Die Rückseite als Visitenkarte
Museumserweiterung in Leiden von HCVA
Das Museum De Lakenhal ist seit 1874 das stadthistorische Museum von Leiden, gelegen in Südholland zwischen Amsterdam und Den Haag. Der etwas seltsame Name stammt von dem Gebäude, in dem es beheimatet ist: Die „Laken-Halle“, errichtet 1641 nach Entwürfen des Stadtarchitekten Arent van s’Gravesande, verkörpert als zentraler Handelsplatz für alle Arten von Stoffen den Stolz der Stadt. Händler kamen per Boot über die Oude Singel vor den Pforten des Gebäudes an, luden ihre Waren im großen Vorhof des palastartigen Hauses mit seinen Säulenarkaden aus, bevor sie, nach einer eingehenden Qualitätskontrolle, in die anderen Räume und Säle der Laken-Halle weiterverteilt wurden.
Als Museum erfuhr De Lakenhal bereits zweimal eine erhebliche Vergrößerung: 1890 mit dem Harteveltzaal und 1921 mit dem Papevleugel. Darüber hinaus ist das Konglomerat immer wieder umgebaut worden. Es entstanden nahezu labyrinthartige Gänge, die die Besucher auf stets neuen Irrwegen durch die verschiedenen Gebäudeteile schickten. So war es das primäre Ziel des Architekturwettbewerbs 2013, alles zu vereinfachen, die Gebäude zu modernisieren und auf einem rückwärtigen Grundstück zum historischen Lammermarkt eine neue Anlieferung und einen gut organisierten Mitarbeiterbereich zu schaffen. Gewinnen konnten den Wettbewerb das Büro Happel Cornelisse Verhoeven Architecten aus Rotterdam, die schon im Wettbewerb mit den Sanierungsexperten von Julian Harrap (London) kooperierten. Das Büro Harrap kennt sich mit kompliziert verwachsenen Gebäuden aus, sie waren auch beim Neuen Museum in Berlin und beim Sir John Soane’s Museum in London beteiligt.
Ihr gemeinsamer Entwurf kann auf einen Nenner gebracht werden: Vereinfachung. Alles, was die Orientierung und Wegeführung im Inneren behinderte, wurde entfernt. So wurde der Innenhof hinter dem historischen Hauptgebäude, der Achterplaats, wieder zu einem großen Raum und mit einer neuen Überdachung zum zentralen Knotenpunkt. Besucher betreten das Haus wie zuvor durch die Mauerpforte an der Oude Singel und gehen über den Vorhof geradeaus ins Vestibül des Hauptgebäudes. Hier befinden sich nun der Museumsladen, die Kassen- und Garderobenbereiche. Der Weg führt dann auf den Achterplaats und von hier wahlweise in die verschiedenen Gebäudeteile: ins prächtige Obergeschoss, zum Harteveltzaal, zum Papevleugel oder in den neuesten Zuwachs, das Van-Steijn-Gebäude von Happel Cornelisse Verhoeven. Im Innenhof sind die vier sehr unterschiedlichen Flügel mit ihren Fassaden erkennbar, was die Orientierung erleichtert. Ansonsten galt für die gesamte Herangehensweise, die Spuren aus 375 Jahren Baugeschichte soweit wie möglich zu erhalten und sichtbar zu belassen. Neue Elemente sind klar als solche erkennbar, während restaurierte und originale Teile anhand verfügbarer Unterlagen detailgetreu nachgebildet wurden.
Im Westen haben die Architekten dem Museum mit dem Van-Stijn-Gebouw seinen nun vierten Teil angefügt. „Dieses neue Gebäude präsentiert sich – wie auch die älteren Teile des Museums – als erkennbare, eigene Einheit“, schreiben HCV. „Es ist das neue, backsteinerne Kind in der Lakenhal-Familie.“ Der Trakt erstreckt sich schmal und hoch entlang der Westseite des Vorhofs. Hier liegt das neue Museums-Café, das auch separat von außen betreten werden kann. Im Mittelteil befinden sich ein Treppenhaus und die neue Toilettenanlage. Neben dem Harteveltzaal verbreitert sich der Neubau schrittweise zu zwei neuen Ausstellungsräumen, die mit einem großen Rundbogen-Fenster zum Lammermarkt enden. Dieser Rundbogen bildet ein durch alle Epochen wiederkehrendes Element, das am Fenster zum Lammermarkt seine deutlich modernste Ausprägung findet.
Hier findet der ansonsten unauffällige Neubau seinen Höhepunkt mit einer spektakulär aufragenden, hellen Backsteinfassade, aus der sich vier Erker falten. Die Aluminumrahmen der bündig in der Fassade sitzenden Fenster wurden „perlenfarben“ pulverbeschichtet, um mit den gelben Steinen einen möglichst homogenen Farbeindruck entstehen zu lassen. Über der Ausstellungshalle liegen die Büros, das Archiv und die Bibliothek. Museumsbesucher finden hier trotz der beeindruckenden Fassade keinen Einlass. Es ist die Rückseite des Museums, Anlieferungszone und Mitarbeitereingang.
„Wir haben uns an der Morphologie der großen Textilfabriken orientiert, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts um den Lammermarkt standen“, sagt Floris Cornelisse. „Das waren pragmatische Backsteingebäude, aber mit einer stolzen Präsenz und feinen Details. Man könnte sogar sagen, dass das eine architecture parlante war, die mit den Mustern der Ziegelsteine auf die gewebten Strukturen der Stoffe verweisen wollte.“
Im Augenblick überragt der Neubau die Nachbargebäude am Lammermarkt deutlich. Das wird sich aber bald durch weitere Neubauten rund um den historischen Platz bald ändern. Die Erweiterung von Happel Cornelisse Verhoeven bezieht sich also auf die Vergangenheit genauso wie auf die Zukunft des Ortes. Die Bauzeit betrug gerade mal zweieinhalb Jahre, die feierliche Wiedereröffnung fand im Juni 2019 statt. Die Baukosten werden mit 16 Millionen Euro angegeben. (fh)
Fotos: Karin Borghouts
Ich denke: ja. Mit der Einschränkung, dass man im HInterkopf haben sollte, dass die Bilder das Gebäude entsprechend im besten Licht erschienen lassen, die schlechten Stellen ausblenden oder sogar überarbeitet wurden. Wie oft habe ich schon herbe Enttäuschungen erlebt, wenn ich ein gebäude nur von Fotos kannte. Die Enttäuschungen gehen dabei über die ganze Breite, von Corbusier bis Jürgen Mayer H -
ich glaube aber auch, dass man mit diesem einwand i Hinterkopf durchaus Rückschlüsse vom Foto zum echten Gebäude haben kann. Und hier sehe ich ein Projekt, das so stark ist, dass es vor Ort auch noch ein paar schlechte Ecken und Details wohl aushalten würde.... zB wäre ich gespannt, ob der Innenhof wirklich so frei und schön ist, wie hier gezeigt, oder ob er inzwischen voller Tresen, Postkartenständer, Infosäulen, Werbemateralien ist.
Aber ein mords-lustiger verschwörungstheoretiker
die Begründung (wenn man das bei Geschmack kann oder muss...) ist doch recht klar beschrieben:
Die Proportion der Rückseite ist eigenartig.
Das hat auch nichts mit Lehren vom goldenen Schnitt oder solchen Theorien zu tun, sieht einfach falsch aus.
Finde ich.