Institution der afrikanischen Diaspora
Studio Museum Harlem in New York City von Adjaye Associates
Das 1968 gegründete Studio Museum Harlem in New York City ist eine Institution für die Werke schwarzer Künstler*innen der afrikanischen Diaspora, deren Förderung und das Verständnis davon. Ähnlich wie bei den Umbauten für Whitney oder MoMA will das Haus offener und zugänglicher werden und präsentiert sich zudem als Produktions- und Bildungsort – näher an Community, Stadtteil und Gegenwartskunst. Dieses Selbstverständnis übersetzten Adjaye Associates (Accra/London/ New York) in einen Entwurf, der vom lokalen Büro Cooper Robertson (inzwischen in Corgan umbenannt) im Rahmen einer Public-Private-Partnership mit der Stadt New York umgesetzt wurde. Ende 2025 eröffnete der Neubau.
Bis in die frühen 1980er Jahre war das Studio Museum Harlem in einem Mietloft über einem Spirituosenladen an der Fifth Avenue untergebracht, später in einem ehemaligen Bankgebäude an der 144 West 125th Street, das man für den Neubau abreißen ließ. Die Abrisslücke füllt nun ein Volumen aus gestapelten, unterschiedlich großen Baukörpern. Die Fassade aus dunklen vorgefertigten Betonelementen will Bezug nehmen auf die Materialität der umliegenden Bebauung. Rahmen und Nischen gliedern die Hülle mit Verweis auf die Dynamik des Straßenraums und ermöglichen Präsentationsflächen, die auch vom öffentlichen Raum aus sichtbar sind.
Das Gebäude organisiert sich mit 7.600 Quadratmetern Nutzungsfläche über fünf Geschosse, darunter zwei doppelgeschossige Ebenen. Im Vergleich zum Altbau wurden die Ausstellungsflächen um rund 50 Prozent erweitert, die öffentlich zugänglichen Bereiche um knapp 60 Prozent. Herzstück ist ein großzügiges Foyer, das sich über Erd- und Untergeschoss erstreckt. Es dient als Treffpunkt, Sitzlandschaft und Veranstaltungsraum und soll an die Eingangstreppen der Häuser von Harlem erinnern, die einen wichtigen Ort des gesellschaftlichen Lebens bilden. Shop, Projektraum und Café unterstreichen die Funktion des Hauses über die Präsentation von Kunst hinaus als kultureller Inkubator – für Harlem, für New York und für die internationale zeitgenössische Kunstszene.
Die Ausstellungsräume im zweiten und dritten Obergeschoss bieten flexibel nutzbare Galerien und ermöglichen auch großformatige Veranstaltungen. Eine Galerie mit Tonnengewölbe verweist auf die Kirchen und ihre Rolle in der sozialen wie politischen Organisation der Afroamerikaner*innen. Bildungsräume, Kunstateliers sowie ein Artist-in-Residence-Bereich verdeutlichen zudem den Fokus auf Produktion und Vermittlung. Eine skulpturale Treppe aus Terrazzo verbindet die Ebenen bis zur öffentlich zugänglichen Dachterrasse mit Blick über Harlem und Manhattan. Dort wird am 21. März die nächste Museumseröffnung der Stadt gefeiert: die Erweiterung nach Plänen von OMA (Rotterdam/New York) für das New Museum von SANAA (Tokio) in der Lower East Side. (fm)
Fotos: Dror Baldinger
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Adjaye Associates
- Ausführungsplanung:
- Cooper Robertson (jetzt Corgan)
- Fläche:
- 7.600 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 136.400.000 €
studiomuseum.org
2023 beschuldigten drei seiner Angestellten David Adjaye der sexuellen Belästigung, die der Architekt stets bestritt. Mehr dazu im Beitrag über den Neubau für das Princeton University Art Museum.
Und zu dem Beitrag von Herrn Heidenreich: aber natürlich sind Solitäre und Kontrast berechtigt, aber doch nicht in diesem Fall. Genau darüber diskutieren wir doch, über die Angemessenheit eines Neubaus genau an diesem speziellen heterogenen Ort. Und natürlich gibt es 1000 Lösungen für diesen Ort und nicht die eine richtige, sondern bessere oder schlechtere Antworten auf den Genius Loci. Das Thema Genius Loci ist jedes Mal eine neue neue Herausforderung, es gibt da sicherlich keinen Grundsatz in der jeweiligen Entwurfsantwort, das macht Architektur und eine solche, wichtige Architeurdebatte ja gerade so lebendig. Es muss einfach die unterschwellige viel zu oberflächliche konservativ-progressiv Debatte dabei bloßgestellt werden, das bringt uns nicht weiter. Es geht nicht um die Gesinnung Traditionalismus versus Modernismus, sondern die jeweils passenderen Lösungen. Das sollte uns interessieren, nicht ob etwas gerade im Moment hip oder witzig erscheint, sondern uns auch morgen als unbefangenen Betrachter noch erfreuen könnte. Die leisen Lösungen sind nicht immer die mutloseren. Einfach "höfliche" Architeur muss nicht per se gleich schlechter sein, oder könnte ich das noch umschreiben.? Es freut mich, dass hier bezeichnenderweise so viele Kommentare kommen, weil das Thema Einfügung und Genius Loci eigentlich das Schlüsselthema der Architektur ist, wenn wir von echter (nämlich auch optischer!) Nachhaltigkeit sprechen und nicht nur über die zweifellos wichtige Mülltrennung (Cradle to Cradle) im Zusammenhang mit einer rein modischen Wegwerf"architektur reden, wie es gerade der Fall ist. Guter Genius Loci hat viel mit echter ganzheitlicher - und nicht nur technischer - Nachhaltigkeit zu tun, das können wir aus der Architekturgeschichte wunderbar lernen. Also mutiger Entwurf, falscher Ort, bleibe dabei, schönen Abend allerseits!
Der "modernen" Architektur fällt zunehmend nichts mehr ein. Auch der Kontrast funktioniert ja nur dort, wo etwas da ist, von dem man sich abheben kann. Ohne (von Norden geschaut) die verbliebenen Reste des Nachbarn links und (von Süden) ebenfalls links ist der Neubau beliebig und wirkt auch irgendwie eigenartig skizzenhaft, schnell mit SketchUp extrudiert. Die Fassade ist lieblos, und der Target schräg gegenüber steht ihr im Wert kaum nach. Bei Streetview gibt es noch einen Spot vor Apollo Beauty, wo man überprüfen kann, ob einem ohne das Museum etwas fehlen würde. Es würde nicht weiter schmerzlich auffallen. Hingegen fehlt mir der Chippendale-Aufsatz beim Nachbarn - einfach abrasiert, schade. Um im Geviert zu bleiben: Sowohl das Church of Christ Gebäude und der Adam Clayton Powell Jr. Turm sind genauso Autisten und leisten keinen Beitrag zum Stadtraum, allenfalls den trostlosen Vorplatz. Ertappe mich manchmal dabei einen Grundformenkanon herbeiwünschend, wie Anfang vorletzter Jahrhundertwende noch üblich, bei dem wir mediokren Architekten schlicht weniger falsch machen würden.
Die Form spiegelt aus meiner Sicht leider nur das New Museum in NY oder auch einfach nur Klaus Kirstens Rotaprint "Türme" (von vor 70 Jahren...).
Wer sich aber mal die Mühe macht, und per Streetview oder noch besser in 3D einen Blick auf die Umgebung zu werfen sieht: drum herum ist es noch arger als die Bilder vermitteln. Hochhäuser (auch direkt gegenüber, doppelt so hoch auf einer weitläufigen Beton"Vorplatz"-Fläche), weitere gleichhohe Solitäre in der direkten Umgebung, zu beiden Seiten des Straßenzuges eingeschossige Laden(?)gebäude, neu-alt-indiejahregkommen, etc... das Stadtbild disparat zu nennen, wäre m.M. nur eine vorsichtige Umschreibung, wenn es darum geht, sich hier einfügen zu wollen. In meinen Augen ist der Neubau mindestens eine Aufwertung des Stadtbildes, hat eine in der Umgebung sonst nicht vorhandene (moderne) Qualität. Mir gefällt die Fassadenstrukturierung (die Lichtflächen verstärken diese natürlich); innen es mir, teilweise, zu viel von vielem, zu überdesigned.