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09.09.2022

Karthago in Qinhuangdao

Museum von Wutopia Lab


Der Küstenort Beidaihe liegt etwa zwei Bahnstunden nordöstlich von Peking. Die beliebten Sandstrände sind dafür bekannt, dass sie sich einmal im Jahr zum Badeparadies für die Mitglieder der Kommunistischen Partei verwandeln. Die Politiker*innen kommen hier nicht nur zum Entspannen, sondern auch zum Planen zusammen. Dazu passt auf fast schon zynische Weise der Name eines Entwicklungsareals unweit des Strands, das sich „Seatopia“ nennt. Hier wurde kürzlich das Monologue Art Museum fertiggestellt. Ähnlich dem von Neri&Hu (Shanghai) entworfenen Kunstmuseum in Beidaihe, dürfte es sich auch bei dem von der Sino-Ocean Group Holding beauftragten Bau um eine mehr oder weniger private Einrichtung handeln, die nur wenigen Menschen vorbehalten bleibt.

Um ihren Entwurf zu erläutern, greifen Wutopia Lab (Shanghai) tief in die Kiste der antiken Mythologie: Den Entwurfsprozess vergleichen sie mit der Entstehung Karthagos, das laut Legende von der Königin Dido geschaffen worden sein soll. Man versprach ihr so viel Land, wie sie mit einer Kuhhaut umspannen könne. Daraufhin schnitt sie die Haut in dünne Streifen und legte so die Umrisse der Stadt fest.

In Anlehnung an diese Legende entwarfen Wutopia Lab ein mehrteiliges Ensemble über dreieckigem Grundriss. Die Räume verteilen sich auf vier Baukörper mit rechteckigen, runden, ovalen und mäanderndem Grundriss. In der Mitte erstreckt sich über die gesamte Fläche ein flaches, dunkles Wasserbecken. Aus der Luftperspektive weckt das schneckenförmig angelegte Becken Assoziationen mit dem Yin-Yang-Symbol.

Auch das Raumprogramm wird von Wutopia Lab mit viel Liebe zur Lyrik beschrieben: Wie eine Schriftrolle entfalte sich das Museum, heißt es. In der Tat verrät der Grundriss, dass das Haus aus einer klaren Folge an Räumen besteht, die im besten Fall linear durchwandert werden. Die Szenerie beginnt im Eingangsbereich mit dem ovalen Theater, dessen Form und steinerne Sitzreihen an ein antikes Amphitheater erinnern. Danach kommt man an dem zylinderförmigen Yogaraum vorbei, der sich mit wechselnden Farbtönen bespielen lässt. Man erreicht dann den langen Galeriebereich, um schließlich – vorbei an einem Teeraum – über einen enger werdenden Korridor in das Tanzstudio zu gelangen.

In Sachen Poesie und Dramaturgie kennen sich Wutopia Lab übrigens aus: Auch die Räume eines Buchladens in Shanghai, für den eine Kirche umgebaut wurde, besitzen diesen gewissen Hauch von Dramatik. (dsm)

Fotos: Seven W, CreatAR Images


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