Balearisches Modell prämiert
OBEL Award 2026 verliehen
Der OBEL Award 2026 geht an das Modelo Balear de Vivienda Pública Social (Balearisches Modell für sozialen Wohnungsbau). Das Jahresthema des Awards lautete „Systems’ Hack“ und widmete sich der Frage, wie Architektur bestehende, nicht mehr funktionierende Systeme – etwa im Wohnungsbau, in der Infrastruktur oder Verwaltung – von innen heraus verändern und neu denken kann.
Das Balearische Forschungs- und Bauprogramm treffe den Kern des diesjährigen Mottos: „Das Bemerkenswerte am Balearischen Modell ist, dass sich innovative Architektur nicht nur in Entwurf und Materialwahl finden lässt, sondern auch in Vergabe, Politik und Prozessen“, so Nathalie de Vries, Juryvorsitzende des OBEL Award und Gründungspartnerin von MVRDV. Das Modell zeige, dass öffentliche Verwaltung selbst zu einem Motor für Veränderung werden könne.
Spanien gilt schon seit Längerem als vorbildlich im sozialen Wohnungsbau. Auf den Balearen hat sich dabei ein eigenständiger Ansatz entwickelt, bei dem bevorzugt regionale Materialien und traditionelle Bautechniken zum Einsatz kommen, neue Formen der öffentlichen Vergabe erprobt werden und auf eine langfristige öffentliche Bewirtschaftung gesetzt wird. Entwickelt haben das Modelo Balear de Vivienda Pública zwischen 2019 und 2023 Ökonomin Cris Ballester und Architekt Carles Oliver aus ihrer Arbeit beim Balearischen Institut für Wohnungsbau IBAVI (Instituto Balear de la Vivienda) heraus. Ballester leitete das IBAVI von 2019 bis 2022, Oliver leitete von 2019 bis 2023 die technische Abteilung.
Der OBEL Award wird seit 2019 jährlich von der dänischen Henrik Frode Obel Foundation vergeben. Der Preis zeichnet Projekte, Ideen und Akteure aus, die zeigen, wie Architektur gesellschaftliche und ökologische Veränderungen anstoßen kann. Zu den bisherigen Preisträger*innen zählen Junya Ishigami, Anna Heringer, Carlos Moreno, Seratech und SCAPE/Kate Orff. 2025 ging der Preis an HouseEurope!.
Zur diesjährigen Jury gehörten neben Nathalie de Vries auch Sumayya Vally (Counterspace), Aric Chen (Zaha Hadid Foundation), Anne Marie Galmstrup (Galmstrup Architects), und Manuel Aires Mateus (Aires Mateus Architects). Das Preisgeld von 100.000 Euro wollen Ballester und Oliver in das Balearische Modell investieren. Oliver verzichte ferner auf seinen persönlichen Anteil zugunsten von Initiativen für Notunterkünfte auf den Balearen, heißt es in der Pressemitteilung.
Im Frühjahr 2027 plant die Jury, einen weiteren Award unter demselben Jahresschwerpunkt zu vergeben. Die Jury begründet die Verlängerung der diesjährigen Runde damit, dass die Fragen von „Systems’ Hack“ angesichts der aktuellen wirtschaftlichen, politischen und klimatischen Herausforderungen nicht in einem einzigen Preiszyklus behandelt werden könnten. (dsm)
Mehr zu den balearischen Wohnexperimenten in BauNetz WOCHE#651