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08.12.2023

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Zwei Häuser für zwei Ministerien

Sanierung von KSP Engel in Berlin


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Der ehemalige Stammsitz der Deutschen Bank in Berlin ist ein gewaltiger, neobarocker Gebäudekomplex im Herzen des historischen Bankenviertels. Ende der 1940er Jahre wurde er von Franz Ehrlich umgebaut und purifiziert. Nach der aktuellen Sanierung durch KSP Engel finden hier nun zwei Bundesministerien und ein Konferenzzentrum Platz.

Von Gregor Harbusch

Das historische Berliner Bankenviertel erstreckt sich im Kern zwischen dem Boulevard Unter den Linden und der Mohrenstraße. Weitaus größtes und zugleich markantestes Bankhaus ist der Erweiterungsbau der ehemaligen Reichsbank (1934–40). Das Haus am Werderschen Markt dient heute dem Auswärtigen Amt als Dienstsitz.

Etwas kleiner als die Reichsbank und trotzdem wuchtig und eindrucksvoll zeigt sich der ehemalige Stammsitz der Deutschen Bank an der Mauerstraße. Er besteht aus mehreren Häusern, von denen im Weiteren nur die ersten beiden Häuser interessieren. Haus 1 entstand sukzessive in den Jahren 1873–92, Haus 2 in einem Zuge von 1905–08, kurz nachdem die Deutsche Bank Haus 1 übernommen hatte und ihren Stammsitz hierher verlegte. Architekt der ehemals reich geschmückten neobarocken Häuser, die durch ein Brückenbauwerk verbunden wurden, war Wilhem Martens (1842–1910).

Ende der 1940er baute Franz Ehrlich (1907–84) das Ensemble um. Er ließ den neobarocken Bauschmuck weitgehend entfernen und schuf stattdessen ein Verwaltungsgebäude in der Formensprache eines moderat modernen, sozialistischen Klassizismus. In das auf diese Weise purifizierte Bankhaus zogen das Innenministerium der DDR und die Zentrale der Volkspolizei ein. Später war hier die Gauck-Behörde untegebracht. Noch später dienten sie der Serie „Berlin Babylon“ als Filmkulisse.

Kürzlich wurde die umfassende Sanierung der Häuser 1 und 2 durch die Braunschweiger Dependance von KSP Engel abgeschlossen. Die Immobilie im Eigentum des Bundes bietet nun Platz für das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie ein unabhängig vom alltäglichen Ministeriumsbetrieb nutzbares Konferenzzentrum.

Haus 1

Haus 1 ist das nördliche Gebäude. Es bietet 380 Arbeitsplätze und wird nun vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) genutzt. Ursprünglich hatte man geplant, das gesamte Ministerium an diesem Standort unterbringen zu können. Doch mit Corona wuchs die Mitarbeiterzahl so stark an, dass unter anderem der langjährige Sitz neben dem Friedrichstadtpalast behalten werden musste, den der Bund nur anmietet und der eigentlich aufgegeben werden sollte.

Wichtigste Ergänzung in Haus 1 ist eine Neubauspange im Innenhof. Sie verbessert die gesamte Erschließung des Hauses und bietet Platz für Konferenzräume. Im Kern des Komplexes entstand ein neuer Haupterschließungskern. Außerdem gibt es in einem der ehemaligen Innenhöfe nun eine Kantine mit flach gewölbtem Glasdach. Der Dachbereich wurde ausgebaut und umfasst neben zusätzlichen Büroräumen auch eine kleine Kita, die nicht nur den Mitarbeitenden des Hauses offen steht.

Haus 2

Haus 2 erfüllt zwei Funktionen. Erstens verfügt das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im östlichen Bereich des Komplexes über Raum für 290 Arbeitsplätze. Zweitens dient der westliche Teil als Konferenzzentrum, in dem neben den beiden Ministerien vor Ort auch die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Arbeit und Soziales Tagungen unterschiedlicher Größe abhalten.

Das Konferenzzentrum ist der räumlich eindrucksvollste Bereich des gesamten Sanierungsprojekts. Es liegt in den hohen, gewölbten Räumen der einstigen Kassenhalle. Im Untergeschoss befindet sich der gut erhaltene Tresor, der nun als Sicherheitsschleuse und Garderobenbereich des Konferenzzentrums dient. Das wirkt im Ablauf vielleicht etwas umständlich, bindet aber den sehenswerten historischen Tresorbereich mit seiner schwarzen Eisenkonstruktion samt Glasbausteindecken auf kluge Weise in die halböffentlichen Nutzungsabläufe des Hauses ein.

Sachliche Verwaltung mit historischen Spuren

Architektonisch zeigen sich die Häuser nun als sachlich und in weiten Teilen als gestalterisch zurückhaltende Verwaltungsbauten, bei denen aber ein zweiter Blick unbedingt lohnt, um die Spuren der Vergangenheit zu lesen. So klingt – trotz der schon lange simplifizierten Oberflächen – in den Treppenhäusern, den monumentalen Raumfolgen und der glasgewölbten ehemaligen Kassenhalle der neobarocke Habitus eines mächtigen, gründerzeitlichen Bankhauses an. Sehr passend dazu zeigt sich die neue, puristische Kuppelkonstruktion im zentralen Raum des Konferenzzentrums.

Die beschädigten alten Säulen erinnern an die Brandbomben, die hier im Zweiten Weltkrieg einschlugen und den Marmor abplatzen ließen. Holzvertäfelungen, Lampen und Ausstattungsdetails sowie die nach denkmalpflegerischem Befund rekonstruierte Farbigkeit machen wiederum den sozialistischen Klassizismus Franz Ehrlichs greifbar. Leider wurde jedoch das expressionistisch gewagte, denkmalpflegerisch ermittelte Grün, Gelb und Rot, das Ehrlich in einigen halböffentlichen Bereichen verwendete, nur in abgeschwächter Form wiederhergestellt.

Public-Private-Partnership

Man glaubt den Architekt*innen, wenn sie beim Rundgang durch die Häuser immer wieder betonen, dass die Zusammenarbeit in der Public-Private-Partnership (PPP), in der das Projekt umgesetzt wurde, wirklich gut gewesen sei. Denn ein so komplexes Sanierungsprojekt wartet nicht nur mit mancher Überraschung auf, sondern erfordert immer wieder spontane Entscheidungen, die nur bei einem vertrauensvollen Miteinander zeitnah und effizient durchgeführt werden können. Eine PPP und die entsprechenden Möglichkeiten direkter Beauftragung sei in solchen Fällen einfach hilfreich, hieß es. Förderlich war aber auch, dass die Planer*innen in einem dritten Gebäudeteil des Ensembles ihr Baubüro eingerichtet hatten. Das sorgte für kurze Wege in vielerlei Hinsicht.

Eigentümerin der Immobilie ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BmIA. Beim PPP-Qualifikationsverfahren 2015 beteiligten sich KSP Engel zusammen mit dem Generalübernehmer ARGE Hochtief und Zech Bau. Planungsbeginn für den nun 64.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassenden Gebäudekomplex war Sommer 2017, gebaut wurde ab 2018. Haus 1 wurde im November letzten Jahres fertig, Haus 2 im Mai dieses Jahres. Laut Projektsteuerung belaufen sich die kompletten Investitionskosten auf rund 400 Millionen brutto für Planung und Bau sowie den Betrieb beider Häuser über 30 Jahre.

Fotos: hiepler, brunier; KSP Engel


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Kommentare

6

peter | 12.12.2023 09:10 Uhr

600.000 euro pro arbeitsplatz

für alles ist geld da.
nur nicht für die wirklich wichtigen dinge.

5

Jenatsch | 11.12.2023 15:59 Uhr

Möglichkeiten direkter Beauftragung

PPP = die öffentliche Hand umgeht ihr eigenes Vergaberecht?

4

Lassie | 11.12.2023 12:47 Uhr

authentisch

ein authentisches Gebäude, was will man mehr?

3

... | 09.12.2023 14:35 Uhr

(t)olle wurst

"ein Schlag ins Gesicht der Passanten" - welch alberne Dramatisierung. Den Passanten ist das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit komplett egal, die sind in ihrer Stadt wahrlich ganz andere Sachen gewohnt. rofl

2

Genius_loci | 09.12.2023 09:05 Uhr

Simplify your fassade

Wirklich sehr schade, dass man die fürchterliche "Purifizierung" aus DDR-Zeiten konserviert und damit "geadelt" hat. Das geschah vermutlich aus finanziellen, hoffentlich nicht aus denkmalpflegerischen Aspekten. Der Ursprungsbau besaß so viel mehr Qualität, dass man sich hier tatsächlich einen Befreiungsschlag in Form einer originalgetreuen Fassadenrekonstruktion gewünscht hätte. Eine vertane Chance.
Besser gefällt da schon die behutsam moderne Umgestaltung der Innenräume.

1

tolle Wurst | 08.12.2023 17:22 Uhr

ähm

"eines moderat modernen, sozialistischen Klassizismus."

Sorry Gregor, man mag es vielleicht so ausdrücken, aber im Grunde genommen hat er hier eine Plumpifizierung vorgenommen mit derart grob geratenen Details, dass der Komplex von Haus II ein Monstrum wurde wo vorher wenigstens noch eine bewegte Verspieltheit herrschte. Zeitschichten belassen blablabla, kennen wir. Aber diesen Zustand beizubehalten bleibt ein Schlag ins Gesicht der Passanten.

 
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Haus 1 (links angeschnitten) und Haus 2 des ehemaligen Stammsitzes der Deutschen Bank beherbergen nach dem Umbau durch KSP Engel zwei Ministerien sowie ein Konferenzzentrum des Bundes.

Haus 1 (links angeschnitten) und Haus 2 des ehemaligen Stammsitzes der Deutschen Bank beherbergen nach dem Umbau durch KSP Engel zwei Ministerien sowie ein Konferenzzentrum des Bundes.

In der ehemaligen Kassenhalle von Haus 2 befindet sich nun ein Konferenzzentrum. Franz Ehrlich hatte hier einst eine Flachdecke einziehen lassen und die Halle zu einem Kinosaal umgebaut.

In der ehemaligen Kassenhalle von Haus 2 befindet sich nun ein Konferenzzentrum. Franz Ehrlich hatte hier einst eine Flachdecke einziehen lassen und die Halle zu einem Kinosaal umgebaut.

Neben Lampen und anderen Ausstattungsdetails sind vor allem die Holzvertäfelungen charakteristisches Zeugnis des Umbaus durch Ehrlich in den späten 1940er Jahren.

Neben Lampen und anderen Ausstattungsdetails sind vor allem die Holzvertäfelungen charakteristisches Zeugnis des Umbaus durch Ehrlich in den späten 1940er Jahren.

Der beeindruckende, ehemalige Tresorraum in den beiden Untergeschossen von Haus 2 dient als Sicherheitsschleuse und Garderobenbereich des Konferenzzentrums.

Der beeindruckende, ehemalige Tresorraum in den beiden Untergeschossen von Haus 2 dient als Sicherheitsschleuse und Garderobenbereich des Konferenzzentrums.

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