Sicht dann wiederum eine Kiste mit ein wenig Zierrat dran. Diese wieder aufzubauen - vielleicht sogar mit der Detailverliebtheit des neu entstehenden Schlosses, wie von meinem Vorredner bemerkt - wäre doch nichts Anderes als eine selbstreferenzielle Lobpreisung banalen Handwerkskönnens. Architektur - besonders in solch einer exponierten Lage - ist doch bitte mehr als gut gefügte Materialien; es ist ein Kommunikationsmedium mit einer Strahlkraft in Raum und Zukunft. Eine Aussage über das Jetzt für das Kommende. Irgendwie verlieren sich Diskussionen über solche Projekte immer in Unwesentlichkeiten. Scheuen Sie sich nicht groß zu denken um vielleicht noch größeres zu vollbringen.
Karl Friedrich Schinkel; aus Schinkels Nachlass, Reisetagebücher, Briefe und Aphorismen, Berlin 1863)
schauen Sie sich die Stadtschoß-Baustelle doch einmal vor Ort an - aus gutem Grunde wird hier im Baunetz kaum darüber berichtet. Da geht nämlich alles mehr als ordentlich zu - und die Rekonstruktion der Fassaden erfolgt auf so hohem Niveau, dass einem jede Dehnfuge bei vergleichbaren Neubauten scheußlich ins Gesicht springt. Das Humboldtforum wird (zumindest handwerklich) nicht peinlich, das wird richtig gut. ..weil das aber nicht mit den hier propagierten Weltansichten übereinstimmt, wird lieber mal kaum oder nicht über dieses Bauvorhaben berichtet. Ein unvoreingenommener Blick auf diese Baustelle würde sich aus fachlicher Sicht sehr lohnen - da wird nämlich der Spagat geschafft und nach heutigen Normen gebaut. Trotzdem hat das Hand und Fuß, mit guten Details auf heutigem Stand.
Bei Nichtarchitekten ist die Angst noch viel größer. Man sieht ja jedes Mal aufs Neue was in die trostlosen Kisten von der Hofberichterstattung der Moderne tolles hineininterpretiert wird, der Nichtarchitekt kann damit nichts anfangen. Eine Rekonstruktion ist daher denkbar einfach. Um die Entwurfsvielfalt der Moderne im Griff zu haben müsste man wie der Vorredner bereits ansprach genaue Vorgaben für den Neubau machen. Welche Verwaltung ist hierzu in der Lage? Wie groß wäre der Aufschrei der Architektenschaft.