13 Ideen fürs Justizzentrum
Open-Call-Ergebnisse in München
Seit eineinhalb Jahren engagiert sich die Initiative JustizzentrumErhalten für den Erhalt des abrissgefährdeten Justizzentrums in München. Um das Potenzial des Bestands zu verdeutlichen, startete im März 2024 ein Open Call, der nach Ideen und Konzepten für die Zukunft des Gebäudes suchte. Unkonventionelles und Experimentelles war gefragt. Genau das zeigen die 13 Siegerentwürfe, die die Jury aus 121 Beiträgen in einer öffentlichen Sitzung gekürt hat.
So möchte ein Kollektiv das Justizzentrum in ein Zentrum für Wasserwesen transformieren, das sich den künftigen Herausforderungen der Wasseraufbereitung widmet. Die Vision von Schüler*innen des Wittelsbacher Gymansiums ist hingegen eine Querfinanzierung. Ein Casino soll dabei zwei andere gemeinwohlorientierte Nutzungen ermöglichen: ein öffentliches Hygiene-Center und eine Rooftopbar mit nachhaltigem Pflanzenanbau. Der humorvolle Name der Schüler*innen für ihr Konzept: Rich Robin in the Hood.
Im Fokus standen auch diverse Konzepte für demokratische Teilhabe. Das Projekt Was ihr wollt öffnet beispielsweise das gesamte Erdgeschoss, sodass sich die Münchner*innen den Raum selbst aneignen können. Das Bürger*innenrathaus kombiniert indes kulturelle und experimentelle Wohnräume mit direkter Demokratie in Form eines Bürger*innenrats.
Einige Beiträge setzten auf ungewöhnliche Darstellungen: Etwa der Entwurf Austern mit Ausblick, den die Jury als „Sphinx-Bau“ mit Bezügen zu Rem Koolhaas’ „Hommage an die Vielfalt New Yorks“ verstand. Sub.Rig setzte eher auf Understatement. Ihr selbstverwaltetes Subkulturzentrum soll mit minimalen Eingriffen umgestaltet werden, was sich auch in der Darstellung aus axonometrisch angeordneten Textblöcken spiegelt.
Am Donnerstag, 22. August 2024 werden die prämierten Arbeiten an der VerhandelBar vorgestellt. Die Verfasser*innen erläutern ihre Ideen für die Zukunft des Justizzentrums dabei in kurzen Präsentationen. Für die Sieger*innen des Open Calls stand ein Preisgeld von insgesamt 5.000 Euro zur Verfügung.
Termin: Donnerstag, 22. August 2024, 19 Uhr
Ort: VerhandelBar, Grünfläche Dachauer Straße / Sandstraße, 80335 München
Die "x Beispiele" würden mich interessieren. Dennoch der Hinweis, dass der überproportionale Anteil öffentlicher Gelder im Baugeschehen in Projekte geht, für die es weder Hochglanz- noch Buntstiftzeichnungen gibt: Schulen, Kitas, kommunaler Wohnungsbau, etc.
Und, wie bereits erwähnt: partizipative Projekte werden nicht mit Staatsknete, sondern mit Eigenkapital umgesetzt, das von ihren Teilnehmer*innen beigesteuert wird. Mir ist jedenfalls kein einziges partizipatives Bauprojekt bekannt, das auf Kosten der öffentlichen Hand umgesetzt worden ist. Vielleicht reden wir aber auch schon wieder von unterschiedlichen Dingen :)
Bspw. ihre Anmerkung mit "Prinzengärten", "Lindenhof" und co trifft halt gar nicht auf meine Aussage zu. Das sind alles Investorenprojekte, die Eigentumswohnungen an eine gewisse Klientel verkaufen, welche eher auf Status und Bling-Bling steht. Das Geld kommt aber eben auch von diesen privaten Kunden und nicht vom öffentlichen "Staat". Auch das ist zielgruppengerechtes Marketing, in dem Falle eben Luxusversprechen mittels Hochglanz. Private und öffentliche Projekte sind grundlegend unterschiedlich.
Wer öffentliches Geld für "partizipative" Projekte und ähnliches will, der wirbt eben nicht mit Hochglanz. Dafür gibt es mitlerweile x Beispiele. Das ist auch keine Hypothese meinerseits, das kann jeder selbst anhand vergangener Beispiele nochprüfen.
Ihre antwort auf diese frage ergibt überhaupt keinen sinn, sondern stellt einfach nur die verhältnisse von den füssen auf den kopf.
denn wenn es so wäre wie Sie schreiben, dann wäre es ja so, dass da draussen in der regel nicht die projekte mit den hochglanzrenderings gebaut werden, sondern die von ihnen kritisierten beiträge. allerdings reicht ein oberflächlicher blick auf die bautafeln unserer städte mit all ihren in hochglanzrenderings von "königsgärten", "lindenhöfen" und "prinzenkarrees" um festzustellen, dass das vollkommen unzutreffend ist.
und ich erkenne auch nicht, seit wann sich die strukturkonservativen trachtenjankertragenden beamten in den genehmigungsbehörden des freistaats bayern besonders stark für buntstiftzeichnungen, kindernamen und buzzwords wie partizipation begeistern. die scheinen mir gar nicht das zielpublikum der wettbewerbsinitiative "JustizzentrumErhalten" gewesen zu sein.
und diejenigen, die in der jüngeren vergangenheit projekte umgesetzt haben, die mit soclhen darstellungen daherkamen, waren auch eher genossenschaften oder baugruppen, die mit dem geld ihrer mitglieder, bank- und förderkrediten der kfw oder der geno-förderung gebaut haben. aber nicht mit staatsknete, die ihnen für ihre zeichnungen hinterhergeschmissen wurde.
irgendwie fehlt Ihrer "hypothese" echt hand und fuß.
zu guter letzt: klar kann und darf man über die einzelnen nutzungsvorschläge streiten. aber warum sollten öffentliche mittel eigentlich nicht in einen öffentlichen bau investiert werden, der einer nutzung zugeführt wird, die sich an die öffentlichkeit richtet bzw. für das gemeinwesen von relevanz und bedeutung ist? verstehe ich irgendwie nicht. wenn das nicht der fall wäre, dann gäbe es ja wesentliche bestandteile unserer gebauten umwelt nicht...
Zahlen soll der Steuerzahler, ähh, der Staat. Und wer wird die Mittel für solche "Kultur"paläste bewilligen bzw. die Entscheidungen maßgeblich beeinflussen? Sachbearbeiter in Behörden, Verwalter in oft altbackenen Büros. Wie sehen Bürgerämter, Behörden etc in Deutschland aus? ...
Zielgruppen gerechtes Marketing nennt man das. Mit Buntstiftzeichnungen und Kindernamen, Worthülsen wie "partizipativ" und co. lässt sich die benötigte Geldsumme vom Staat natürlich besser eintreiben als mit Hochglanzrenderings. Und im Ernst, es ist doch auch so viel sympathischer, wenn "Max und Marie" das Gebäude planen, und nicht die "Architekten XY Aktiengesellschaft".
Marketing bereits durchgespielt, auf's Steuergeld einwerben spezialisiert. Nichts mehr.
Es ist in der Tat bedauerlich zu sehen, wie diese gesammelten Begrifflichkeiten "offen, bunt, partizipativ, gemeinschaftlich, etc. " fast schon als "Bullshit-Bingo" bei allen möglichen Projekten (nur noch) als Slogan benutzt und auf jede x-beliebige Aufgabe ge-mappt werden. Ähnlich verhält es sich mit der Art der Darstellung - alles sehr hip und illustrativ, leider nur recht leer, was die Aussage, den Inhalt der Bilder anbelangt.
Schade ist, dass die Themen ja grundsätzlich richtig angesprochen sind, nur bleibt die tatsächliche Strategie der einzelnen Konzepte, die auch in der Realität Anwendung finden kann, außen vor (zumindest findet sich hier kein Hinweis darauf). Mir fehlt damit der wesentliche Inhalt.
Ich hoffe daher, dass die Ausstellung mehr zu bieten hat als die hier abgebildeten Zeichnungen.
Die "Sorgende Stadt" bspw. sieht sehr vielversprechend aus - zumindest in der Hinsicht, dass eine tiefe Auseinandersetzung mit Akteuren und Prozessen stattgefunden hat.
Nichtsdestotrotz: Weitermachen und nicht vor den pragmatischen Turborendite-Projektentwicklungsfirmen einknicken!