Alles schräg am Mellensee
Sanierung und Umbau eines Ferienhauses bei Berlin von Heide & von Beckerath
Gartenhäuser sind gerne mal ein wenig verbastelt. Aber das kleine Haus am Mellensee südlich von Berlin, an dessen Umbau Heide & von Beckerath in den letzten Jahren arbeiteten, ist wirklich schräg. Der Blick in die historischen Bauakten von 1921 bestätigt es: Das Häuschen zelebriert zwar im Kleinen eine klassizistische Ordnung, bestand aber schon immer aus zwei Hälften im wahrsten Sinne des Wortes. Die westliche Hälfte war gemauert und glatt verputzt, die östliche ist klar als Holzbau erkennbar. Noch besser: Es handelt sich bei diesem Gebäudeteil mit seinen auffällig abgeschrägten Ecken um die Holzständerkonstruktion eines ländlichen Flughafens, die hier wiederverwendet wurde, schreiben die Architekt*innen. Der Anbau unter dem Schleppdach an der Nordseite des Hauses stammt aus den 1990er Jahren.
Bis 2007 war das Häuschen durchgehend bewohnt, während andere kleine Häuser in der am See gelegenen Nachbarschaft als Wochenendhäuser dienten. Seit 2021 arbeiteten Heide & von Beckerath an dem denkmalgeschützten Objekt mit 115 Quadratmetern Wohnfläche, 2026 konnten sie das Projekt abschließen. Die äußere Charakteristik des Hauses zum Vorschein zu bringen, sei dabei genauso wichtig gewesen wie eine neue, offene Ordnung im Inneren zu schaffen, schreiben die Architekt*innen.
So ungewöhnlich das Haus sich außen zeigt, so unkonventionell ist nun auch der kompakte Grundriss organisiert. Denn durch das Haus zieht sich ein Flur samt „Küchenabzweigung“, dessen grün-weißes, schräg gesetztes Fliesen-All-Over vermutlich die genau richtige Antwort auf das manierierte Äußere ist. Vom Flur erreicht man ein Ess- und ein Wohnzimmer sowie ein kleines Bad. Im Wohnzimmer führt wiederum eine schmale Treppe nach oben ins Dachgeschoss. Dieses diente ursprünglich weitgehend als Dachboden. Nun erschließt ein längsorientierter Raum mit Einbauschränken ein kleines Bad sowie zwei Schlafzimmer.
Im Zuge der Sanierung wurde der Holzständerbau gedämmt und im Erdgeschoss raumseitig mit einer vertikalen Holzverschalung geschlossen, während der Mauerwerksbau innenseitig einen Wärmedämmputz erhielt. Durch wärmedämmende Schüttungen und erneuerte Holzdielen ertüchtigten die Architekt*innen die Böden im Erdgeschoss. Das Dach erhielt eine einheitliche Deckung aus Aluminiumblechschindeln. Echter Hausschwamm, aktiver Hausbock und Rückstände giftiger Holzschutzmittel erschwerten das Sanierungsprojekt. (gh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur (LP 1–9):
- Heide & von Beckerath
- Projektarchitekt:
- Daniel Bruns
- Lichtplanung:
- Anne Boissel
- Landschaftsplanerische Beratung:
- Caroline Ahrens
- Tragwerksplanung:
- StudioC
- Haustechnikplanung:
- Ingenieurgemeinschaft Weissensee
- Bauhphysik und Energieberatung:
- Andreas Wilke
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 158 m² Bruttogrundfläche






Mich würde nur ein Detail interessieren, das Dachgeschoss, früher Lagerboden, ist nun ein Aufenthaltsbereich. D.h. es ist ein zweiter Rettungsweg erforderlich. Hier sicherlich über das Anleitern der Feuerwehr, allerdings sehe ich kein Fenster, das die erfordelichen Abmessungen lt. Bauordnung hat.
Frage nur, weil ich bei einem ähnlichem Projekt einen langen Kampf mit der Abteilung Brandschutz führte, bis hin zur angedrohten Nutzungsuntersagung. Am Ende wurde ein "schickes" Dach-Rettungsfenster eingebaut....