Wenig Lärm, viel Licht
Schulsanierung in Zürich von Bischof Föhn Architektur
Sanierungsprojekte bringen meist mehrere Bearbeitungsebenen mit sich: Es geht nicht nur um eine Aktualisierung des Bestands, sondern auch darum, auf die Veränderungen des Kontexts zu reagieren. Besonders deutlich wird das bei der 2024 fertiggestellten Sanierung des Schulhauses Nordstrasse in Zürich. Das ortsansässige Büro Bischof Föhn Architektur hat die denkmalgeschützte Primarschule im Quartier Wipkingen umfassend instandgesetzt und dabei ein Lärmproblem entschärft, das den Schulbetrieb seit Jahrzehnten begleitet.
Das 1892 nach Entwürfen von Hermann Müller errichtete Schulhaus ist ein spätklassizistischer Repräsentationsbau und steht als Solitär an einer Straßenkreuzung. Es folgt dem Typus des „Normalschulhauses“, der sich ab etwa 1835 verbreitete. Große Fensterflächen prägen diese Bauten und sorgen für helle Klassenzimmer. Im Falle der Primarschule gerieten sie jedoch zunehmend in Konflikt mit der veränderten Verkehrssituation. Unmittelbar vor dem Gebäude führt nämlich die Rosengartenstrasse vorbei, die heute zu den meistbefahrenen Straßen der Stadt zählt. Bereits in den 1970er Jahren reagierte man auf diesen Umstand mit der Nachrüstung von Kastenfenstern. Eine 2001 entlang der südlichen Grundstücksgrenze errichtete Umfassungswand schirmt den Pausenhof vom Straßenlärm ab und dient zugleich als Pausenhalle.
Den architektonisch prägenden Fenstern galt deshalb auch bei der aktuellen Instandsetzung besondere Aufmerksamkeit. Die teilweise stark beschädigten Kastenelemente wurden vollständig ersetzt, während eine zusätzliche schallabsorbierende Verkleidung auf der Innenseite den Lärmschutz weiter verbessert. Teilung und Profile der Fenster orientieren sich selbstverständlich am bauzeitlichen Erscheinungsbild.
Die Gesamtinstandsetzung umfasste darüber hinaus die Erneuerung der Gebäudehülle, eine statische Erdbebenertüchtigung, neue Haustechnik sowie die Sanierung von Klassenzimmern, Korridoren und Garderoben. Auch der bislang ungenutzte Dachraum wurde ausgebaut. Hier entstanden Räume für die Lehrerschaft und eine Bibliothek. Ein zentraler Mittelraum für Sitzungen und Pausen erhält über große Dachfenster Tageslicht. Daneben liegen kleinere Arbeitsräume mit Teeküche. Transluzente Trennwände, die zugleich als Bücherregale dienen, gliedern den Dachraum subtil. Zu erreichen sind alle Ebenen über einen Lift, der unauffällig in den ehemaligen Nasszellenkern integriert wurde.
Eine ungewöhnliche Ausgangslage fand sich im Untergeschoss: Dort befindet sich eine Trafostation, die einen Teil des Quartiers mit Strom versorgt. Sie konnte im Zuge der Sanierung nicht einfach weichen. Stattdessen wurde an Boden und Wänden eine metallische Abschirmung gegen die von der Anlage ausgehenden elektromagnetischen Felder angebracht. Ihre Abwärme wird wiederum genutzt und als zusätzliche Heizenergie in das Schulhaus eingespeist. (gk)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Bischof Föhn Architektur
- Team Architektur:
- Paul Degendorfer (Projektleitung), Stephan Bischof, Sarah Barras, Matthias Brücke, Jonas Schüpbach und Joelle Cocco
- Baumanagement:
- Righetti Partner Group
- Bauingenieur:
- Aerni + Aerni Ingenieure
- HLKS:
- neukom enigineering
- Bauphysik:
- AIK/Gartenmann Engineering
- Elektro:
- mosimann + partner
- Landschaft:
- haag.la
- Bauherrschaft:
- Amt für Hochbauten Zürich
- Fläche:
- 2.958 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 18.000.000 € nach aktuellem Kurs




