Mit Nietzsche Leerräume füllen
Restaurant in Südkorea von Pezo von Ellrichshausen
Das chilenische Büro Pezo von Ellrichshausen (Concepción) hat in den Jardins de Médongaule in der südkoreanischen Provinz Gyeonggi eine Betonstruktur mit 16 riesigen, in den Himmel aufragenden Stützen errichtet. Die Struktur mit Dachterrasse und Restaurant namens Rest ist die neueste Ergänzung einer großen Gartenanlage östlich von Seoul, die sich als kuriose Mischung koreanischer Gartentradition und westlicher Philosophie präsentiert.
Die Jardins de Médongaule – übersetzt „Gärten des Tals der Winde“ – erstrecken sich über rund 20 Hektar und können für umgerechnet 30 Euro Eintritt besucht werden. Der Eigentümer der Anlage möchte anonym bleiben. Offensichtlich ist er nicht nur Frankreich-, sondern auch Nietzsche-Fan. Neben stetigen Verweisen auf die Ideen des Philosophen findet man hier Freiraumgestaltung „von zeitloser koreanischer Gartentradition bis hin zu poetischer französischer Eleganz“, wie es auf der Webseite heißt.
Diese theoretisch überfrachtete Ausrichtung manifestiert sich etwa in einem imposanten Felsen, der Nietzsches „Willen zur Macht“ symbolisieren soll. Daneben finden sich Gärten im Stil der Joseon-Zeit (1392–1910) mit traditionellen Häusern und Pavillons sowie die von Seung H-Sang entworfene Seongok Seowon-Akademie – eine schlichte Neuinterpretation eines neo-konfuzianischen Baus aus dem 16. Jahrhundert. Was Seung H-Sang als „Beauty of Poverty“ beschreibt, findet sich auch in Pezo von Ellrichhausens Entwurf wieder: Eine Architektur, die zwar reduziert, aber mit eindrücklicher Präsenz aufwartet.
Pezo von Ellrichhausens Bau liegt am Waldrand und heißt offiziell eigentlich Überhaus – ein Hinweis auf seine erhöhte Lage, aber auch, wie könnte es anders sein, auf Nietzsches Übermensch. Die Architekt*innen selbst nennen ihr Projekt mit Verweis auf die Nutzung jedoch einfach nur Rest. Das brutalistisch anmutende Volumen wird durch seine massiven Stützen und die dazwischen eingespannte Betonplatte bestimmt. Scheinbar schwebend hängt darunter der Glaskörper, in dem das Restaurant mit 100 Plätzen und zwei Terrassen an sich gegenüberliegenden Eckpunkten untergebracht ist. Vier der Stützen werden von Aufzügen belegt, zum Teil befinden sich hier außerdem Lagerräume oder Toiletten.
Küche und Nebenräume sind komplett unterirdisch angelegt, darüber befindet sich ein offener Raum mit großen (Sitz-)Stufen, der auch für Veranstaltungen genutzt werden soll und sich in Richtung Tal öffnet. Auf die Dachterrasse gelangen die Besucher*innen entweder auf kurzem Wege – über eine Wendeltreppe – oder über eine mäandernde Rampe. Hier können sie sich schon einmal auf die Dachterrasse einstimmen, um dann zwischen den zehn Meter hohen, freistehenden Stützen zu wandeln und die „physischen und mentalen Leerräume zu füllen“, wie die Architekt*innen schreiben. Oder einfach den Ausblick genießen. Die Konstruktion besteht aus grün gefärbtem Stahlbeton, die Böden aus Terrazzo. Im Inneren dominiert dunkle Eiche für Einbauten und Decken. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Pezo von Ellrichshausen
- Team:
- Mauricio Pezo, Sofia von Ellrichshausen, Emilie Kjaer, Francesco Caminati, Masha Arnold, Manuel Heck, Beatrice Pedrotti, Lukas Vajda
- Landschaftsarchitektur:
- Jardins de Sericourt / Dongsimwon Landscape Design
- Lokales Architekturbüro:
- See Architects
- Bauherrschaft:
- Les Jardins de Medongaule
- Tragwerksplanung:
- Chang Minwoo
- Fläche:
- 1.563 m²



