Buchtipp: Einmal mit alles
New York 2020. Architecture and Urbanism at the Beginning of a New Century
New York City hat in architektonischer Hinsicht schon viele Maßstäbe gesetzt. Und so definieren auch Robert A.M. Stern (der im Dezember verstarb), David Fishman und Jacob Tilove mit New York 2020. Architecture and Urbanism at the Beginning of a New Century Maßstäbe in der Architekturpublizistik. Denn anstatt eine subjektive Auswahl zu treffen, greifen sie sämtliche Bauprojekte der Megacity der letzten 25 Jahre auf – kein kleines Unterfangen, sondern ein durchaus ambitioniertes Projekt.
Das Ergebnis ist deshalb auch kein schmales Büchlein, sondern ein voluminöses Nachschlagewerk – eine Enzyklopädie der zeitgenössischen Architektur New Yorks. Mit seinen fast 1.500 Seiten und mehr als 2.000 Fotos wiegt das Buch etwa 4,7 Kilogramm und liefert eine umfassende Dokumentation des New Yorker Baugeschehens der letzten Dekaden.
Sicher sind in den letzten Jahren einzelne Projekte aus New York weltweit publiziert worden und die Liste der Architekturstars, die in New York gebaut haben, ist lang – von Frank Gehry und Diller Scofidio + Renfro (deren Büro in New York ist) bis zu BIG und Herzog & de Meuron. Der bestechende Vorteil von New York 2020 ist die Vollständigkeit, denn das Buch geht weit über die bekannten Namen und ihre Projekte hinaus, konzentriert sich auf einzelne Viertel und Nachbarschaften sowie ihre Entwicklung in den letzten Jahrzehnten.
Nie ausgeführte Pläne wie Rudy Giulianis Vision für die Olympischen Spiele 2012 oder Stadtbegrünungsprojekte wie PlaNYC sind ebenso zu finden wie einzelne Sanierungen, Townhouses oder soziale Wohnungsbauten. Die Kapitel sind nach Stadtvierteln sortiert, von der Bronx bis nach Staten Island und von den Brooklyn Navy Yards bis zum Kaufman Arts District in Queens. Das World Trade Center macht den Anfang. Denn die Gebäude am Ground Zero sind auch ein Signal für eine neue Ära der Architektur nach 9/11.
Die Texte greifen den politischen und sozialen Kontext einzelner Bauvorhaben auf, gehen kritisch auf Planungen ein und fassen Projekte zu einem guten Überblick zusammen, der oft systematische Schwerpunkte setzt – etwa Gesundheitsbauten, die nach Covid an der Upper Eastside entstanden, die Bauten des City College in Harlem und viele mehr.
Wer diesen Band in den Händen hat und sich in seine Texte und Fotos vertieft, dem fällt sehr schnell auf, dass New York mehr spannende Architektur zu bieten hat als einzelne international bekannte Leuchtturmprojekte. Und wer glaubt, die Architektur der Metropole hätte ihre Strahlkraft in den vergangenen Dekaden verloren, wird hier eines Besseren belehrt.
New York 2020. Architecture and Urbanism at the Beginning of a New Century ist als letzter Band der enzyklopädischen Reihe zur Architektur der Stadt erschienen, die Stern vor vierzig Jahren begann. Schade eigentlich, dass dieses publizistische Abenteuer nun ein Ende hat! Denn auch seit 2020 hat sich viel getan, die nächsten Kapitel sind bereits angelegt. Das New Museum zum Beispiel eröffnete gerade seinen großen Erweiterungsbau, mit der das Hauptgebäude von Sanaa ein Pendent von OMA erhält. Auch wenn die Dichte in New York so groß ist wie kaum anderswo, die Stadt befindet sich permanent im Wandel. Wer wirklich wissen will, was sich in den letzten Jahrzehnten dort getan hat, darf dieses Buch nicht verpassen.
Text: Sandra Hofmeister
New York 2020. Architecture and Urbanism at the Beginning of a New Century
Robert A.M. Stern, David Fishman und Jacob Tilove
Englisch
1488 Seiten
Monacelli Press, New York 2025
ISBN 978-1-58093-6941
125 Euro
Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Textes, der ursprünglich auf der von Sandra Hofmeister im letzten Jahr gestarteten Webseite castello books erschienen ist.




