Kammermusik in der Reitschule
Revitalisierung in Grafenegg von Maurer & Partner
Heute Abend eröffnet das 20. Grafenegg Festival in der niederösterreichischen Marktgemeinde nahe Krems. Mit Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-Moll op. 80. Am Flügel sitzt der Chef persönlich: Rudolf Buchbinder, international bekannter österreichischer Pianist. Er steht dem Festival seit seiner Gründung 2007 als künstlerischer Leiter vor und wird demnächst auf den eher repräsentativen Posten des Präsidenten wechseln.
Betrieben wird der Musikstandort von der Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft, die wiederum eine öffentlich-private Partnerschaft ist, an der die NÖ Kulturwirtschaft GesmbH des Landes Niederösterreich, die Marktgemeinden Grafenegg und Grafenwörth sowie der Eigentümer des Schlosses Grafenegg, Tassilo Metternich-Sándor, beteiligt sind.
An Buchbinder werden sich viele gerne zurückerinnern, denn er baute Grafenegg künstlerisch zu einem ungemein erfolgreichen Ort aus. Damit auch zukünftige Besucher*innen ihn keinesfalls vergessen, wurde im Mai der Rudolf-Buchbinder-Saal eröffnet – samt Bronzebüste des Impresarios! Der neue Saal liegt in der Beletage der ehemaligen Reitschule auf dem Schlossgelände in Grafenegg, wo neben dem Festival im Spätsommer ganzjährig Klassik-Veranstaltungen stattfinden. Verantwortlich für den Umbau ist das Büro Architekten Maurer & Partner (Hollabrunn/Wien/Korneuburg).
Errichtet wurde die Reitschule in den 1840er Jahren nach Plänen von Leopold Ernst, als dieser Schloss Grafenegg grundlegend historistisch umzugestalten begann. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Reitschule schwer beschädigt. 1978 setzte man sie pragmatisch instand, wobei damals weder das Obergeschoss in seiner ursprünglichen Höhe noch das Tonnengewölbe wiederaufgebaut wurde. Das Ergebnis war ein sehr gestaucht wirkender Baukörper mit flacher Dacheindeckung.
Mit dem nun abgeschlossenen Projekt hat das Gebäude weitgehend seine historische äußere Form zurückerhalten. Die Architekt*innen sprechen von einer „interpretierenden Rekonstruktion“ in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Unter dem rekonstruierten Dach in Zollinger-Bauweise verbirgt sich nun jedoch ein zeitgemäßer Konzertsaal für Konzerte, Proben, Residenzprogramme und musikalische Bildung.
Rund 500 Personen haben im Rudolf-Buchbinder-Saal Platz, der laut Architekt*innen ideale Voraussetzungen für Kammermusik bietet. Dazu gehört selbstverständlich eine ausgeklügelte Akustik. Holzbinder und pyramidenförmige Zwischenelemente der Deckenkonstruktion sorgen für „effiziente Schallverteilung, frühzeitige Reflexionen und einen ausgewogenen Nachhall“, betonen Maurer & Partner.
Das Erdgeschoss dient als Foyer und ist flexibel bespielbar. Erwähnenswert ist die historische Raumfolge aus Marställen, Brunnenraum und oktogonaler Sattelkammer im hinteren Bereich des Gebäudes. Durch den direkten Anschluss der Reitschule an das bestehende große Auditorium ergeben sich hier verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Westlich des Bestandbaus entstand darüber hinaus ein etwas arg schlicht gehaltener Zweigeschosser mit anthrazitgrauer Hülle, der bereits auf den ersten Blick klarmacht, dass er dienende und technische Funktionen aufnimmt. Das Projekt geht auf einen offenen, zweistufigen Wettbewerb zurück, der Anfang 2023 entschieden wurde. (gh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Architekten Maurer & Partner
- Projektbeteiligte:
- Ernst Maurer, Stefan Töplitzer, Martin Kneth, Sebastian Holzer
- Bauherrschaft:
- Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft
- Fläche:
- 3.807 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 12.400.000 € Baukosten
Das Schlossgelände in Grafenegg hat noch weitaus mehr architektonische Highlights zu bieten, allen voran die spektakuläre Open-Air-Bühne Wolkenturm von the next ENTERprise (2007), das 1.300 Plätze umfassende Auditorium von Schröder Schulte-Ladbeck und Dieter Irresberger (2008) sowie einen kleinen Cateringpavillon, ebenfalls von the next ENTERprise, den wir 2018 vorgestellt haben.





Aber offenbar braucht es nach wie vor die Alpha-Tiere,die mit Herzblut für etwas kaämpfen und auch durchsetzen können. Mein Respekt!
Und auch eröffnet sich das Projekt auf den zweiten Blick als unprätentiös, angemssen und angenehm zurückhaltend.
Die Rekonstruktion des Zollingers ist wohltuend und als Schmuckform vollkommen ausreichend.
Ein schönes Projekt, dass zudem einmal mehr zeigt, wenn die öffentliche Hand einmal konstruktiv mitarbeitet.
Weil sie es will.
Danke.