Dinner im Überseecontainer
Restaurant im indischen Thoothukudi von Wallmakers
Die südindische Hafenstadt Thoothukudi (auch als Tuticorin bekannt) ist ein wichtiger Umschlagplatz des internationalen Handels. Hier werden unzählige Container be- und entladen – und immer wieder auch entsorgt. Dass sich die ausgemusterten Stahlkisten mit etwas kreativer Energie hervorragend weiterverwenden lassen, zeigen Wallmakers mit ihrem Entwurf für ein Restaurant am südwestlichen Stadtrand. Das Büro des indischen Architekten Vinu Daniel arbeitet bevorzugt mit Lehm, recycelten Materialien und vermeintlichem Abfall. Für das Petti Restaurant – „Petti“ bedeutet auf Tamil „Kiste“ – schufen die Architekt*innen mit einer Kombination aus Stahl und Erde ein gleichermaßen originelles wie nachhaltiges Gebäude.
Lediglich die ziehharmonikaartige Form deutet darauf hin, dass unter der perforierten Lehmfassade zwölf Schiffscontainer stecken. Sie wurden senkrecht aufgestellt, um mehr Raumhöhe zu gewinnen – im Gegensatz zu 2,40 Metern Höhe, die ein Container in der Waagerechten bietet. Zudem baute man auf einem schmalen, langgezogenen Grundstück, auf dem der Platz optimal genutzt werden sollte. Bis zu 200 Personen passen nun in das 439 Quadratmeter große Restaurant.
Für die Tragstruktur wurden die zu- und aufgeschnittenen Container in Reihe an ein Stahlgerüst geschweißt. Mit ergänzend eingezogenen Stahlbetonplatten schufen die Architekt*innen ein Obergeschoss. Um zu verhindern, dass sich die Konstruktion im tropischen Klima zu sehr aufheizt, ist sie außen mit einer porösen, natürlich isolierenden Lehmschicht verkleidet, die in sanften Krümmungen in den Boden übergeht. Innen sind die rot lackierten Oberflächen der Container weiterhin sichtbar.
Auch die versetzte Anordnung und der Container dient der thermischen Effizienz des Bauwerks, erklären Wallmakers. Die nach Süden ausgerichtete Fassade ist größtenteils verschlossen, um den solaren Wärmegewinn zu begrenzen. Offene, verglaste Bereiche im Erdgeschoss lassen viel Licht in den unteren Gebäudeteil. In Kombination mit eingeschnittenen Oberlichtern wird Querlüftung ermöglicht.
Eine Hälfte des Erdgeschosses beherbergt die Küche, die andere bietet schattige Sitznischen. Das Obergeschoss nimmt den Hauptgastraum auf. Auch hier wurde die Raumaufteilung so geplant, dass jede Gästegruppe eine eigene Nische erhält. Abends erhellen Kronleuchter, die ebenfalls aus recycelten Materialien gefertigt wurden, die Räume. (da)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Wallmakers
- Leitende Architekt*innen:
- Vinu Daniel, Oshin Mariam Varughese
- Junior Architekt:
- Rajesh Khanna
- Bauherrschaft:
- Petti Restaurant
- Fläche:
- 439 m² Bruttogrundfläche
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