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26.03.2024

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Wenn der Bauherr Feinmechaniker ist

Sanierung eines Wohnhauses in Tirol von Elementar Architektur


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„Wandern wird immer mehr zum Kreuzweg zwischen Scheußlichkeiten.“, schrieb der 1937 geborene Tiroler Architekt Siegbert Haas vor einigen Jahren. Vermutlich dachte er dabei an die Entwicklung seiner Heimatregion seit dem Zweiten Weltkrieg. Denn es gibt wenige Gegenden in den Alpen, die auf ähnlich ungute Weise verbaut und von den betongewordenen Infrastrukturen des Transitverkehrs und der Tourismusindustrie geprägt sind, wie das österreichische Tirol. Im Kontext von Wirtschaftswunder und reger Bautätigkeit war auch Haas tätig, nachdem er 1961 sein Studium an der damaligen Akademie für angewandte Kunst in Wien abgeschlossen hatte und 1964 ins heimische Innsbruck zurückgekehrt war.

Haas’ Bauten dürfen als programmatischer Gegenpol zu den „Scheußlichkeiten“ Tirols gelten. Das beweist der Blick auf das Haus Praxmarer, dessen Entwurf Haas vermutlich im Jahr 1970 begann. Seit einiger Zeit erstrahlt es wieder in altem Glanz. Verantwortlich für die behutsame Sanierung ist das Büro Elementar Architektur (Axams/Innsbruck), das von Christian Dummer im Jahr 2021 gegründet wurde. Dummer bewohnt das Haus mit seiner Familie und betreibt hier auch sein Büro. Seine Sanierungsarbeit am Haus geschah im engen Austausch mit Haas.

Bauherr des Hauses war einst der Feinmechaniker Walter Praxmarer, weiß Dummer zu berichten. Durch Spezialanfertigungen für die OP-Säle der Klinik Innsbruck konnte sich Praxmarer einen Namen machen. In den Details des Hauses stecke einiges vom Erfindungsgeist des Bauherrn, betont Dummer. So etwa bei beweglichen Konstruktionen wie einem vertikalen Windschott, einer höhenverstellbaren Teppichstange und den Sichtschutzmembranen, die eigens für das Haus entwickelt wurden. Auch die Stahlkonstruktion des Daches, die Stahlrahmen und -türen im gesamten Haus sowie die Stahlfenster im Untergeschoss stammen aus der Hand des Bauherren, der auf der unteren Ebene des Hauses eine Werkstatt hatte.

Aufgabe von Elementar Architektur war es nun, das grundsätzlich gut erhaltene Haus behutsam auf seinen Ursprungszustand zurückzubauen. Neben allerlei kleineren Rückbauten außen, ging es nicht zuletzt um ein „baubiologisch verifiziertes Oberflächenkonzept“, das den originalen Materialien wieder zu ihrem Recht verhelfen sollte. Im Untergeschoss wurde eine Innendämmung angebracht. Die Pflanzeninseln sind im Stile der 1970er Jahre bepflanzt. Einzig beim Entwurf einer neuen Küche handelte es sich um einen größeren Eingriff.

Die Sanierung des Hauses wurde bereits im Oktober 2021 abgeschlossen, die Küche ein Jahr später. Im nächsten Ausbauschritt wird Dummer im Untergeschoss (wo bereits die Büroräume liegen) Zimmer für seine beiden Kinder schaffen. (gh)

Fotos: David Schreyer


Kommentare

2

auch ein | 27.03.2024 08:24 Uhr

architekt

jetzt versteh ich:
der 1. April ist Feiertag, die Redaktion arbeitet nicht und deswegen kommt der Scherz schon vorab.

Gelungen!!

1

Mainzer | 26.03.2024 15:48 Uhr

Einfach besser bauen

... das Festhalten an den Details und der Materialität des ursprünglichen Baujahrs erscheint zwar konsequent, allerdings sollte es nicht zu Lasten des Wohlgefühls der jetzigen Bewohner führen ...

... deshalb: ein bischen mehr Heiterkeit im Inneren wäre wünschenswert!

 
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