WBS 70 weich umhüllt
Sanierung eines Freizeittreffs in Leipzig von KO/OK
Im Leipziger Osten steht mit der Großwohnsiedlung Neu-Paunsdorf nicht nur die zweitgrößte der Stadt, sondern auch eine der letzten großmaßstäblichen Siedlungen des industriellen Plattenbaus der DDR. Zwischen 1987 und 1991 entstanden hier rund 6.300 Wohneinheiten, ergänzt durch Schulen und soziale Infrastruktur. Einer dieser Bausteine ist der 1989 errichtete Jugend- und Freizeittreff Crazy, der nun von KO/OK Architektur (Leipzig/Tübingen) energetisch saniert, modernisiert und punktuell erweitert wurde. Der Eingriff versteht sich als behutsame Fortschreibung der bestehenden Architektur, weniger als Bruch.
Der WBS 70-Plattenbau liegt am östlichen Rand der Siedlung, nördlich einer Oberschule, die momentan saniert wird. Im Norden grenzt er an eine Turnhalle, die zur Schule gehört. Eingreifend sichtbar ist vor allem die neue Gebäudehülle. Die zuvor von grauen Fertigteilplatten geprägte Fassade wurde durch wellenförmige Faserzementelemente ersetzt, die dem Baukörper eine deutlich auffälligere un dennoch weichere Oberfläche verleihen. Die sanften Verläufe in Lila, Gelb, Orange und Blau gehen auf ein Farbkonzept zurück, das gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen des Freizeittreffs entwickelt wurde. Sie lassen sich als kontrollierte Fortsetzung der früheren Graffitis lesen, die zuvor nahezu alle Fassadenflächen überzogen.
Im Inneren bleibt die räumliche Grundfigur erhalten: Eine mittig gelegene Halle mit VT-Faltendach und sichtbarer Tragstruktur bildet das Zentrum des Hauses. Diese Struktur wurde aufgearbeitet, ebenso der Eichenparkettboden im Fischgrätmuster. KO/OK ergänzen den Bestand um lose, mobile Einbauten, die den Raum flexibel bespielbar machen – Bar, Bühne, Tische, Bibliothek, Stauraum. Auf Rollen gelagert, lässt sich die Halle zwischen Veranstaltung, Alltagsbetrieb und informeller Nutzung immer neu konfigurieren. Auch das Innenraumkonzept arbeitet mit einer reduzierten Palette aus Holz, Lila und Orange.
Ergänzt wurde das Ensemble um einen Carport für das kommunale Fahrzeug der Einrichtung, dessen gestalterische Anmutung die neue Fassadensprache aufnimmt und in den Außenraum verlängert. Nach Angaben der Stadt wurden rund 2,5 Millionen Euro in Sanierung und Modernisierung investiert. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- KO/OK Architektur
- Bauherrschaft:
- Stadt Leipzig, Amt für Schule
- Fläche:
- 603 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 2.250.000 €







