Bauakademie kopflos
Florian Pronold zieht sich zurück
Zum Stand der Dinge, von Gregor Harbusch
Der designierte Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie Florian Pronold zieht sich zurück. Das gab der SPD-Politiker gestern auf seiner Webseite bekannt. Pronold trifft damit die einzig richtige Entscheidung, denn nach der massiven fachlichen Kritik an der Personalentscheidung, einem Offenen Brief mit über 600 Unterzeichnern sowie juristischen Auseinandersetzungen war nur noch schwer vorstellbar, dass der 47-Jährige es geschafft hätte, die Fachöffentlichkeit beim konzeptionellen Aufbau der Institution überzeugend einzubinden.
Pronold begründet seine Absage mit der Karenzzeitregelung der Bundesregierung, nach der er erst zum 15. August 2020 – und damit 3,5 Monate später als geplant – seinen Posten hätte antreten können und sich vorher auch nicht ehrenamtlich um die Bauakademie kümmern dürfte. Seiner Ansicht nach sei jedoch jetzt „volle und zügige Handlungsfähigkeit in der Gründungsphase“ der Stiftung notwendig. Deswegen habe er nun den Stiftungsrat gebeten, ihn von seinen Verpflichtungen zu entbinden. Nachdem Pronold lange – dabei inhaltlich aber immer etwas vage – für seine „Herzensangelegenheit“ Bauakademie gekämpft hat, mag diese verfahrenstechnische Argumentation nicht so recht überzeugen. Wurde der interne politische Druck auf ihn doch zu groß? Hätte dieses viertel Jahr wirklich so eine entscheidende Rolle gespielt?
Letztere Frage stellt sich auch vor dem Hintergrund, dass die stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauakademie, die Berliner Kulturmanagerin Julia Rust, ihre Arbeit regulär aufnehmen wird. Rust war Ende Januar in ihr Amt berufen worden. Sie leitet seit 2009 die Stiftung Olbricht, die in Berlin-Mitte den me Collectors Room Berlin betreibt. Mit Architektur hat Rust also noch weniger zu tun als Pronold. Relevanter dürfte ihre Erfahrung hingegen in der Vermittlungsarbeit sein.
Der Ball liegt nun beim Stiftungsrat und dessen Vorsitzender, Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle, die sich beim Streit um Pronold bisher zurück gehalten hat. Wird der Stiftungsrat die Findungskommission um einen neuen Personalvorschlag bitten? Oder wird die Stelle ein zweites Mal ausgeschrieben? Ein Statement dazu von Seiten des Innenministeriums, wo die Stiftung angesiedelt ist, war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.
Zur Causa Pronold äußerte sich auch Barbara Ettinger-Brinkmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, im großen BauNetz-Interview.
Wie beim M20 Kulturforum zeigt hier schon der Vorwettbewerb was uns drohen könnte. Damals hätte man an dieser Stelle besser die Jury ausgetauscht, weil die die veränderte städtebauliche Situation seit Scharoun offen sichtlich nicht verstanden hat. Zu viel historische Pietät macht alles und alle kleiner.
Aber wie gehts jetzt weiter? Neue Ausschreibung oder die "nummer zwei" aus dem alten Verfahren? Frau Bohle, vielleicht beziehen Sie ja jetzt mal Position.
Ungeschickter kann man seine narzisstische Gekränktheit schwer zur Schau stellen. Größenwahn ist ja leider schwer heilbar, Selbsterkenntnis allerdings eine zu erlernende Fähigkeit.
"Pronold begründet seine Absage mit der Karenzzeitregelung der Bundesregierung, nach der er erst zum 15. August 2020 (...) seinen Posten hätte antreten können und sich vorher auch nicht ehrenamtlich um die Bauakademie kümmern dürfte." Was macht er jetzt statt dessen? Mit was belohnt man ihn ? Bin gespannt und schreibe mal im Kalender 2021, 11.März "F.Pronold googeln"