Beschwingte Nüchternheit
Primarschule von Weyell Zipse Architekten in Zürich
Mit dem einstigen Guggach-Areal entwickelt sich in Zürich seit einigen Jahren eine neue Ausflugsdestination für wohnungsbauinteressierte Architekt*innen. Im Quartier Unterstrass, nördlich der Innenstadt gelegen, wurden hier in den letzten zehn Jahren große Wohnungsbauensembles von Büros wie EMI oder Knapkiewicz & Fickert realisiert. Nun steht dort auch eine spektakuläre neue Schule von Weyell Zipse Architekten aus Basel. Das Projekt geht auf einen Wettbewerb zurück, der 2018 entschieden wurde. Dessen Fokus lag neben dem Schulhaus auf weiteren Wohnbauten für eine gemeinnützige Stiftung. Beteiligt waren neben Weyell Zipse noch Donet Schäfer Reimer Architekten (Zürich) und Atelier Loidl Landschaftsarchitekten (Berlin). Letztere zeichneten auch für die Außenraumgestaltung der neuen Schulanlage Guggach verantwortlich, die in einen Quartierspark übergeht.
Die Primarschule wurde erst vor wenigen Wochen in Betrieb genommen. Auf einer Geschossfläche von rund 7.600 Quadratmetern bietet sie Platz für zwölf Schulklassen mit bis zu 260 Kindern. Organisiert sind diese Klassen in symmetrisch angeordneten Clustern, die neben den Kernfunktionen auch Raum für freie Nutzungen bieten. Unterteilt in zwei klimatisch abgeschlossene Abschnitte, flankieren die Cluster ein unbeheiztes Atrium mit Gewächshausdach. Im Sommer lässt sich dieses Atrium über gebäudehohe, per Hand bewegbare Schiebetore öffnen. Dies gilt auch für das Dach mit integriertem Sonnenschutz, was in Kombination mit Nachströmöffnungen flexibel anpassbare Belüftungsszenarien ermöglicht.
Darin komme das Ideal von „Leichtigkeit und Offenheit“ zum Ausdruck, so die Architekt*innen. Ein Ansatz, den sie auch im Grundriss verfolgen. Neben zwei dezidierten Freiluftklassenzimmern gibt es entlang des Atriums weitere Zwischenzonen. Faltbare Trennwände erhöhen zudem die Anpassbarkeit der Cluster. Im Erdgeschoss fanden darüber hinaus noch quartierdienliche Programme Platz. Dazu zählen die Aula und eine Bibliothek sowie die von der Straße aus einsehbare Doppelsporthalle im Untergeschoss. Neben durchgehenden Fensterbändern besteht die Fassade der Schule aus metallisch schimmerndem Trapezblech. Als Baukosten werden auf einer Webseite der Stadt Zürich rund 49 Millionen Franken (derzeit circa 52 Millionen Euro) angegeben.
Jene Kombination aus Einfachheit und Konsequenz, die man in der räumlichen Konfiguration der Schulanlage erkennen mag, prägt auch ihre Umsetzung. Als Skelettbau ausgeführt, fanden hier industriell vorgefertigte Stützen, Träger und Decken Verwendung. Sichtbare Windverbände in der Fassadenebene sorgen für die notwendige Aussteifung. Struktur, Haustechnik und Ausbau wurden außerdem weitestgehend getrennt, was eine spätere Anpassung erleichtern dürfte. Böden aus Terrakotta-Fliesen und Parkett, hölzerne Einbauten, hell gestrichener Kalksandstein und pastellene Farbakzente sorgen darüber hinaus für eine angenehm beschwingte Nüchternheit. (sb)
Fotos: Daisuke Hirabayashi
ich vermute, dass die Turnhalle schlicht aus dem Grund eingegraben wurde, weil die Lerngeschosse sonst zu hoch gewesen wären. Im Grundriss erkennt man, dass die Einheiten gestapelt werden mussten, um Platz für die Außenanlagen zu haben. Und umgekehrt eine Turnhalle aufs Dach zu bauen bedeutet statisch und baulich deutlich mehr Aufwand, als diese zu versenken.
Der Tunnel hält es aus und muss genaugenommen jetzt weniger Last tragen als wenn das Gebäude vollständig oberirdisch errichtet worden wäre, es fehlt ja die Aushubmasse.
In meinen Augen also alles richtig gemacht. Auch ansonsten gefällt mir das Projekt sehr gut, auch wenn ihm ein bisschen mehr z.B. nüchternes Holz gut getan hätte. Ist aber Geschmackssache.
es macht schon sinn, das riesenvolumen einer ohnehin weitgehend künstlich belichteten und belüfteten turnhalle wegzubuddeln.
bei wohngebäuden eher schwierig.....
und warum sollte das den s-bahntunnel stören. dieser ist ja nicht natürlich "gewachsen" und ist dafür ausgelegt, lasten oberhalb zu tragen. das quartier ist sei jahrzehnten in der planung.
und nein: in der CH wächst das geld auch nicht auf den bäumen....
Ich finde es Materiell eher wirr, dafür räumlich großzügig. Ist noch okay und ich kann mir vorstellen das man sich dort als Schüler räumlich wohlfühlen kann. Das als minimalstandard würde im Schulbau viel helfen, zumindestens mehr als die sächsichen ADHS-Pokemonschulen die in Dt. zu oft in die Landschaft verschwendet werden.
Chapeau!