Feinste Kammermusik im Lärchenwald
Konzertsaal bei Evian von PCA-Stream und Patrick Bouchain
Lange vor der (aktuell im Rohbau befindlichen) Berliner Kulturscheune gab es in Neuvecelle nahe Evian schon die Grange au Lac – die „Scheune am See“. Das Konzerthaus des Architekten Patrick Bouchain dient dem Kammermusikfestival Rencontres musicales d’Évian als Festspielhaus. Seine Fertigstellung war 1993. Das Gebäude aus rotem Zedernholz inmitten eines Lärchenwäldchens, dessen Form tatsächlich von alten alpinen Agrarbauten inspiriert war, wurde nun um einen kleineren Saal und ein gemeinsames Foyer erweitert. Das Projekt haben Philippe Chiambaretta und sein Büro PCA-STREAM (Paris) im Dialog mit Bouchain entwickelt und umgesetzt. Die luxuriöse Anmutung des Ensembles lässt klar erkennen, dass es sich nicht um eine öffentliche Kulturstätte handelt. Es ist Teil des Évian Resorts, das – wie die berühmte Mineralwassermarke gleichen Namens – dem Danone-Konzern gehört.
Standort des Resorts ist ein Hang über dem Genfer See. Mehrere Hotels, diverse Wellness-Einrichtungen und Restaurants sind in dem parkartigen Areal verteilt. Die beiden Konzertsäle fügen sich in diese Umgebung gut ein. Die Initiative für die Ergänzung geht auf die Mäzenatin Aline Foriel-Destezet zurück, die mit dem als La Source Vive bezeichneten Neubau die musikalischen Möglichkeiten des Ortes, der als Ganzes nun unter Les Mélèzes firmiert, erweitern wollte.
Im Gegensatz zum großen Haus erlaubt der neue Saal nicht nur intimere Formate, sondern kann dank seiner flexiblen Bühne auch als Probenraum oder für Aufnahmen genutzt werden. Neben dem etablierten Kammermusikfestival an Pfingsten sollen ganzjährig Workshops, Lesungen, Ausstellungen und Vermittlungsprogramme stattfinden. Foriel-Destezet finanzierte auch die Sanierung der ursprünglichen Scheune.
In architektonischer Hinsicht ist der neue Saal als runder Kontrast zur rechteckigen Scheune positioniert. Im Inneren ist er nach dem Weinberg-Prinzip organisiert, das Hans Scharoun einst mit seiner Berliner Philharmonie popularisierte. Dank ihres Oberlichtes besitzt die zweischalige Konstruktion aber auch einen höhlenartigen Charme. Im Raum zwischen den beiden Schalen befindet sich die Erschließung. Der Innenraum wurde aus Beton gegossen, während die äußere Konstruktion aus Holz besteht. Die Außenhülle wurde in Kupferblech gedeckt, die innere Oberfläche des Saals im Dialog mit dem Akustiker Albert Xu entwickelt. Helles Leder für die Sitze unterstreichen den luxuriösen Charakter des Saals.
Die übrigen Bauten sind den Konzertsälen klar untergeordnet. Die länglichen Volumen mit flachen Satteldächern gliedern aber das Ensemble. In ihrer Materialität zwischen Feldsteinsockel und Holzbau sind sie dabei näher an der vernakulären Tradition der ursprünglichen Scheune angesiedelt. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Team Architektur:
- Philippe Chiambaretta (Leitender Architekt), Salomé Rigal (Projektmanagement), Sébastien Truchot, Francesco Cazzola
- Tragwerk und Fassade:
- Bollinger+Grohmann
- Landschaftsarchitektur:
- Coloco
- Auftraggeber:
- SAS AFD
- Fläche:
- 2.150 m² Nutzfläche