Hölzerne Stuben
Schulerweiterung in Graubünden von moeller raupach architekten
Der Ort Igis bei Landquart im Kanton Graubünden wächst und das denkmalgeschützte Primarschulhaus aus dem Jahr 1913 platzte wegen steigender Schülerzahlen sowie der Umsetzung eines neuen Schulgesetzes aus allen Nähten. Das Berliner Büro moeller raupach architekten hat die Schulanlage nach gewonnenem Wettbewerb im Jahr 2012 um zwei neue Gebäude in Hybridbauweise erweitert. Das Klassenhaus ersetzt einen Anbau aus den 80er Jahren, der Kindergarten ein Provisorium aus den 90er Jahren. Die Bauleitung übernahm Markus Foi (Chur).
Die städtebauliche Grundidee war ein offenes Schulareal, in das bestehende und neue Bauten in ortstypischer Streuung eingebunden sind. So fassen die beiden Neubauten zusammen mit dem Altbau und der Turnhalle mehrere Freiflächen. Das viergeschossige „Klassenhaus“ nimmt 16 Klassenzimmer, acht Gruppenräume sowie den Lehrerbereich auf und dient damit als neues Hauptgebäude. Die seit neuestem gesetzlich vorgeschriebenen Gruppenräume sind jeweils von zwei Klassen sowie vom Garderobenbereich aus zugänglich und dafür gedacht, kleine Gruppen oder einzelne Kinder in unterschiedlichem Tempo und auf individuelle Weise zu fördern. Der Baukörper des „Kindergartens“ mit seinen drei Kindergartengruppen schließt das Ensemble gen Nordosten ab. Sollte die Schule weiter wachsen, können die Räume in Klassenzimmer umgenutzt werden. Eine Rasenfläche, ein Hartplatz und ein asphaltierter Pausenhof sind für Spiel und Sport vorgesehen.
Bei beiden Neubauten entschieden sich die Architekt*innen für eine Hybridbauweise: die Außenwände im Erdgeschoss, alle tragenden Innenwände sowie die Decken sind aus Stahlbeton, um den Anforderungen an Brand-, Feuchte- und Schallschutz gerecht zu werden. Die Außenwände in den Obergeschossen sind als tragende Holzkonstruktion in Elementbauweise aus heimischem Lärchenholz ausgeführt. Beide Gebäude gründen ob der Beschaffenheit des Bodens auf Pfählen, ein bestehender Schutzraum im Untergrund musste berücksichtigt werden.
Die hybride Bauweise ist kongruent mit der Gestaltung der Innenräume. Roher Beton mit samtiger Haptik dominiert in den Erschließungsbereichen, die dank großer Fenster natürlich belichtet werden. Alle Klassenzimmer sowie die Räume des Kindergartens sind den Architekten zufolge als „hölzerne Stuben“ konzipiert. Die Materialität führt lokale Bautraditionen fort, die Räume allerdings sind in zeitgenössischer Formensprache ausgebildet. Auch die Technik ist auf der Höhe der Zeit: Die Wandtafeln sind mit interaktiven Bildschirmen (Smartboards) ausgestattet, in allen Klassenzimern gibt es Lautsprecher. (stu)
Fotos: Ingo Rasp Photography
Ich durfte meine Grundschulzeit auch in einem Neorenaissance-Schulhaus verbringen, aber hinter der hübschen Fassade war nicht nur alles schön und entsprach erst recht nicht heutigen pädagogischen Vorstellungen.
Meine Gymnasialzeit in einem modernen, lichten Neubau habe ich jedenfalls in besserer Erinnerung. Er war diesem hier nicht unähnlich, hatte aber zugegebenermaßen schönere Außenanlagen. Dass die hier, wie auch Flure und Treppenhaus, schlicht und puristisch ausfallen, ist wohl vor allem dem helvetischen Geschmack geschuldet. Der erträgt das, im Gegensatz zur gemütlichen deutschen Seele.
Ich nicht. Das ist zwar alles aus unseren Architektinnenaugen sauber und auf hohem Niveau, aber als Schülerin wäre mir das zu kalt und blutleer gewesen. Da hab ich einfach zu gute Erinnerungen an "meinen" malerischen Neorenaissance-Bau von 1905.
das ist eine Schule und keine Architekturqualität...
arme Schüler in dieser leblosen Kiste
Das gibt's auch nicht alle Tage (ganz im Gegensatz zum umgekehrten Fall). Zumal unsere Nachbarn nicht nur auf dem Gebiet der Architektur gerne den Protektionismus pflegen.
Umso mehr Respekt für die Architekten, die sich mit einem schönen Schulhaus gegen die einheimische Konkurrenz durchsetzen konnten. Und dabei eidgenössische Qualitäten zeigen: Sauber gefügt, wohl proportioniert, hochwertig und robust. Wohltuend auch die ruhige Grundstimmung: Materialsichtigkeit, wohin das Auge schaut. Offenbar geht Schule auch ohne die hierzulande üblichen, ach so kindgerechten Quietschfarben.
Ach...wer von uns wäre nicht gerne auf so eine Schule gegangen...?
Unverständlich ist für mich jedoch, warum man in den Klassenräumen auf so unterschiedliche Holzarten gesetzt hat, die m. E. auch nicht wirklich gut harmonieren. Das ist besonders deshalb schade, weil eigentlich für sich genommen durchweg schöne Materialien verwendet wurden, deren Zusammenspiel aber leider letztendlich nicht wirklich gut funktioniert...