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15.07.2019

Der Bauch von Victor Hugo

Parkhausumbau von Taillandier Architectes in Toulouse


Man sieht es dem Gebäude nicht an, aber im Erdgeschoss liegt einer der bekanntesten Märkte von Toulouse: der Marchè Victor Hugo, der Bauch von Toulouse. Cassoulet, Ziegenmilchkäse, Felsenfisch – Fans französischer Küche finden im Inneren des schon mal als Betonmonster bezeichneten Parkhauses alles, was das Foodie-Herz begehrt. Der Entwurf des 1959 errichteten, mitten in der Altstadt gelegenen Baus stammt vom Toulouser Architekten Pierre Lafitte.

Lafittes von geometrischen Formen geprägter Entwurf sollte zum einen die Dynamik der Autos widerspiegeln – Zacken fürs Parken, Spiralformen fürs Fahren – zum anderen den Rhythmus der Fenster und Balkone umliegender Häuser aufnehmen. Diese Idee lässt sich auch heute, 60 Jahre und eine Sanierung später, noch ablesen. Verantwortlich für Umbau und Sanierung ist das französische Büro Taillandier Architects Associés in Zusammenarbeit mit Scalène Architects (beide Toulouse).

Offener, transparenter und zugänglicher sollte das 10.000 Quadratmeter große Gebäude auf Wunsch des Bauherren, der Parkhausbetreiber Indigo, werden. Zwar ist die Hauptaufgabe weiterhin die des Parkhauses, trotzdem konzentrierte sich der 1,8 Millionen Euro teure Umbau auf den Bereich des Marktes, vor allem die Eingänge und die Fassade standen im Fokus. So sollte das ursprüngliche Design von Lafitte wiederbelebt und der Ende des 20. Jahrhunderts ins Gebäude eingepfropfte Aufzug im Geiste von Lafitte wieder in das Gebäude integriert werden.

Die Eingänge – ursprünglich geräumig und mit Blick auf die Stadt, zuletzt komprimiert und ungünstig – wurden komplett umgebaut. So ist der Haupteingang jetzt als ein Volumen erkennbar, die Haupttreppe überarbeitet. Treppe und Aufzug wurden mit weißem Beton ummantelt, um die Einfachheit und Plastizität des ursprünglichen Entwurfs wiederherzustellen, wie die Architekt*innen schreiben. Ergänzt wurden vertikale Streben auf Erdgeschossebene, die tagsüber die Parkrampen verblenden und nachts, hinterleuchtet, die Einfahrt kennzeichnen.

Apropos Parken: Weil die ursprünglichen Parkplätze für die Autos der 1960er konzipiert waren, wurden die Stellplätze überarbeitet und von 670 auf 419 reduziert. Zudem hatten sich im Laufe der Zeit die Zu- und Abfahrten in Form von Zweiwegerampen mit Doppelhelixform als zu kompliziert und nicht intuitiv entpuppt, weshalb die Fahrtrichtungen umgekehrt wurden. Die südliche Zufahrt des einst ersten gebührenpflichtigen Parkplatzes und größten überdachten Marktplatzes von Toulouse wurde im Zuge dessen abgerissen und neu gebaut.

Die Ursprünge des Victor Hugo-Marktes, 1886 nach dem französischen Schriftsteller benannt, reichen weit zurück. Einst als Holzmarkt gegründet, wurde er später zum Flohmarkt und gehörte seit 1892 zu den drei Markthallen, die Toulouse mit allem Lebensnotwendigem versorgten. Victor Hugo war ihr größter und modernster. (kat)

Fotos: Roland Halbe


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