Ideen für die Zukunft des Justizzentrums
Open Call in München
Mit tanzenden Eisbären und dem Slogan „AbbrechenAbbrechen“ erntet die Initiative JustizzentrumErhalten seit über einem Jahr bereits viel Aufmerksamkeit. Nun ist die ganze Stadtgesellschaft gefragt, sich kreativ in die umbaukulturelle Debatte einzubringen. „Gesucht werden Ideen und Visionen für die Zukunft des Bestandsgebäudes,“ schreibt die Ausloberin, die sich selbst als Gruppe von Stadtmacher*innen aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Urbanistik bezeichnet.
Gemeint ist das Strafjustizzentrum des Landgerichts München I in der Nymphenburger Straße, ein brutalistischer Bau, der ab kommendem Jahr ausgedient hat. Mit dem Umzug in einen neu errichteten Großkomplex am Leonrodplatz ist auch die ursprüngliche Nutzung auf dem innerstädtischen Areal passé. Fest steht jetzt schon, dass der Freistaat Bayern als Eigentümer auf dem 17.500 Quadratmeter großen Grundstück bezahlbaren Wohnungsbau realisieren will. Die staatlichen Wohnungsbaugesellschaften leiteten im vergangenen Jahr die baurechtliche Klärung mit der Stadt ein.
Wie es in einer zugehörigen Pressemeldung des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr vom März 2023 hieß, – nur wenige Wochen nach den ersten großen Aktionen gegen die ursprüngliche Absicht, den Komplex abzureißen – „soll auch ergebnisoffen geprüft werden, ob eine Umnutzung im Bestand möglich ist.“ Dies gilt seither als Hoffnungsschimmer.
Kreativen Input für die Variante des Erhalts wird es nun bestimmt zuhauf geben. Denn am heutigen Montag, 8. April 2024 startet der Open Call zur Zukunft des Justizzentrums. In der Auslobung heißt es: „Die bisher unbekannten Potentiale sollen in Form von starken Bildern zum Vorschein kommen. Neuartiges, Anderes, Unkonventionelles, Mutiges und Experimentelles von der Handzeichnung bis zur Videoarbeit“ seien gefragt.
Im Juli werden nach einer öffentlichen Preisgerichtssitzung einer interdisziplinär besetzten Fachjury die Ergebnisse präsentiert, 5.000 Euro teilen sich die besten Ideen. Unterstützt wird das Verfahren von den lokalen Bezirksausschüssen und diversen Stiftungen. Die Ergebnisse einer Diskussionsveranstaltung mit der Nachbarschaft vom Herbst 2023 fließen in die Aufgabenstellung des Open Calls ein, die ab sofort auf der Aktionswebsite abrufbar ist. (sab)
Fotos: Fritz Bielmeier
Die Initiative verweist in ihrem Auftritt auch auf weitere Aktionen gegen den Abriss, über die wir im BauNetz berichtet haben, darunter der BR-Studiobau München, an.ders Urania Berlin und das Justizzentrum Köln, die Aktion ufo ufo Berlin, das Rechenzemtrum Potsdam sowie der Abriss-Atlas und das Abrissmoratorium.
Meint ihr nicht auch?
"um Münchner Planungsbüros einen spannenden und inspirierenden Wirkraum zu Verfügung zu stellen." sie sind wirklich lustig. die öffentliche hand finanziert das dann als "kulturbeitrag" damit so spassvögel wie @3 seine beschriebenen umsonst-wettbewerbe machen kann. ihr seid lustig, ihr bayern
5.000 Euro Preissumme, welche auf mehrere Einreichungen aufgeteilt wird, hinzu kommt ein reiner Ideenwettbewerb, der niemals eine Umsetzung zu Folge haben wird. Klar wird es einen kleinen Pressespiegel geben, aber diesen könnte man auch ohne Wettbewerb erreichen. Liebe Kolleginnen: Wir sind leider keine Studentinnen mehr. (Gerade als ArchitektInnen solltet ihr wissen, dass unsere Bedingungen schwierig sind) Gehen wir von den üblichen 50 Einreichungen aus und 5 Preisträgern, wird die Summe mit der geleisteten Arbeit überschaubar sein und nicht annähernd gerechtfertigt für den Zeitaufwand. Zudem sind hier noch nicht einmal Grundlagen (DWG/PDF) oder ähnliches gegeben. Ein Blick in die Bibliothek oder die LBK wären von Vorteil gewesen. - Oder gar eine Einsicht in die Jury, wer sind die Entscheidungsträger für ein "gutes" oder "schlechtes" Projekt?
Das Justizzentrum liegt hervorragend mit ÖPNV erschlossen, neben dem Löwenbräu und fußläufig zum Königsplatz, Maßmannpark und Hauptbahnhof. Also, wenn das auch nur ansatzweise bezahlbar wird, könnte ich mir gut vorstellen, unser Büro dorthin zu verlegen ...