Das Dorf ins Dorf holen
Genossenschaftliches Wohnensemble in Hannover von ksw
Bis zum Jahr 1189 lassen sich Spuren des Stadtteils Limmer in Hannover zurückverfolgen. Ein Stein der ehemaligen Burgsiedlung im Hof der Dorfkirche St. Nikolai erinnert an den Beginn des Areals, das heute zwischen potentiellem Bauland und den Gründerzeitvierteln der Innenstadt liegt. Limmers Geschichte ist also lang, aber noch lange nicht abgeschlossen. Zuletzt wurde am Rande der ehemaligen Dorfmitte das genosschenschaftliche Wohnquartier von kellner schleich wunderling architektekten + stadtplaner ksw (Hannover) gebaut. 2013 hatte der lokale Spar- und Bauverein das Projekt erstmals durch einen Wettbewerb initiiert und bis 2017 die 48 Wohneinheiten in der Planung betreut und finanziert.
Das Gebäudeensemble mit acht Baukörpern wurde auf einer ehemaligen Wiese mit altem Baumbestand realisiert. Maßgebliches Konzept der Architekten war es, die umgebende dörfliche Struktur typologisch aufzugreifen und zeitgemäß zu interpretieren. So passen sich die zwei- bis dreigeschossigen Neubauten der Struktur von Limmer an, gehen im Grundriss jedoch einen eigenen Weg. Spitzwinkligkeit und Ausrichtung der Gebäude ergeben eine interessante Anordnung und lenken die Blicke immer wieder auf architektonische und soziale Fixpunkte der Umgebung – etwa auf den historischen Wasserturm, das Familienzentrum oder den Glockenturm der Kirche St. Nikolai. Gleichzeitig entstanden kleinteilige und dorfähnliche Plätze.
Was sich im Städtebau des Ensembles bereits zeigt, wird auch von Architektur und Raumprogramm weitergeführt – den Dorf- und Gemeinschaftscharakter Limmers zu bewahren. So bietet das Quartier mit familiengerechten Maisonette-Wohnungen, barrierefreien und behindertengerechten Wohnungen sowie Single- und Gemeinschaftswohnungen Raum für verschiedene Nutzergruppen und reagiert damit auf den aktuellen Bedarf im Ortsteil. Viele der Wohnungen sind mit einem eigenen Garten ausgestattet. Das Projekt war in der engeren Wahl des Deutschen Städtebaupreises 2018.
Text: Kim Gundlach
Fotos: Marcus Bredt
Liebe Marie,
liebe All,
das Diversität im Geschmack und im Eindruck jedes gebautem herrscht ist natürlich und wie ich finde bereichernd.
Ihr Vorschlag der Klarnamen ist etwas was ich schon lange befürworte. Niemand würde mehr einen Kommentar nur "hinrotzen" und wenn müsste er auch dazu stehen.
vielen Dank für die wertschätzende Rückmeldung! Ihr Eindruck rührt vielleicht daher, dass ich immerhin beim Texten vom Fach bin. Vielleicht sollte ich mal für Architekturbüros schreiben? Ich beurteile wie gesagt lieber Dinge, die ich aus eigener Anschauung kenne, aber ich kann ja mal bei den mir bekannten Neubauten schauen, ob sie hier auf dem Portal Würdigung erfahren.
@eon und mawa: Danke auch Ihnen für die netten (und lustigen) Antworten! Zum Stil hier bei Baunetz - es lobt und genießt sich wohl besser fachfremd als kollegial. Und zum Wesen des Kritikers gehört leider, dass er das, was er beurteilt, selbst nicht (unbedingt) besser machen könnte, das finde ich immer schon kurios. Ein wenig Respekt wäre dennoch schön, aber gerade die Anonymität macht es natürlich leicht, vom Leder zu ziehen. Wenn sich hier jeder mit Klarnamen und Architekturbüro anmelden müsste, sähe das Ganze wohl anders aus...
@ixamotto: Bei näherer Betrachtung finde ich die Zäune auch nicht wirklich originell. Autos brauchen in unserer Zeit leider einen Platz, und lieber einen definierten, als dass es später Streit gibt (ich habe übrigens keins). Zäune, Briefkästen & Co: Ich könnte mir vorstellen, dass gerade bei sowas der Eigentümer seine Vorlieben durchzusetzen versucht.
Ansonsten gilt, was ich von meiner Ästhetik-Professorin gelernt habe: die Farbe bringen die Menschen rein. Und der eine oder andere Blumenkübel oder eine Bank vorm Haus, abgesehen von spielenden Kindern, sollte auch hier als Interpretationsspielraum absolut drin sein. Ansonsten bleibt ganz sicher noch die Option, von den Hausnummern traumatisiert, abzuhauen ;-)
Herzliche Grüße nochmals
Marie
Ihr Kommentar als einzige Fachfremde ist fundierter, differenzierter und schlichtweg professioneller als jeder andere Beitrag hier (und dies gilt eigentlich auch für die meisten anderen Posts). Vielen Dank dafür! Vielleicht stöbern Sie doch auch mal durch den Rest der Meldungen, ich würde mich freuen, mehr Gedanken von Ihnen zu lesen!
Grüße
Max