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23.02.2022

Die Zukunft hat ein Loch

Museum in Dubai von Killa Design


Doch, doch. Wir haben es geprüft: Dieses Gebäude gibt es tatsächlich. Auch wenn die offensichtlich stark überarbeiteten Fotos, die die Presseagentur versendete, mit allen Sonnenuntergängen, Nebelfeldern, Lichteffekten und aalglatten Oberflächen wie gerendert aussehen: Das Museum of the Future ist gestern feierlich eröffnet worden. Entworfen hat es Killa Design (Dubai), das Büro des Südafrikaners Shaun Killa. Er lebt seit 1998 in Dubai und hatte für Atkins Middle East unter anderem am Burj al Arab gearbeitet, bevor er sich 2014 selbstständig machte. Die Projekte, die er entwirft, sind vor allem eines: groß. Und sie haben oft ein Loch, wie zum Beispiel das Doppelhochhaus des Bahrain World Trade Center in Manama oder der Chelsea Tower in Dubai, Spitzname „Flaschenöffner“.

Beim Museum of the Future hatte Killa den Auftrag, ein atemberaubendes, wenn auch nicht besonders hohes Gebäude zu entwerfen. Sein Konzept lotet ungeachtet aller Kosten die Grenzen des computergestützten Entwerfens und Bauens aus. So bekam das Museum die geometrische Form eines oval verbogenen Rings oder Reifens, auch Torus genannt – eine Form also, die insbesondere CAD-Anwendern vertraut sein dürfte. Killa Design stellen es auf einen begrünten Hügel an Dubais Hauptstraße, die Sheikh Zayed Road. Im Zusammenspiel mit den beiden über 300 Meter hohen Emirates-Hochhäusern im Hintergrund dürfte der 77 Meter hohe Torus bald eines der meistfotografierten Motive Dubais sein.

Der Entwurfs- und Bauprozess wurde parametrisch gestaltet und mit Bauwerksdatenmodellierung digital gesteuert. Die Architekt*innen arbeiteten dabei mit den Ingenieuren von Buro Happold zusammen, das auch in Dubai eine Dependance unterhält. Unter der schimmernden Oberfläche des Museums verbirgt sich eine Stahlkonstruktion mit sieben Etagen, auf denen Ausstellungsflächen, Restaurants, Cafés und Veranstaltungsräume unterkommen. Die Stuttgarter Ausstellungsmacher*innen von Atelier Brückner durften den 3.000 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsteil „Journey of the Pioneers“ gestalten. Sie sprechen von einem „immersiven Erlebnis“, bei dem jede der drei Etagen mit „starken Raumbildern“ wie ein filmisches Setting wirken soll. Unter anderem kann man die fiktive Raumstation OSS Hope im Jahr 2071 begehen.

Auch außen spielt der Museumsbau mit Assoziationen der Raumfahrt. Seine Hülle besteht aus 1.024 glasfaserverstärkten Kunststoffplatten mit einer Edelstahloberfläche. Die Zahl bezieht sich auf die Anzahl der Bytes, aus denen ein Kilobyte besteht. Jede einzelne Fassadenplatte wurde von Robotern in 16 Arbeitsschritten passgenau angefertigt. Insgesamt hat die Fassade eine Oberfläche von 17.600 Quadratmetern, sie zu montieren dauerte alleine 18 Monate.

In die symbolgeladene Gebäudehülle wurden zudem geschwungene Fensterbänder eingelassen, die in arabischer Kalligrafie drei Zitate von Scheich Muhammad bin Raschid al Maktum wiedergeben. Übersetzt lautet der Text: „Wir leben vielleicht nicht Hunderte von Jahren, aber die Werke unserer Kreativität können ein Vermächtnis hinterlassen, das uns lange überdauern wird“, „Die Zukunft gehört denen, die sie sich vorstellen, sie entwerfen und ausführen können. Sie ist nicht etwas, das man abwartet, sondern etwas, das man schafft“, und „Innovation ist kein intellektueller Luxus. Sie ist das Geheimnis der Entwicklung und Selbsterneuerung von Nationen und Völkern.“ Al Maktum, den der High Court in London 2020 wegen Einschüchterung, Entführung und Misshandlung verurteilte, wird als Initiator des Museums und der Betreiberorganisation Dubai Future Foundation genannt.

Was es mit dem Loch auf sich hat? Auch hier wird es philosophisch: Der grüne Hügel zeige die Verbundenheit des Gebäudes mit seinem Ort, der Torus symbolisiere die Zukunft, das Loch das Unbekannte – das, was offen und unbelastet sei und die Menschen zu immer neuen Entdeckungen treibt. Die Schrift wiederum stehe für den Drang des Menschen nach Kreativität und Kunst. Die Kosten des Projekts werden mit umgerechnet 177 Millionen Euro angegeben. (fh)

Fotos: Dubai Future Foundation


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Zu den Baunetz Architekt*innen:

ATELIER BRÜCKNER


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