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14.08.2020

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Warteraum mit Aussicht

Passerelle in Angers von Dietmar Feichtinger Architectes


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Als Weg und zugleich Ort sollte die neue Fußgängerbrücke am Bahnhof Saint-Laud im französischen Angers dienen – und nicht nur als Verbindung zweier Punkte. Ein weiteres Mal konnte sich für eine solche Bauaufgabe das für prominente Brückenprojekte bekannte Büro Dietmar Feichtinger Architectes (Wien, Paris) in einem Wettbewerb qualifizieren. Beteiligt waren außerdem die Ingenieure des international tätigen Büros sbp schlaich bergermann partner. Das war 2015. Seit diesem Frühjahr ist das Bauwerk fertiggestellt.

Angers liegt an der TGV-Strecke von Paris nach Nantes, 300 Kilometer westlich der Hauptstadt. Der Stellenwert des Bahnhofs lässt sich anhand einzelner Bahnverbindungen veranschaulichen: 13 mal pro Tag stoppt der TGV für die eineinhalbstündige Fahrt nach Paris. In das 100 Kilometer entfernt gelegene Nantes fahren 40 Züge pro Tag.

Mit der Brücke wird zunächst mal ein 70 Meter breiter Gleiskörper überspannt, der als tiefe Schneise die Stadt teilt. Auf beiden Seiten wird deren Entwicklung vorangetrieben, Angers und die umliegende Region wächst. Der nördliche Aufgang der Brücke befindet sich zwischen einem neu errichteten Parkhaus und einem künftigen Hotel. Am Place Pierre Semard setzt die Passerelle in Angers von Dietmar Feichtinger Architectes als Treppe an. In einem eleganten Bogen führt sie zum südwestlich davon liegenden, ebenfalls neu gestalteten Place Giffard-Langevin. Hier mündet sie wiederum als Treppe sowie als flache Rampe mit Kehre.

Zwischen den beiden Auflagern ruht die Brücke auf Stützen, deren Lage bereits im Wettbewerb festgelegt war. Dass man deren Dimensionierung nicht die Last eines entgleisenden TGV ansieht – auf den sie ausgelegt sein muss –, ist auf ihre Teilung in einen Betonsockel und eine schlankere V-Stütze zurückzuführen. Auf dieser Konstruktion sitzt ein Kastenprofil aus Stahl, an das auf der Bogenaußenseite eine weit auskragende Konsole angesetzt ist. Diese trägt die Leimholzbinder, die wiederum eine Teilüberdachung stützen.

Die Brücke mit ihren 150 Metern reagiert entlang ihres Verlaufs auf die spezifischen örtlichen und räumlichen Gegebenheiten. So scheint beispielsweise der asymmetrische Querschnitt der Holzrahmen den po­ten­zi­ellen Fliehkräften der Bogenform zu unterliegen. Auch ihre Abstände variieren, woraus sich je nach Standpunkt und Blickwinkel unterschiedliche Grade räumlicher Abgeschlossenheit und differenzierte Blickbeziehungen mit der Umgebung ergeben.

Der nordwestliche Bereich verfügt außerdem über eine durchgehende Sitzbank. Mit dem Blick gen Süden wird also neben einer Aussicht über die Gleiskörper auch ein gewisser Witterungsschutz geboten. Das macht die Brücke gerade in diesen Zeiten des Abstandhaltens zu einem perfekten Aufenthalts- und Warteraum. (hn)

Fotos:
David Boureau


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Kommentare

5

Kritiker | 24.08.2020 09:47 Uhr

Regen

Das Dach ist auch eher so konstruiert, dass der Regen immer nur exakt gerade runterkommen darf, sehe ich das richtig? Bei leichtem Wind hat man als Fußgänger schon verloren. Tolles Projekt, ja, doch...

4

STPH | 18.08.2020 08:29 Uhr

...

Die Idee gerade über dem Nichts einer Schienenschneise etwas eigenes, bergendes zu veranstalten find ich originell.

3

Johann Maier | 15.08.2020 12:22 Uhr

Abenteuer auf dem Schienenstrang

assoziiert man mit diesem Materialmix aus Beton Stahl und Holz wohl nicht. Die Blechabdeckungen der Holzbinder erzeugen schon bei flüchtigem Hinsehen ein leichtes Schaudern und über die Geländerorgien in jeder Achse will man lieber nicht nachdenken.

2

XVM | 15.08.2020 00:39 Uhr

grobschlächtig

Bild 2 zeigt die Unangemessenheit

1

schlawuki | 14.08.2020 18:41 Uhr

kontext

irgendwie ist das wirklich ein komisches projekt-

unangemessen, und auch im gesamtkontext nicht wirklich schlüssig.

 
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