Fünfeck um Kreis
Privates Kunstzentrum von Neri & Hu in China
Beidaihe ist einer der bekanntesten Badeorte Chinas. Er liegt etwa 300 Kilometer östlich von Peking an der Bohaiküste des Gelben Meeres und gehört zur Millionenstadt Qinhuangdao. Insbesondere südlich von Beidaihe gibt es lange Sandstrände am Wattenmeer, die in den letzten Jahrzehnten mit exklusiven Ferien- und hochpreisigen Wohnsiedlungen erschlossen wurden. Die meist privaten Investoren schmücken ihre Siedlungen gerne mit einzelnen Kulturbauten wie Museen, Bibliotheken, Kunstzentren oder Hochzeitskapellen. So entstand auch das Aranya Art Center von Neri & Hu Architects (Shanghai) in der „Golden Coast Community“ – Aranya ist dabei schlicht der Name der entwickelnden Immobilienfirma. Die hat zugesagt hat, auch dauerhaft für den Betrieb des Kunstzentrums aufzukommen.
Das Gebäude steht auf einem etwa fünfeckigen Grundstück im Zentrum der neuen Siedlung. Die Nachbarbauten – unter anderem ein kleines Kino mit hohem Turm – sind zum Teil in einem historisierenden Kolonialstil gehalten. Das Projekt von Rosanna Hu und Lyndon Neri setzt hierzu einen eindeutig zeitgenössischen Akzent. Hinter einer modernen Fassade konzipieren sie in der Mitte ihres Entwurfs einen kreisrunden Raum. Der öffnet sich konisch zum Himmel und ist wie ein Amphitheater von Sitzreihen umringt. „Dieser Raum soll vielfältig genutzt werden“, schreiben sie. „Er lässt sich mit Wasser füllen oder für Aufführungen, Versammlungen oder Vorträge gebrauchen.“ Der Innenhof kann unabhängig vom restlichen Gebäude zur Straße geöffnet werden und steht den Bewohner*innen der Golden Coast Community damit auch unabhängig vom Kunstgenuss zur Verfügung.
Um diesen zentralen Hof ordnen sich fünf Ausstellungsbereiche auf drei Geschossen mit insgesamt 1.500 Quadratmetern Nutzfläche. Die Räume öffnen sich mal zum Hof und mal nach außen, die meisten aber bleiben introvertiert verschlossen. Um den Hof führt eine lange, gewundene Rampe als Spirale in die Höhe und verbindet die Räume, was natürlich an Frank Lloyd Wrights Guggenheim-Museum in New York denken lässt. Der Weg durchs Haus beginnt im Erdgeschoss beim Café und endet auf einer Dachterrasse. Jeder Raum im Haus ist direkt mit dieser Rampe verbunden, so Neri & Hu.
Von außen ist von diesem „Kreisverkehr“ jedoch nichts zu erahnen. Hier gibt sich das Gebäude als schroffer Monolith aus dunkelgrauen Betonelementen, deren engmaschiges Raster hier und dort gezielt von kastenartigen Fensteröffnungen unterbrochen wird. Manche der facettierten Betonsteine sind außerdem verglast, womit sich zumindest nach Einbruch der Dunkelheit das Innenleben abzeichnet. Die Fassade soll dem Haus nach Wunsch der Architekt*innen ein mysteriöses Äußeres geben und ein vielfältiges Spiel aus Licht und Schatten erzeugen. Dadurch könne es positive Aufmerksamkeit erregen und gleichzeitig „absichtlich introvertiert“ sein. (fh)
Fotos: Pedro Pegenaute
@Lars Guggenheim hat andere Maßstab, hier dieses Gebäude ist nur 1200 qm. die beide kann man nicht einfach vergleichen. Fünfeck ist aber mit der Umgebung u. Funktion zu tun.... @peterchen Composed primarily of various textured concretes, with and without aggregate, the façade and materiality of the building is heavy in nature, like a solid rock sitting firmly in the shifting environment. so~ Beton~
das sieht wie gesagt zunächst einmal alles sehr gut aus, auch klein-italien ringsum ist doch nicht schlecht. ich würde es nur gern mal anfassen. kann halt sein, dass das alles aus plastik und ähnlichen dünnen, wenig langlebigen materialien gebaut ist - das wäre in china ja nicht das erste mal.
aber klein-rom aussenrum ist ja schon furchtbar.